Eine positive Bilanz ziehen Immobilienmakler für dieses Jahr, die Nachfrage nach Häusern im Vogelsberg bleibt hoch. Das gilt allerdings für zentrale Orte wie Alsfeld, Ulrichstein, Nieder-Ohmen oder Flensungen. In kleinere Ortschaften zieht es nicht so viele. ARCHIVBILD: JOL
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Eine positive Bilanz ziehen Immobilienmakler für dieses Jahr, die Nachfrage nach Häusern im Vogelsberg bleibt hoch. Das gilt allerdings für zentrale Orte wie Alsfeld, Ulrichstein, Nieder-Ohmen oder Flensungen. In kleinere Ortschaften zieht es nicht so viele. ARCHIVBILD: JOL

Haus auf dem Land ist gefragt

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Daran hat auch Corona wenig geändert - Immobilien sind weiter gefragt. Da inzwischen in zentralen Orten kaum noch etwas zu bekommen ist, weichen die Käufer inzwischen auf die Dörfer mit schlechter Infrastruktur aus. Wichtig ist ein Garten, eine gute Internetverbindung ist ein Muss, wie Makler berichten.

In den Städten ist es Betongold, im Vogelsberg eher Fachwerk-Edelmetall. Aber in jeden Fall sind Immobilien gefragt, inzwischen so sehr, dass einige Käufer über ihre finanzielle Schmerzgrenze gehen, um ein gefragtes Objekt doch noch zu sichern. Besonders gefragt ist das Einfamilienhaus mit Garten in einem zentralen Ortsteil mit Geschäften und guter Verkehrsanbindung.

Wenig Häuser auf dem Markt

Doch da ist der Markt leer gefegt, deshalb gehen auch Häuschen in einem dörflichen Neubaugebiet schnell weg, wie Makler berichten. Neben Käufern aus der Umgebung ist eine zunehmende Zahl an Interessenten aus dem Ballungsraum in der Region aktiv.

Das deckt sich mit dem bundesweiten Trend, wie ihn ein Bericht von Block-Builders aufzeigt. Der Spezialist für Kryptowährung hat ermittelt, dass die Immobilienpreise in ländlichen Regionen stärker gestiegen sind als im Ballungsraum. Im Jahr 2016 wurden zwölf Prozent der Kleinstadt-Immobilien von Großstädtern erworben, in diesem Jahr ist der Anteil auf 14 Prozent gestiegen. Das bestätigte Mike Schneider. Der Alsfelder Immobilienmakler schätzt, dass rund 80 Prozent der Hauskäufer "aus einem Umkreis von 15 Kilometern stammen". Hinzukommen noch einige Menschen, die es aus dem Ballungsraum Rhein-Main in den Vogelsberg zieht.

Das zu Ende gehende Jahr sei sehr gut gelaufen, "gefühlt besser als das vorherige". Hauptgrund für das weiter gestiegene Interesse sind die niedrigen Zinsen, die dazu verleiten, Wohneigentum zu erwerben. Die Folge: "Die Nachfrage ist weiter hoch, aber es gibt kaum Angebote", sagt Schneider.

Er beobachtet, dass sich Hausbesitzer ungern von Gebäuden trennen. Früher kam es oft zum Hausverkauf, wenn sich Ehepaare getrennt haben. Inzwischen ist der Zinssatz aber so günstig, dass ein Partner den anderen auszahlt und im angestammten Heim wohnen bleibt. In Vorjahren wurden auch Häuser verkauft, wenn die Eltern verstorben oder in ein Pflegeheim gezogen sind. "Die Leute sagen, was soll ich mit dem Geld auf der Bank, dann richte ich es eben her und vermiete es - da habe ich mehr davon." Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass der Makler mehr Wertgutachten erstellt hat.

Die Nachfrage bleibt stabil Doch da nur wenige Häuser in zentralen Orten wie Alsfeld und Altenburg verkauft werden, steigt das Interesse an Objekten in kleinen Orten. Wie Schneider anmerkt, sind Gebäude ohne Grundstück und mit echtem Sanierungsstau schwer zu vermarkten.

Insgesamt steigen die Preise, in diesem Jahr wurden Ein- und Zweifamilienhäuser um drei bis fünf Prozent teurer, ergänzt Marc Härter aus Alsfeld. Das liegt auch an den immer noch günstigen Preisen für Gebäude im Vogelsberg, wenn man sie mit denen im Frankfurter Raum vergleicht. "Alsfeld liegt am äußersten Rand des Speckgürtels, eine Stunde Fahrtzeit nehmen einige in Kauf", berichtet der Makler aus seinen Erfahrungen.

Aktuell sind wenige Gebäude im Angebot: "Mancher Käufer ist so verzweifelt, dass er über seinem Budget zuschlägt". Schwierig bleibt der Verkauf von alten Fachwerkhäusern, dabei ist Geduld gefragt. So hat Härter kürzlich ein altes Fachwerkhaus in der Alsfelder Innenstadt verkauft, dafür aber eineinhalb Jahre benötigt. Das Interesse war groß, rund 30 Besichtigungen fanden statt, bis sich ein Handwerker als Käufer fand.

"Ein Haus mit etwas Renovierungsbedarf aus den 1970er Jahren ist viel einfacher zu verkaufen", sagt Härter. Auch Häuser im Preissegment bis 100 000 Euro stoßen auf Interesse. Die meisten Käufer sind Paare mit Kindern und ältere Menschen aus der Metropolregion, "die es etwas ruhiger haben wollen".

Teils zu hohe Preisvorstellung

Ebenso wie seine Kollegen betont Dennis Hofmann vom Büro IMAXX, wie wichtig eine gute Infrastruktur beim Hauskauf ist. Deshalb sind zentrale Orte wie Ulrichstein, Flensungen, Merlau und Nieder-Ohmen weiterhin gefragt. Günstiger wird es in kleineren Orten wie Unter-Seibertenrod und Ober-Ohmen. Kaum noch gefragt sind Wochenendhäuser wie in Mücke-Windhain, weil die Menschen lieber in den Urlaub fliegen.

Hofmann bestätigt, dass mehr gekauft wurde. Die Preise in gefragten Orten haben in einem Jahr um rund drei Prozent zugelegt, schätzt er. Dabei hätten noch mehr Häuser verkauft werfen können, wenn die Verkäufer nicht in einigen Fällen "sehr hohe Preisvorstellungen" hätten.

Wichtig ist neben der Infrastruktur eine gute Verkehrsanbindung. Eine Selbstverständlichkeit ist inzwischen ein guter Internetanschluss, das ist in Zeiten von Homeoffice sehr wichtig geworden.

Wenig Nachfrage gibt es nach Hofreiten, die etwa für Pferdehalter interessant sind.

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