Weil wegen der Corona-Regeln nicht alle in der Kirche Platz hatten, wurden im Freien vor dem Gotteshaus noch weitere Stühle aufgestellt. FOTO: EVA
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Weil wegen der Corona-Regeln nicht alle in der Kirche Platz hatten, wurden im Freien vor dem Gotteshaus noch weitere Stühle aufgestellt. FOTO: EVA

Heimat als Ort der Geborgenheit

  • vonHannelore Diegel
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Gemünden(eva). In ihrer Sommerkirchenreihe hatte die Katharinengemeinde zum Themengottesdienst "Wie lebst du zu Hause? Was ist Heimat?" in die Kirche in Nieder-Gemünden eingeladen. Das Besondere war, dass der Gottesdienst von den Eltern der derzeitigen Konfirmanden vorbereitet wurde.

In Zeiten von Corona ist die Organisation für einen Gottesdienst sehr aufwendig, so Pfarrerin Ursula Kadelka in ihrer Begrüßung. Da der Gottesdienst sehr gut besucht war, reichten die zur Verfügung stehenden Plätze in der Kirche nicht, sodass man kurzfristig für einige Besucher draußen vor der offenen Kirchentür Sitzplätze bereitstellte, die alle besetzt waren.

Sie habe heute einen "guten Job", meinte Pfarrerin Kadelka, die sich zwar mit den Eltern zur Vorbereitung getroffen hatte, doch nun das Zepter an Judith Hubel, Conny Schmitt, Ulrike Berg und Marion Müller weitergab, die in Vertretung der Konfirmandeneltern den Gottesdienstablauf übernahmen.

Es seit toll, dass so viele gekommen seien, das sei nicht selbstverständlich, freute sich das Elternteam in seiner Ansprache.

"Sie glauben gar nicht, wie viel wir zum Thema Heimat gefunden haben", begannen sie ihre Ausführungen. "Also erst mal haben wir festgestellt, dass es uns bei dem Thema ein wenig warm ums Herz wurde. Wir haben uns etwas Schönes vorgestellt und es war mit einem guten Gefühl verbunden", sagten sie. Alle seien sich einig gewesen, dass Heimat ein Ort ist, wo man glücklich und zufrieden lebt, wo man sein kann, wie man ist, dieselbe Sprache oder Dialekt spricht und man sich mit der Kultur identifizieren kann. Natürlich sei Heimat auch dort, wo die Familie ist, oder wo man seine Wurzeln hatte und aufwuchs. Genauso könne der Ort Heimat werden für "Zugezogene" oder "Beigefreite", wie man früher scherzhaft sagte.

Auch kamen Kindheitserinnerungen, die man mit dem Begriff "Heimat und Zuhause" verbindet, zur Sprache. Im Internet stehe als Erklärung ziemlich nüchtern: "Heimat ist der Raum, der Ort, aber auch eine zeitliche Vorstellung und hat mit der Kultur zu tun." In den Gesprächskreisen sei man sich einig gewesen, dass Heimat auch mit Sehnsucht nach Geborgenheit, Wohlfühlen und Schutz zu tun hat.

Angesprochen wurden die zahlreichen Flüchtlinge, die nach dem zweiten Weltkrieg ohne Hab und Gut, mit anderem Dialekt und in der Mehrheit katholisch in die Region kamen und Fuß fassten.

Themen waren auch die Deutschen, die in den 1990er Jahren aus Russland kamen. Ebenso die Flüchtlinge aus Bosnien, die für eine Weile in Gemünden lebten, aber größtenteils wieder zurück in ihre Heimat konnten und die große Flüchtlingswelle ab 2015, als auch in Gemünden zahlreiche Menschen aufgenommen wurden.

"Heimat"-Glauben gibt Trost

Für manche sei auch der Glaube "Heimat", meinte das Elternteam, tröste und mache Mut und aus diesem Halt könne man sein Leben gut gestalten. Sollte man sich, aus welchem Grund auch immer, einmal heimatlos, unverstanden oder ungeborgen fühlen, gebe es immer im Rahmen von Gemeinschaften ein Gegenüber, auf das man sich stützen könne. "Wir wünschen Ihnen, das Sie das immer wieder im Alltag erleben, dass Sie sich geborgen fühlen in ihrem Ort in der Gemeinde und in ihrem Glauben", gaben Judith Hubel, Conny Schmitt, Ulrike Berg und Marion Müller den Gottesdienstbesuchern mit auf den Weg.

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