Blick auf die Kindertagesstätte in Merlau. Der Anbau soll rechts erfolgen, um dem nach vorne stark hängigen Gelände auszuweichen. FOTOS: RS
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Blick auf die Kindertagesstätte in Merlau. Der Anbau soll rechts erfolgen, um dem nach vorne stark hängigen Gelände auszuweichen. FOTOS: RS

Grünes Licht für Kita-Ausbau

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Zwei Kindertagesstätten von Mücke werden erweitert. Das klingt nach Zweckbauten. In einem Fall hat das Architekturbüro allerdings einen Rundbau geplant. Und bei der Diskussion am Mittwoch in der Gemeindevertretung kündigte sich eine organisatorische Neuerung an: Eine Kita wird siebengruppig. Die Leitung dürfte dann wohl nicht mehr erzieherisch tätig werden.

Seit über einem Jahr werden in Mücke die Betreuungsplätze bei den Kindertagesstätten ausgebaut, gleichwohl gibt es noch eine Warteliste mit rund 50 Kindern. Dazu erläuterte Bürgermeister Andreas Sommer in der Gemeindevertretersitzung am Mittwoch Abend im Dorfgemeinschaftshaus von Nieder-Ohmen, der Bedarf an neuen Räumlichkeiten begründe sich aber auch durch das Fehlen der notwendigen Sozialräume. Zudem seien separate Büros nötig, eine der Einrichtungen werde demnächst sogar siebengruppig sein. Die Kita-Leitungen stellten seit vielen Jahren ihre Sozialräume auch den Kindern zur Verfügung. Das ehre die Bediensteten, könne aber so nicht weiter gehen. Bei der Einrichtung in Nieder-Ohmen würde seit vielen Jahren über die Kapazitätsgrenze hinaus betreut, deshalb solle in diesem Fall eine Gruppe nach Merlau verlagert werden. Hintergrund dabei ist, dass das Grundstück der Nieder-Ohmener Kindertagesstätte in der Ortsmitte keinerlei Erweiterungsspielraum bietet. Die Kosten für die Erweiterungsvorhaben in Merlau und Groß-Eichen bezifferte der Bürgermeister auf zusammen rund 2,4 Millionen Euro. "Wenn was unsicher ist in diesem Jahr, dann ist es der Haushalt der Kommunen", merkte Sommer an. "1,65 Millionen Euro fehlt derzeit bereits bei der Gewerbesteuervorauszahlung."

Wenn man heute das Vorhaben auf den Weg bringe, dann werde es dazu in diesem Jahr noch keine Rechnung geben, inhaltlich werde man sich zu dem Vorhaben im nächsten Jahr noch auseinandersetzen können. Es gebe die Ankündigung, dass es ein Bundesprogramm für Kindertagesstätten geben werde, und Förderanträge könne man erst mit einer verbindlichen Planung stellen.

Architektin Becker vom Homberger Büro Herbod Gans hatte die beiden Erweiterungsvorhaben geplant und stellte die Projekte den Kommunalpolitikern sowie rund zehn Zuhörern vor. Der aktuelle Stand ist bereits mit dem Personal der betroffenen Kitas abgestimmt.

Wo wird in Groß-Eichen angebaut? Dort ist das Gelände talwärts Überschemmungsgebiet, und von der Zufahrt her wird es angedient, dort ist kein Spielraum. So geht man hinter das Gebäude in Richtung Ortsmitte unterhalb des vormaligen Pfarrhauses und heutigen Ernst-Eimer-Museums. Betreuungsräume wie seither im Obergeschoss sind nicht mehr zulässig, und so gibt es dort einen großen Personalraum. Dort befinden sich auch großzügige Abstellräume. Der Neubau wird in Ständerbauweise modular vorgefertigt, deshalb wird das Aufstellen sehr schnell vonstatten gehen können. Geplant wird mit einem Flachdach. "Das kann man begrünen, muss man aber nicht, und letztlich ist es eine Kostenfrage", sagte die Architektin.

