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Digital und (fast) ohne Papier: Sebastian Aschoff (r.) führt durch das Büro von Venforce in Gemünden. Die Besucher sind (stehend v. l.) Ute Müller vom Arbeitgeberservice der KVA Vogelsbergkreis, Bürgermeister Lothar Bott, Erster Kreisbeigeordneter Jens Mischak und Thomas Schaumberg von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises. FOTO: PM

Handel digital steuern

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E-Procurement und Data-Cloud sind Begriffe, die man eher im städtischen Co-Working-Space vermuten würde als im Brühlweg in Nieder-Gemünden. Doch Sebastian Aschoff hat sich bewusst für seine Heimatgemeinde Gemünden entschieden und sein Start-up verwirklicht. Dort laufen die Fäden des digitalen Handels zusammen.

Eine Besuchergruppe mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak überzeugte sich bei einem Betriebsbesuch im Brühlweg in Nieder-Gemünden davon, wie Venforce Warenströme digitalisiert und Lieferanten und Kunden vernetzt.

Venforce - der Name setzt sich aus Vendor, englisch für "Verkäufer" und dem englischen Wort für Kraft zusammen - möchte Firmenkunden und Lieferanten zusammenbringen und dabei die Ansprüche der beiden Seiten des digitalen Handels aufbereiten und bündeln. Sebastian Aschoff, CEO von Venforce und IT-Systemkaufmann, findet ein einfaches Beispiel.

"Ein Versanddienstleister hat 80 Depots, verteilt über die ganze Republik. Beispielsweise die Beschaffung von Äpfeln für die Mitarbeiter an den Standorten sorgt in der Buchhaltung für sehr viel Arbeit. Kassenbons müssen abgerechnet, Barkassen der Standorte geprüft oder Geld an den Mitarbeiter zurückgegeben werden, der die Äpfel auf eigene Rechnung beschafft hat", führt Aschoff aus.

An dieser Stelle komme Venforce mit seinen fünf festen Mitarbeitern ins Spiel. "Wir suchen einen Lieferanten, liefern Produktfotos, -beschreibungen und datenbankkonforme Datensätze, die das Einkaufssystem des Versandhändlers benötigt und integrieren den Obstkorb in das Beschaffungsmanagement", beschreibt der Gründer den Ablauf.

So könne auf digitalem Weg eine Bestellung ausgelöst, der Lieferant beauftragt, der Versand veranlasst und die Zahlung gebucht werden - ohne dass die Buchhaltung unzählige Belege sammeln und verbuchen muss. Unternehmen aus Industrie und Handel werden - auch mit lokalen - Lieferanten vernetzt, um automatisierte und digitalisierte Beschaffungsprozesse zu ermöglichen.

"Es wird so viel über Digitalisierung gesprochen - zu sehen, wie sie von einem Start-up im Vogelsbergkreis umgesetzt wird, ist eine tolle Sache", stellt Mischak fest. Digitalisierung bedeute auch, dass Arbeitsplätze flexibler und ortsunabhängig werden. "Die Region kann davon nur profitieren - Venforce ist ein schönes Beispiel dafür, wie die Digitalisierung Wirtschaftsbereiche verändert und neue Möglichkeiten auch für den ländlichen Raum schafft". "Dass Venforce mit Start des neuen Ausbildungsjahres im E-Commerce-Beruf ausbilden möchte und noch einen Platz frei hat, ist bemerkenswert."

Kassenzettel-App in Planung

Eines seiner folgenden Projekte soll eine App sein, mit der Rechnungen und Kassenzettel abfotografiert und direkt zur Abrechnung geschickt werden können, erläutert Sebastian Aschoff. "Die App scannt dann den Text, und danach wird der Kassenzettel direkt weitergeleitet und kann digital verarbeitet werden", beschreibt der IT-Kaufmann seine Pläne.

Anforderungen aus der Industrie 4.0 setzt Venforce mit seiner eigenen Data-Cloud um. Dort können Artikeldaten gespeichert, kategorisiert und klassifiziert sowie in die Arbeitsprozesse der Unternehmen integriert werden. "Die Stammdaten aller Artikel werden nach den Anforderungen des Nutzers aufbereitet und zur Verfügung gestellt", erläutert Aschoff.

Seine Mitarbeiter müssen nicht ein- oder ausstempeln. "Alle kommen und gehen, wie sie wollen - was zählt ist am Ende des Tages das fertige Projekt", sagt der Gründer. Er stelle das Ergebnis in den Vordergrund und vertraue seinen Mitarbeitern. "Für mich ist das ein Zeichen der Wertschätzung, die ich meinen Mitarbeitern entgegenbringe."

Gemeinsam mit Lothar Bott, Bürgermeister der Gemeinde Gemünden, Thomas Schaumberg von der Wirtschaftsförderung und Ute Müller vom Arbeitgeberservice der Kommunalen Vermittlungsagentur (KVA) des Vogelsbergkreises, zeigte sich der Erste Kreisbeigeordnete beeindruckt vom jungen Unternehmen, das seine Heimat im Vogelsbergkreis gefunden hat. "Frische Ideen, neue Ansätze und andere Wege sind die Trümpfe, die Start-ups wie Venforce auch im Vogelsbergkreis ausspielen können."

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