Martina Heide-Ermel (l.) und Manigé Danesch halten die Beratung von Flüchtlingen weiter für wichtig. FOTO: JOL
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Martina Heide-Ermel (l.) und Manigé Danesch halten die Beratung von Flüchtlingen weiter für wichtig. FOTO: JOL

Hilfe zur Integration läuft aus

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Immer weniger Menschen flüchten vor Verfolgung nach Deutschland. Doch auch diejenigen, die schon Jahre im Land sind, brauchen Hilfe im Umgang mit Behörden. So kann ein Asylverfahren drei Jahre dauern. Doch diese Hilfe wird zurückgefahren. Nun endet die Asylverfahrenberatung des Diakonischen Werks in Alsfeld. Dabei hilft sie bei Integration in Arbeit und Gesellschaft.

Beratung hilft: "Noch vor wenigen Monaten war der Familienvater oft krank und depressiv, heute ist er "superglücklich, geht zur Arbeit und kommt immer wieder einmal hier vorbei", strahlt Manigé Danesch. Die Pädagogin des Diakonischen Werks hat dem syrischen Vater geholfen, Ehefrau und vier Kinder aus dem Kampfgebiet nach Deutschland zu holen. Nun kann sich die Familie einleben, der Mann hat den Kopf wieder frei für den Job.

Auch fast fünf Jahre nach der Ankunft vieler Menschen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Afghanistan brauchen viele Geflüchtete weiterhin Hilfe beim Ankommen. Doch das wird nun schwieriger, weil die Beratung für Asylsuchende beim Diakonischen Werk Alsfeld endet. Manigé Danesch war über Projektmittel des Deutschen Hilfswerks für drei Jahre angestellt, nun endet die Förderung.

"Das ist ein großer Verlust, weil wir die Sprechstunde schließen müssen", sagt Diakonie-Leiterin Martina Heide-Ermel. Die Beratung in Lauterbach mit einer halben Stelle kann noch ein Jahr weiterlaufen, dann ist dort auch Schluss für Oonagh Fischer-McAteer. Dabei ist die Unterstützung weiter wichtig, wie die 425 Beratungen im vergangenen Jahr zeigen.

Denn Asylverfahren sind für Beraterinnen zeitaufwendig. So schaffen es viele Geflüchtete nicht, ihre Verfolgung im Heimatland so zu präsentieren, dass die Asyl-Entscheider den Grund der Verfolgung nachvollziehen können. Dann heißt es, in längeren Gesprächen die Fluchtgeschichte zu entwirren und die Verfolgung klar darzustellen.

Manche Asylverfahren ziehen sich über drei Jahre, wie Danesch anfügt. So gibt es zunächst eine Anhörung durch Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Oft wird der Asylantrag abgelehnt, und dann müssen die Unterlagen noch einmal sortiert werden, um abzuschätzen, ob sich eine Klage lohnt. Danesch spricht iranisch und kann direkt nachfragen. Zudem hat sie leichter Zugang zu Frauen, die mit Männern über persönliche Geschehnisse nicht reden.

Verzögerungen entstehen, wenn kein Pass vorliegt, Flüchtlinge aber nicht in die Botschaft des Heimatlandes gehen wollen. "Die Botschaft ist ein Gebäude, in dem iranisches Recht gilt, viele haben Angst dahinzugehen, weil sie verfolgt werden." Da sind die Beraterinnen gefragt, eine Lösung zu finden. "Sie brauchen eine ganz intensive Betreuung, vor allem wenn sie auch gesundheitlich angeschlagen sind", berichtet Danesch.

Auch bei einer Familienzusammenführung sind Experten wie Manigé Danesch nötig. Der schon erwähnte syrische Familienvater kam zu ihr mit einem Schreiben der deutschen Botschaft im Libanon, das er nicht verstand. Dort werden Anträge zur Familienzusammenführung von Menschen aus Syrien bearbeitet. Erst ein Telefonat Daneschs mit der Botschaft klärte die Lage. Er musste belegen, dass er mit seiner Frau verheiratet ist und es sich um die eigenen vier Kinder handelt. "Gefragt war so eine Art Familienbuch", sagt Danesch.

Das hat geklappt. Einige Wochen später meldete sich der Syrer freudestrahlend, weil es nun voranging. Das Diakonische Werk unterstützte ihn beim Kauf der teuren Flugtickets, und die Familie konnte ausreisen. "Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass man Menschen helfen kann", bilanziert Manigé Danesch. Erst wenn die Lebensumstände passten, könnten sich Menschen in das neue Leben einbringen.

Dabei ist die Lage für Geflüchtete unterschiedlich. Beraterin Oonagh Fischer-McAteer hat immer wieder mit Frauen aus Afrika zu tun, deren Asylaussichten schlecht sind. "Die haben oft Gewalt, Vergewaltigung und Menschenhandel erlebt." Es ist unmenschlich, die traumatisierten Frauen abzuschieben, meint sie.

Die Beratung war Teil des Netzwerks Migration, zu dem Behörden und Beratungstellen zählen. Die fehlende Betreuung können auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer kaum alleine abfangen, wenn das professionelle Angebot zurückgefahren wird, wie Heide-Ermel sagt.

Die Beraterinnen sind auch Ansprechpartner, wenn weitere Hilfen benötigt werden. Sie überweisen an eine Erziehungsberatung, helfen bei Gewalt in der Ehe, vermitteln Essen über die Tafeln und verweisen auf andere Stellen.

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