Bei der Verabschiedung sind (v. l.) Hans-Gerd Schneider, Dekan Norbert Heide, das Ehepaar Elke und Holger Becker (sitzend), Propst Matthias Schmidt, Veronika Reeh und Ortrud Theiß anwesend. FOTO: SF
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Bei der Verabschiedung sind (v. l.) Hans-Gerd Schneider, Dekan Norbert Heide, das Ehepaar Elke und Holger Becker (sitzend), Propst Matthias Schmidt, Veronika Reeh und Ortrud Theiß anwesend. FOTO: SF

"Handfester" Pfarrer geht

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Merlau(sf). Am Nikolaustag fand in der Kirche ein besonderer Gottesdienst statt. Pfarrer Holger Becker wurde nach 13 Jahren als Pfarrer für Flensungen und Merlau in den Ruhestand verabschiedet. Der Advent sei eine Zeit des Wartens auf die Ankunft von Jesus Christus, sagte Pfarrer Becker einleitend, und in diesem Jahr wartet man auch auf den Impfstoff gegen Corona.

Propst Schmidt erinnerte an der Werdegang von Becker, dass er nach dem Studium in Marburg in der Wicherngemeinde in Gießen bei Pfarrer Hugo Schmitt sein Spezialvikariat absolviert habe. Schon in der Schulzeit habe Hugo Schmitt ihn unterrichtet. Während des Spezialvikariats habe sich Becker besonderen Herausforderungen bei der Betreuung sozialer Brennpunkte, Obdachloser und Übersiedlerunterkunft gestellt. 1989 sei er in Watzenborn-Steinberg ordiniert worden, und dort wohnte er auch mit Ehefrau Elke und den drei Söhnen sieben Jahre lang, bis er dann in den Schuldienst an die Landgraf-Ludwig-Schule wechselte.

Gottesdienstfrei für besonderes Hobby

Im Jahr 2007 kam Becker wieder in den Gemeindedienst, und zunächst übernahm er den Vertretungsdienst und nach einem Jahr die Pfarrstelle von Flensungen und Merlau. Becker habe ja ein nicht pfarrerübliches Hobby, berichtete der Propst, denn er sei ein Pistolenschütze und ein überzeugter Pazifist. Für die Ausübung seines Hobby, bei dem auch oftmals am Sonntagvormittag Wettbewerbe stattfanden, sei er immer freigestellt worden, berichtete Propst Schmidt. "Wir danken Gott für deinen Dienst, für den Einsatz deiner Gaben und Kräfte, für deine Treue und Liebe. Du hast das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und in vielfältigen Formen die Botschaft von Gottes Treue bezeugt", sagte der Propst. Dann wurde Becker die Entpflichtungsurkunde überreicht.

Dekan Norbert Heide hatte für den künftigen Ruheständler noch eine Achterbahnfahrt im Gepäck. Der Altarraum in Merlau bot sich an, das auch anschaulich zu zeigen, denn Becker musste einige Male die Treppe nach oben, wieder nach unten und um den Altar laufen - wie eine Achterbahn eben. Man bekam dabei einen Weit- und Überblick der Bedürfnisse und Erwartungen seiner Schutzbefohlenen.

Ortrud Theiß, Kirchenvorstandsvorsitzende von Flensungen, sprach vom großen Glück, Holger Becker als Pfarrer bekommen zu haben. Er sei ein aufrechter Oberhesse, und mit der oberhessischen Sturheit habe man es auch dann geschafft, ihn als Pfarrer zu gewinnen. Es sei eine segensreiche Zeit gewesen, und auch Ehefrau Elke habe sich voll in die beiden Gemeinden eingebracht. Für Merlau sprach Kirchenvorstandsvorsitzender Hans-Gerd Schneider und er war mit seiner Kollegin einer Meinung, dass die Zusammenarbeit mit beiden Gemeinden und Pfarrer Becker eine runde Sache gewesen sei.

Schneider erinnerte daran, dass Becker immer da gewesen sei, wenn es etwas zu tun gegeben habe, auch wenn es mit dem Amt nichts zu tun gehabt habe. Becker sei sich nie zu fein gewesen, einen Schraubenzieher oder andere Werkzeuge in die Hand zu nehmen, um eine Reparatur durchzuführen. Das habe auch für seine Gattin gegolten. Ob beim Erntedankfest oder beim Aufstellen des Weihnachtsbaums, Frau Becker sei immer eine tatkräftige Hilfe gewesen.

Einige Gemeindeglieder seien mit der klaren Aussage, Ansprache und Meinung von Becker nicht zurecht gekommen. Diese hätten allerdings auch mit Frau Theiß und ihm (Schneider) das gleiche Problem gehabt, und darauf sei man sehr stolz.

"Wir haben immer an einem Strang gezogen. Das große Geheimnis der guten Zusammenarbeit lag daran, dass es nie Heimlichkeiten gab, den heutigen Tag einmal ausgenommen", resümierte Schneider. In die Amtszeit von Becker sei der Waldverkauf gefallen, der die Gremien drei lange Jahre beschäftigt habe. Auch die Sache mit dem Miniclub sei bis zur Auflösung zuletzt nicht einfach gewesen. Schneider wünschte Becker einen angenehmen Ruhestand und informierte, dass man Becker gleichwohl für 2021 bereits in die Pflicht genommen habe. Er habe versprochen, bei den bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen die Wahlleitung zu übernehmen.

Der Kirchenvorstandsvorsitzende ergänzte noch namens der Sängervereinigung: "Wir bedanken uns bei Ihnen für die hervorragende Zusammenarbeit, sei es beim Adventsingen oder bei den sonstigen Festgottesdiensten. Als Dankeschön sind Sie und Ihre Gattin beim nächsten Konzert oder musikalischen Gottesdienst unsere Ehrengäste und dürfen auf das musikalische Programm Einfluss nehmen. Liedwünsche aus unserem Repertoire nehmen wir von Ihnen dann gerne entgegen." Mit einem irischen Segenswunsch schloss Schneider seine Rede.

Pfarrer Becker war gerührt und bekam von beiden Kirchengemeinden Geschenke sowie noch eine Sitzbank mit einem Tisch.

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