Diana Wegerer (hinten) und Viola Euler geben den historischen Fenstern im Schloss vor der nächsten Farbschicht den letzten Schliff. FOTOS: JOL
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Diana Wegerer (hinten) und Viola Euler geben den historischen Fenstern im Schloss vor der nächsten Farbschicht den letzten Schliff. FOTOS: JOL

Ein Herz für alte Fenster

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Geduld und Fingerspitzengefühl sind gefragt, wenn sich Viola Euler und Diana Wegerer den alten Fenstern im Homberger Schloss widmen. Seit 2015 sind die beiden Schlosspatriotinnen am Werk, um die fast 50 Fenster zu restaurieren.

Wenn es um ihre Fenster geht, dann geraten Viola Euler und Diana Wegerer ins Schwärmen. "Ich finde das toll, die alte Struktur zu spüren, das ist gelebte Geschichte", sagt Euler. Diana Wegerer ergänzt, dass die Handwerker früher ein Hartholz verwendet haben: "Das bleibt fest und hält ewig". Um den Schatz der fast 50 historischen Sprossenfenster im Homberger Bürgerschloss zu erhalten, sind Euler, Wegerer und Herbert Weil jede Woche einige Stunden im sogenannten Malzimmer des herrschaftlichen Gebäudes aktiv. Seit 2015 werden die Fenster nach und nach restauriert, 20 Stück sind inzwischen wieder in Form gebracht.

"Die Fenster waren am Anfang in einem desolaten Zustand, besonders auf der Wetterseite", sagt Euler. Wind und Regen hatten die schützende Farbschicht durchlöchert, das Holz war morsch geworden.

Am Anfang waren die Schlosspatrioten noch skeptisch, ob sie die alten Stücke überhaupt erhalten können. Doch mithilfe des Restaurators Johannes Mosler überzeugten sie sich davon, dass der Erhalt machbar ist. "Das älteste Fenster ist aus dem 17. Jahrhundert", erzählt Euler. Die eingesetzten Scheiben sind unregelmäßig und entsprechen damit dem Stand der damaligen Technik. Das verleiht dem Ausblick einen romantischen Touch. Das ist spürbar im Schlosscafé, dessen Fenster unter den ersten waren, die wieder in Schuss gebracht wurden.

Mosler nimmt die stärker beschädigten Fenster mit in seine Werkstatt und bessert dort verfaulte Holzteile aus. Dann übernehmen Euler, Wegerer und Weil die nächsten Arbeitsschritte. Mosler hat sie in historischer Handwerkstechnik und im Umgang mit traditionellen Materialien geschult. Bei den weniger ramponierten Fenstern aus dem Landgrafenzimmer an der wetterabgewandten Seite musste Mosler nicht mitwirken.

Die alten Gläser werden neu verkittet, was sich leichter anhört, als es ist. Zunächst wird der alte Kitt vorsichtig aus den Fugen gekratzt und die Scheibe mit Gefühl und neuem Fensterkitt befestigt. Das Holz wird angeschliffen und dreimal auf jeder Seite mit Farbe versehen. Die Außenseite ist traditionell in rot, innen setzen die Schlossherren und -herrinnen auf weiß.

Zwischen den Anstrichen muss der Untergrund mit einem Schleifschwämmchen geglättet werden. "Wir steigern uns von Fenster zu Fenster", sagt Wegerer zufrieden. Dabei genießen die Malerinnen es, mit der Leinölfarbe zu arbeiten, "die riecht so angenehm".

Erfreulicherweise sind die Fenster bislang mit den alten Leinölfarben gestrichen worden. Moderne Ölfarbe hätte unter Umständen dafür gesorgt, dass das Holz schneller vermodert. Geduld müssen sie mitbringen, nach jedem Anstrich muss man eine Woche warten, bis die Farbe eingezogen ist.

Als nächstes wollen sie sich die Fenster im Ausstellungsbereich vornehmen. "Wir haben noch Geld für die Restaurierung von zwei Fenstern, dann müssen wir erst einmal sehen, wie es weitergeht", sagt Euler.

Immerhin haben die Schlosspatrioten bislang schon rund 77 000 Euro in die Fenster gesteckt. Davon kamen 23 000 Euro von der Denkmalpflege des Landes, den Rest haben die Ehrenamtlichen über Spenden und durch den Kuchenverkauf im Schlosscafé eingenommen. Bei den beachtlichen Größen der Sprossenfenster wäre eine Erneuerung aber eher teurer geworden, schätzen Euler und Wegerer.

Doch aktuell ist das Schlosscafé geschlossen, die Veranstaltungen, die auch Spenden brachten, fallen aus.

Übrigens: Die charakteristischen Sprossenfenster alter Häuser sind dadurch entstanden, dass man früher keine größeren Scheiben herstellen konnte, erläutert Wegerer. Deshalb hat man Holzstege, eben die Sprossen, eingefügt, um die Glasstücke zu befestigen. "Da musste man im Rahmen bleiben."

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