Was ein Satteldachanlage, so bedeute das Mehrkosten, und man schaffe einen Raum nur mit Luft, der ungenutzt bleibe. In einer kurzen Diskussion über die Vor- und Nachteile von Flachdächern informierte die Architektin, früher hätten die Dichtbahnen Weichmacher enthalten, durch die die Bahnen porös geworden seien, so dass Wasser durchgesickert sei. Das habe zur Folge gehabt, dass im Vogelsbergkreis sämtliche Flachdächer an Schulen in jahrelanger Arbeit mit Satteldächern versehen worden seien. Nach ihrem Kenntnisstand gebe es die aktuelle Technik her, dichte Flachdächer zu bauen.

Rundbau in Merlau

Bei der Heizung müsse erst noch geprüft werden, ob sie die neue Fläche mit versorgen könne, berichtete die Architektin. Das Projekt in Groß-Eichen soll 756 000 Euro kosten ohne eine Lüftungsanlage und den Grunderwerb. Der ist nötig, weil sich auf dem alten gemeindlichen Grundstücke eine Erweiterung nicht machen lässt. In der Bauphase wird der seitherige Betrieb nicht beeinträchtigt.

Zu Merlau erläuterte die Architektin, das Grundstück weise eine sehr starke Hanglage auf, so dass man nicht barrierefrei arbeiten könne, wenn man talwärts erweitere. Deshalb müsse man oben bleiben bis zur Grundstücksgrenze Richtung freies Feld. Das führt dann zwangsläufig zu einem sehr langgestreckten Gebäude. Allerdings wird der Effekt dadurch gemindert, dass der Anbau rund ausgeführt wird, wobei von einem zentralen Raum aus die Gruppen- und anderen Räume ausgehen. Vorgesehen sind ein großer Essensraum, ein Personalraum und ein Schlafraum sowie zwei Gruppenräume. Über ein zentrales Gebäude würden alle anderen Räume erreicht, ohne lange Flure zu haben, erläuterte Becker. Alle U 3-Kinder bekommen einen eigenen Eingang über den neuen Zentralbau, die Ü 3-Kinder kommen über den seitherigen Eingang in die Einrichtung. Zwischen den neuen Gruppenräumen gibt es Türen, so dass sich Betreuer rasch austauschen können.

In Merlau ist eine neue Heizung (Niedertemperaturanlage mit Fußbodenheizung) zwingend, weil die seitherige Anlage das neue, große Bauvolumen nicht zusätzlich abdecken kann. Der Neubau wirkt zwar rund, die modularen Wände sind aber grade ausgeführt, so dass insgesamt ein sternförmiger Eindruck entsteht. Vorteil dieser Bauausführung ist nach Angaben von Becker eine leichte Beschattung vor den Gruppenräumen. Der zentrale Bereich in der Mitte wird mit einer großen Lichtkuppel überdacht und so mit Tageslicht ausgeleuchtet.

In den beiden Erweiterungsfällen werden die Übergänge zwischen alt und neu beziehungsweise die Änderungen im Altbestand in den Kindergartenferien erfolgen. In Merlau wird die Zeit dafür allerdings nicht reichen. Baukosten von 1,83 Millionen Euro in Merlau bedeuten eine leichte Erhöhung zu den ersten Zahlen, weil vom Jugendamt größere Gruppenräume gefordert worden waren.

Bürgermeister Sommer informierte, dass die Leiterinnen der Kitas seither auch in den Gruppen erzieherisch wirkten. Aber in Merlau seien es nach der Erweiterung über 100 Kinder in sieben Gruppen, da stelle sich die Frage, ab welcher Größe leitende Personen von Erziehungsaufgaben frei gestellt werden müssten.

Die Grünen-Fraktion regte an zu prüfen, ob Fotovoltaikanlagen wirtschaftlich auf den Dächern der Kindertagesstätten montiert werden können. Das wurde ebenso einstimmig angenommen wie die vorgestellte Planung

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