Mitarbeiter der Firma Parker Hannifin aus Mücke spenden (oben Melanie Keller und Michael Ziese mit Stefan, Elke und Kai Sames), und auch die Belegschaft des Landhotels Gärtner überreicht Geld für den Spezialrollstuhl. FOTOS: SF
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Mitarbeiter der Firma Parker Hannifin aus Mücke spenden (oben Melanie Keller und Michael Ziese mit Stefan, Elke und Kai Sames), und auch die Belegschaft des Landhotels Gärtner überreicht Geld für den Spezialrollstuhl. FOTOS: SF

Das große Ziel ist erreicht

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Es war eine Herausforderung, aber es hat sich gelohnt. Zwei Monate nach dem Bericht in dieser Zeitung über das Schicksal von Stefan Sames aus Flensungen ist so viel Geld zusammengekommen, dass der ersehnte teure Spezialrollstuhl gekauft werden kann. Die Familie zeigt sich immer noch ergriffen von der großen Spendenbereitschaft.

Er hat immer fest daran geglaubt, "dass wir es schaffen können", sagt Sohn Kai Sames. Er hatte die Aktion in die Hand genommen und über eine Plattform im Internet die Spenden gesammelt. Die Familie sei von der großen Anteilnahme immer noch überwältigt, sein Vater Stefan "sehr glücklich, froh und dankbar". Darüber, dass sich so viele Menschen für ihn eingesetzt haben und sich an ihn erinnern.

Man merkt ihm an, dass er sich dadurch sehr bestärkt fühle. "Dankbarkeit, Demut, Lebensfreude", das sind Empfindungen und Werte, die in den vergangenen Wochen in den Köpfen der Familie geblieben sind. Sie freuten sich über eine "großartige Unterstützung von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern".

Doch auch viele bis dahin völlig unbekannte Menschen wandten sich in den vergangenen Wochen an die Familie, berichteten im Internet, in Briefen oder am Telefon von ähnlichen Schicksalsschlägen und dem eigenen langen Kampf gegen Krankheit und ihre Folgen im Alltag.

Vereine und Firmen spendeten, jüngstes Beispiel waren die Fußballer des SV Nieder-Ohmen, die den Gewinn ihres Haxenessens für den Rollstuhl von Stefan Sames überreichten, in diesem Jahr waren noch deutlich mehr Gäste gekommen als in den Jahren zuvor. Auch die Familie Gärtner vom gleichnamigen Landhotel war betroffen vom Schicksalsschlag von Stefan Sames. Julia, Christine und Bernd Gärtner stellten sich daraufhin die Frage, was sie tun können. Man hatte das Landhotel trotz der Corona-Zeit vor einiger Zeit barrierefrei gestaltet. "Viele Menschen sind auf einen solchen barrierefreien Zugang angewiesen", sagt Bernd Gärtner. Mit dem Hausarchitekten wurde ein Aufzug angebaut. Nun hat das Landhotel eine Klassifizierung A, das heißt, man kann es in allen Bereichen mit dem Rollstuhl befahren. So wurde die Idee geboren, die Familie Sames zum Essen einzuladen. Und statt einer offiziellen Einweihung des neuen Aufzugs spendete Familie Gärtner 500 Euro an die Familie.

Auch die Mitarbeiter der Firma Parker Hannifin aus Flensungen legten zusammen und überreichten schließlich stolze 2000 Euro an die Familie Sames für den "Steh-Elektro-Rollstuhl". Wie Teamleiterin Melanie Keller und Kollege Michael Ziesse berichteten, stammt das Geld aus der Tombola anlässlich der letztjährigen Weihnachtsfeier und von der Geschäftsleitung wurde der Betrag aufgerundet.

Alles in allem ist in dieser Woche die Summe von 32 500 Euro erreicht worden. Jetzt kann ein Kostenvoranschlag eingeholt und der Spezialrollstuhl bestellt werden.

Familie Sames will sich übrigens noch bei allen der etwa 500 Spender mit einer kleinen Geste bedanken, bisher ist man noch nicht dazu gekommen. Spenden kamen sogar aus dem Ausland, aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien oder aus China. Die überwiegende Zahl der Spender kam aus der Region Mittelhessen.

Ein Wermutstropfen trübte vergangene Woche die Freude. Denn unbekannte Einbrecher nutzten tagsüber eine Abwesenheit der Familie und brachen ein. Zwar wurden keine Spendengelder gestohlen, wohl aber Erinnerungsstücke. Doch die Familie lässt sich nicht unterkriegen. "Wir haben jetzt fünf Jahre hinter uns, in denen es galt, jeden Tag neue Lösungswege zu finden", sagt Sohn Kai im Gespräch mit dieser Zeitung. Und was man in den letzten Wochen erfahren habe, das hinterlasse einen Eindruck großer Dankbarkeit. Sein Appell lautet auch weiterhin: Menschen mit Handicaps sollen ermutigt werden, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses aktiv mitzugestalten.

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