Die Bettungsreinigungsmaschine hat den alten Schotter unter Gleisen und Schwellen entfernt. Jetzt fördert der Arbeiter am Schaltpult neuen Schotter von den hinteren Waggons unter die Bahnschwellen. FOTOS: RS
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Die Bettungsreinigungsmaschine hat den alten Schotter unter Gleisen und Schwellen entfernt. Jetzt fördert der Arbeiter am Schaltpult neuen Schotter von den hinteren Waggons unter die Bahnschwellen. FOTOS: RS

Großreinemachen im Schotterbett

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Wenn die Bahn putzt, fällt alles etwas größer aus. Das ist so bei Zugwasch- anlagen, und am Mittwoch erlebten die Nieder-Gemündener, was es heißt, wenn das Gleisbett gereinigt wird. Mehrere Stunden lang ratterte ein rund 200 Meter langer Bauzug am Ortsrand vorbei.

Es führen zwischen Gießen und Fulda nicht viele Brücken über die Vogelsbergbahn. Deshalb haben die Nieder-Gemündener Glück, dass sie gleich zwei haben. Denn so hatten sie am Mittwoch Nachmittag und frühen Abend einen hervorragenden Platz über dem langen Bauzug, der sich mit rund 300 Metern in der Stunde am Ortsrand vorbei über die Gleise bewegte. Und weil sich das Vorhaben gleich um mehrere Stunden verspätet hatte, konnten auch Arbeitnehmer nach Feierabend einen Blick auf die fahrende Baustelle werfen.

Die Vogelsbergbahn ist seit Samstag noch bis zum 20. Juli zwischen Gießen und Alsfeld voll gesperrt, weil Gleise ausgewechselt werden müssen, Bahnübergänge werden erneuert und Schwellen ausgetauscht. Die Schotterreinigung mit teilweiser Gleiserneuerung wird nur im Bereich Gemünden auf einer Länge von rund 1,5 Kilometer ausgeführt. In dieser Zeit ist ein Schienenersatzverkehr mit Omnibussen eingerichtet.

Wie kann man mit einer rund 200 Meter langen Maschine Schotter unter den Gleisen reinigen? Das sieht ganz einfach aus, denn mit dem mehrere Hundert Tonnen schweren Zug wird das am Anfang des letzten Drittels maschinell gemacht. Nur einmal muss das Schotterbett dazu vorher rund einen halben Meter tief auf einer Länge von höchstens einem Meter von Hand entfernt werden. Die dann fehlende Stütze von unten wird mit einer Balkenlage ersetzt. Dann rollt der Zug mit der Bettungsreinigungsmaschine, wie sie im offiziellen Bahn-Deutsch genannt wird, zu rund zwei Drittel über die Stelle. Das sind die Waggons, auf denen der später geförderte alte Schotter gereinigt wird und der gegebenenfalls nötige Ersatzschotter gelagert ist.

Kratzerketten holen Schotter raus

Steht die über 170 Tonnen schwere Bettungsreinigungsmaschine über der Anfangsstelle, lastet dort kein Druck mehr auf dem Gleis, denn die über 170 Tonnen werden über riesige Träger zu den Achsen nach vorne und hinten abgetragen. Direkt über der vom Schotter befreiten Gleislage befindet sich der Führerstand mit allen nötigen Werkzeugen und einem Kran. Mit dem wird das rund eine Tonne wiegende Werkzeug unter die Gleise gezogen und seitlich an den beiden Schotter-Förderarmen befestigt. Diese Kratzerketten heben den verunreinigten Schotter aus und bereiten zugleich das Fundament für den neuen Schotter vor. Gereinigt wird der Schotter auf den vorderen Waggons in großen Schwingsieben mit mehreren Siebebenen. Der saubere Schotter wird unmittelbar hinter der Aushubkette wieder zurückgeführt.

Nach Beseitigen des Schotters schweben die Gleise und Schwellen auf einer Strecke von rund acht bis zehn Metern. In dieser Phase kann an Schwellen oder Gleisen gearbeitet werden. Danach wird hinten automatisch über ein System von Förderbändern von Waggon zu Waggon der inzwischen gereinigte oder zusätzliche neue Schotter zugeführt und über einen Schwenkarm nach rechts und links verteilt.

Insgesamt sind an dem langen Bauzug nur neun Leute beschäftigt. Sie sind alle über eine Sprechanlage miteinander verbunden, weil der Lärm der Maschinen und die Distanz zueinander eine normale Verständigung unterbindet. Die Kopfhörer mit Mikrofon können über fünf oder sechs Meter lange Spiralkabel an vielen Stellen des Bauzuges in das Kommunikationssystem eingestöpselt werden. Für Die Feinarbeit übernimmt später ein nachfolgender Zug.

Bereits am Donnerstag war die Bettungsreinigungsmaschine in Thüringen im Einsatz. Denn bundesweit gibt es nur sieben von ihrer Art. Eigentlich hätte sie mit ihren beiden großen Motoren mir zusammen 3000 PS auch selbst bis hin zu 100 Stundenkilometer schnell fahren können, aber beim aktuellen Umsetzen wurde sie von eine Lokomotive gezogen.

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