Das Naturdenkmal "Wildfrauhaus" liegt versteckt auf einer bewaldeten Kuppe nahe der Straße von Wohnfeld nach Götzen. Am nördlichen Teil ragt das Andesit bis zu acht Meter über den Waldboden empor. FOTO: PM
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Das Naturdenkmal "Wildfrauhaus" liegt versteckt auf einer bewaldeten Kuppe nahe der Straße von Wohnfeld nach Götzen. Am nördlichen Teil ragt das Andesit bis zu acht Meter über den Waldboden empor. FOTO: PM

Helles Vulkangestein am Wildfrauhaus

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Ulrichstein(pm). Ein Ausflugstipp für ein geologisch interessantes Bodendenkmal mit historischer Bedeutung. Das "Wildfrauhaus" liegt versteckt auf einer bewaldeten Kuppe nahe der Kreisstraße 133, die von Mücke-Wohnfeld zur Landesstraße 3167 zwischen Götzen und Altenhain führt. Das Geotop mit dem auffälligen Namen ist eine Felsformation, an der die germanische Göttin Freya verehrt wurde. Sie lebt im Märchen als Frau Holle und im Volksglaube als "Wilde Frau" auf.

Von der Anhöhe auf 455 Metern über Null hat man vom Waldrand oder zwischen alten Buchen hindurch eine weite Sicht ins Gießener Becken und das Ohmtal. Im Geotope-Buch des Landesamtes für Umwelt und Geologie von 2006 wird die dreiteilige Felsformation bereits als Naturdenkmal vorgeschlagen. In Zusammenarbeit mit dem Geopark Vulkanregion Vogelsberg wurde es als eines der 22 neuen Naturdenkmale ausgewählt und steht unter Naturdenkmalschutz. Das Forstamt hat das Gebiet als Kernfläche aus der Bewirtschaftung genommen.

Im Unterschied zu anderen Naturdenkmalen sind keine dunkelgrauen Gesteine zu erleben. Dort sind helle Flächen charakteristisch. Es ist tholeiitischer Andesit, ein besonderes Vulkangestein im Vogelsberg, das sich als Schmelze in Magmakammern bildet und dort länger verweilen kann. Die geochemische Veränderung in der Tiefe bewirkt, dass die dunklen Minerale der Schmelze entzogen werden und die Gesteine heller als andere Vulkanite sind.

Geologen nehmen an, dass der Andesit in einer nord-süd gerichteten Spalte durch den umgebenden Basanit aufgestiegen ist. Das geschah entlang einer Bruchlinie, an der die magmatische Schmelzmasse unterirdisch erkaltete und später durch Verwitterung freigelegt wurde. Besonders fallen die Klüfte im Gestein auf, die quer zur Anordnung der Klippen liegen und dem Gestein ein plattiges Aussehen geben. Diese Fugen entstehen durch langsame Abkühlung beginnend an den Flanken der Spalten. Die angewitterte Oberfläche hat eine hellbraune Farbe. Der frische Anschlag ist durch den hohen Anteil an Feldspat hellgrau. Das mittelkörnige Gestein setzt sich geochemisch weiter aus Kettensilikaten, Olivinen und Erz zusammen. Das spricht für eine Herkunft aus dem Erdmantel.

Eine geologische Beschreibung von Andesit, dem Gestein des Jahres 2020, kann man auf der Homepage des Geoparks (www.geopark-vogelsberg.de) nachlesen. Mehr Porträts der Naturdenkmale auf www.vogelsbergkreis.de.

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