Urkunde für ein Fledermausfreundliches Haus: Bernd Fiedler, Ingrid und Dieter Schmidt, Thomas Steinke. FOTO: PM
+
Urkunde für ein Fledermausfreundliches Haus: Bernd Fiedler, Ingrid und Dieter Schmidt, Thomas Steinke. FOTO: PM

Ein Herz für pelzige Winzlinge

  • vonRedaktion
    schließen

Homberg-Maulbach(pm). Dieter und Ingrid Schmidt in Maulbach wurden dieser Tage mit einer Urkunde sowie einer Plakette für ihr "Fledermaus-freundliches Haus" ausgezeichnet. Außerdem wurde ihnen ein Buch über Fledermäuse überreicht. Sechzig Mal zuvor war eine solche Auszeichnung im Vogelsbergkreis verliehen worden. Die Überreichung der vom Landesvorsitzenden des NABU, Gerhard Eppler, und Ministerin Priska Hinz unterzeichneten Urkunde erfolgte in einer kleinen Zeremonie durch Thomas Steinke von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Hessen (AGFH) bzw. deren Untereinheit im Vogelsbergkreis.

Bernd Fiedler zählte mit

Anwesend war auch der Vorsitzende der Vogel- und Naturschutzgruppe Maulbach, Bernd Fiedler, dessen Beobachtungen zur Entdeckung der Fledermausquartiere am Wohnhaus von Dieter und Ingrid Schmidt und in deren Anwesen geführt hatten und der die nunmehr erfolgte Auszeichnung initiiert hatte. Nicht weniger als 46 Fledermäuse hatte er an einem Juliabend 2019 gezählt, die von diesem Quartier ausgeflogen waren. Steinke bedankte sich bei den Schmidts für deren Bereitschaft, die Fledermäuse in ihrem Anwesen zu dulden.

Andererseits, führte er aus, seien die Beeinträchtigungen, die von diesen Tieren ausgingen, minimal. Ein wenig Kot vielleicht, der zu Boden fällt, aber keine Zerstörungen am Gebäude.

Es handelt sich um Zwergfledermäuse, die im Wohnhaus der Schmidts Quartier bezogen hatten, und Steinke trug im Rahmen der Zusammenkunft viele interessante Details über die Fledermäuse im Allgemeinen und die Zwergfledermäuse im Besonderen vor.

19 verschiedene Fledermausarten leben in Hessen, und die Zwergfledermaus ist die bei weitem häufigste Art. Bei den beobachtbaren Quartieren handelt es sich um die Wochenstuben der Fledermäuse, die von April bis September aufgesucht werden. In einer solchen Wochenstube finden sich Steinke zufolge 50 bis 180 weibliche Tiere zusammen, um ihre Jungtiere aufzuziehen, in der Regel ein Jungtier pro Muttertier.

Er schätzte, dass es in einem Ort wie Maulbach acht bis zehn verschiedene Wochenquartiere gibt, die reihum aufgesucht werden. Kleine, nur daumengroße Öffnungen reichen den Zwergfledermäusen, um in ihr Quartier zu kommen. Die Quartiere müssen warm und frei von Zugluft sein. Spaltenräume hinter Fassadenverkleidungen erfüllen oftmals die Bedingungen. Die jungen Fledermäuse werden nackt und blind Anfang bis Mitte Juni, oft zur Zeit der Schafskälte, geboren und über mehrere Wochen gesäugt. Zwergfledermäuse werden etwa fünf Gramm schwer; sie sind ca. 4,5 cm lang, die Flügelspannweite beträgt bis zu 20 cm. Mit zusammengefalteten Flügeln würde eine Zwergfledermaus in eine Streichholzschachtel passen. Hauptnahrung der Winzlinge sind Insekten.

Ein Muttertier nimmt pro Nacht mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an Beute auf, das sind 3000 bis 4000 Mücken. Die Herzfrequenz der Fledermäuse liegt bei 400/min in Ruhe und steigt im Flug auf unglaubliche 1000/min an.

Hinweis auf Fledermaustelefon

Im Herbst erfolgt die Paarung, die aber nicht zu einer sofortigen Befruchtung führt. Vielmehr speichert das Weibchen den Samen bis zu acht Monate lang, bevor nach dem Winterschlaf, den die Tiere in einem frostfreien Winterquartier verbringen, die eigentliche Befruchtung stattfindet und die Tragezeit beginnt. Steinke war es noch wichtig, auf ein Fledermaustelefon hinzuweisen. Besonders in der Zeit, wenn die Jungtiere flügge würden, komme es vor, dass einzelne Tiere verunfallten und der Hilfe bedürften. Hierfür habe der NABU unter der Nummer 030/2849845000 eine zentrale Hotline eingerichtet, die im Bedarfsfall lokale Experten und Ansprechpartner vermittele. Gerne gibt er bei Fragen zu Fledermäusen oder Problemen mit den Tieren persönlich Auskunft unter der 0176/76700460.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare