Hacker-Angriff auf Promis und Politiker

  • vonDPA
    schließen

Alsfeld(dpa). Wegen eines massiven Online-Angriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente steht von heute an ein 22-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht in Alsfeld. Der junge Mann aus Homberg soll private Daten erbeutet und diese dann im Netz veröffentlicht haben.

Der Fall hatte 2019 bundesweit für viel Aufsehen gesorgt - zumal der mutmaßliche Hacker damals Schüler war und bei seinen Eltern wohnte. Unter anderem waren mehrere Bundestagsabgeordnete betroffen. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt.

Passwörter geknackt

Die Liste der Vorwürfe ist laut der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) lang: Angeklagt ist der 22-Jährige unter anderem wegen Ausspähens und Veränderung von Daten, Fälschung, Datenhehlerei, falscher Verdächtigung und Vortäuschens von Straftaten sowie versuchter Erpressung.

Laut Anklage fing er bereits 2015 damit an: Demnach gelangte er über die Rücksetzfunktion von E-Mail-Fächern und Online-Profilen an Passwörter. In anderen Fällen soll er bereits gestohlene Daten auf einer illegalen Hacker-Webseite gekauft haben. Dann änderte er die Passwörter, um die Opfer auszusperren. Seine Beute: Adressen, Kreditkartendaten, Telefonnummern, Fotos und Korrespondenz.

In einer Art digitalen "Adventskalender" bei Twitter stellt er laut Anklage im Dezember 2018 täglich neue Daten von Politikern, Journalisten, Rappern, YouTube-Stars und anderen Prominenten online. Zunächst nahm davon kaum jemand Notiz. Der große Knall kam im Januar, Medien berichteten bundesweit. Die Ermittler nahmen seine Spur auf. Der Schüler versuchte noch, Daten zu vernichten. Kurz darauf wurde er festgenommen. Bei seiner Vernehmung sagte er laut Bundeskriminalamt (BKA), er habe Menschen "bloßstellen" wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe. Mittlerweile werden ihm weitere Straftaten zur Last gelegt. Er soll sechs Abgeordnete des Bundestages erpresst haben, indem er anbot, auf die Veröffentlichung der Daten gegen Bitcoins im Wert von 900 Euro zu verzichten.

Bombendrohung

In drei Fällen soll er außerdem per E-Mail angeblich bevorstehende Bombenanschläge und Amok- läufe vorgetäuscht sowie in zwei Fällen durch falsche Verdächtigungen Ermittlungen gegen andere Person initiiert haben.

Eine Fortsetzung der Verhandlung ist für Mittwoch, den 30. September, terminiert. Über den Ausgang des nicht öffentlich geführten Verfahrens will das Amtsgericht informieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare