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Aus Gülle wird Dünger

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Landwirte sind beim Klimaschutz Täter und Opfer. So bedeuten steigende Temperaturen schlechtere Ernten. Andererseits nehmen vor allem Rinderhalter hohe Emissionen von klima- schädlichem Ammoniak aus der Gülle in Kauf. Der Betrieb Hamel präsentiert eine neue Technik, die den Ausstoß des Gases verringern soll.

Ungewöhnlicher Andrang herrschte dieser Tage im dämmerigen Kuhstall der Familie Hamel im Schwalmtaler Ortsteil Storndorf. Im Vordergrund saßen gut 30 Landwirte, Politiker und Vertreter von Handelsketten zusammen und debattierten über Ammoniak und den Klimaschutz. Im Hintergrund sprangen einige Kälber in ihrer strohgedeckten Box umher und vier Kühe äugten neugierig zu der Diskussionsrunde herüber. Das Besondere lag dabei in der Luft, denn der Betrieb Hamel-Eckstein sorgt mit einem Mineral-Erdegemisch für einen deutlich geringeren Ammoniakgehalt in der Gülle, die ansonsten für einen eher techenden Geruch im Stall sorgt.

Diese sogenannte "Methode Hamel" und weitere Verfahren zur Verminderung von Ammoniak in der Gülle waren Thema der Klimaschutztagung in Storndorf. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und die Interessengemeinschaft gesunde Gülle stellten Techniken vor, mit denen deutlich weniger klimaschädliches Ammoniak in die Umwelt gelangt.

Der Trick ist, die Gülle schon im Stall zu behandeln, wie Dr. Peter Hamel erläuterte. Er und sein Kompagnon Philipp Eckstein geben Leonardit (eine Unterform des Minerals Laumontit) auf die Gülle, die üblicherweise in einer Rinne im Stall gesammelt wird. Die Weicherde mit Torfanteil enthält viel Huminsäure. Gesteinsmehl aus dem Steinbruch Brauerschwend und Pflanzenkohle werden ebenfalls in die Gülle geschüttet, um Ammoniak in Ammoniumsalz umzuwandeln. "Das ist ein wertvoller Dünger", fügte Hamel an. Bei Messungen hat er eine Minderung der Ammoniak-Emissionen um 60 bis 85 Prozent festgestellt.

Der Vorteil der Methode liegt darin, dass die Emissionen bereits im Stall wirksam gesenkt werden können. Das sei besser, als später bei der Ausbringung anzusetzen. So gelangen bislang 41 Prozent des ausgestoßenen Ammoniaks bereits im Stall in die Luft.

Hamel und der hessische ABL-Sprecher Reinhard Nagel fordern mit Blick auf die Düngeverordnung (DüV) von der Politik, dass die Form der Gülleveredelung gesetzlich berücksichtigt wird.

Denn bislang setzt der Gesetzgeber auf Vorgaben bei der Ausbringung, um den Ammoniakausstoß zu mindern. Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser sagte den Landwirten, für eine Zulassung solcher alternativer Techniken sehe es gut aus.

Sie erinnerte auch an den Hintergrund der Debatte um Gülle und Ammoniak, denn die Landwirtschaft ist Hauptverursacher des klimaschädlichen Gases. Andererseits seien Landwirte Opfer des Klimawandels, der unter anderem für heiße und trockene Sommer sorgt. Um das Ziel zu erreichen, im Jahre 2050 klimaneutral zu wirtschaften, seien viele kleine Lösungen gefragt. Die Düngeverordnung sei ein Teil davon.

Dabei gehe es auch darum, die Nitratbelastung im Boden zu mindern, um das Grundwasser zu schützen. Eine Vorgabe ist, die Gülle nach dem Ausbringen binnen einer Stunde einzuarbeiten, damit nicht so viel Ammoniak in die Luft gelangt. Es sei möglich, Techniken zur Gülleveredelung zu berücksichtigen, sagt Tappeser. Landwirt Hamel betonte, man sei gemeinsam auf einem guten Weg. Er geht davon aus, dass der Ammoniakausstoß im Stall mit der Güllebehandlung um über 50 Prozent gesenkt werden kann.

Die Technik sei "innerhalb kürzester Zeit umsetzbar" und billig. Denn die moderne Ausbringungstechnik ist teuer. Ein entsprechendes Güllefass kostet 60 000 bis 80 000 Euro, eine Abdeckung für den Güllebehälter sei auch nicht billig. Bauern dürfen auch die Gülle nicht bei Badewetter ausbringen, "wenn dann die Sonne draufknallt".

Die Güllebehandlung mit Leonardit, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle verbessere zudem die Luft im Stall, das nütze dem Tierwohl. Und am Ende gelange weniger Nitrat ins Trinkwasser. (Foto: jol)

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