Wechsel von Averdung zu Krist

Antrifttal (rs). Es war ein festlicher Rahmen, es gab viele - meist kurze - Reden und launige Anmerkungen, die dem scheidenden Bürgermeister Johannes Averdung nach 24 Jahren den Abschied etwas erleichtert und seinem Nachfolger Dietmar Krist etwas das Lampenfieber genommen haben dürften.

Rund 150 Gäste begrüßte Franz-Josef Kreuter am Freitag Abend in der Fest- und Sporthalle von Ruhlkirchen zum Stabwechsel an der Gemeindespitze.

Erster Beigeordneter Winfried Konle wies einleitend auf die Verdienste von Johannes Averdung in den vergangenen 24 Jahren hin. Der damalige Mitbewerber um das Bürgermeisteramt Konle lobte dabei die sachliche Art des gebürtigen Westfalen Averdung und ließ dessen Wirken in der kleinen Vogelsberggemeinde Revue passieren. Die Jahre seien geprägt gewesen von einer Verbesserung der Infrastruktur, durch das Ausweisen von Baugebieten sowie in letzter Zeit den Anlagen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Das habe auch zu kontroversen Diskussionen geführt. Derzeit 1900 Einwohner in der kleinsten Vogelsbergkreisgemeinde zeigten den demografischen Wandel, den vorhersehend Averdung frühzeitig die interkommunale Zusammenarbeit gesucht habe. Die Bereiche Sozialstation und die Abwasserentsorgung seien da wegweisend gewesen. Zur Arbeit in der Kommunalpolitik merkte Konle allgemein an, Averdung habe immer seine Ruhe bewahrt, wenn es auch mal zum Bolzen und Treten gekommen sei. Der Erste Beigeordnete wünschte der Familie Averdung mit dem Neuruheständler eine gute Zeit.

An den neuen Bürgermeister Dietmar Krist gewandt, sagte Konle, der kehre mit der Amtsübernahme in seine Heimatgemeinde zurück. Der Erste Beigeordnete wünschte ihm einen guten Start in sein neues Ar- beitsfeld.

Dem scheidenden Bürgermeister Johannes Averdung wurde dann die Ehrenbürgermeisterwürde verliehen. "Es spricht zu ihnen der Ehrenbürgermeister", leitete dann auch gleich Vorsitzender Kreuter über, und Averdung dankte allen beteiligten Kommunalpolitikern für die Verleihung der Ehrenbürgermeisterschaft. Er erinnere sich noch gut an seinen ersten Auftritt vor 24 Jahren, sagte er, damals mit zittrigen Beinen, denn er habe sich die Frage gestellt, wie er wohl aufgenommen werde, ob er den Aufgaben des Amtes gewachsen sei. Die Katzenberger Bevölkerung habe den aus Bayern kommenden Bewerber und gebürtigen Westfalen aber sehr herzlich aufgenommen, Antrifttal sei ihm inzwischen zur wirklichen Heimat geworden. Ein ehrliches und vertrauensvolles Verhältnis habe er immer mit den politischen Gremien angestrebt, so auch mit den Bürgermeisterkollegen und den Landräten. Averdung dankte ausdrücklich seinen Mitarbeitern aus Verwaltung und Bauhof. Wenn man mit solchen Menschen zusammenarbeiten dürfe, müsse man dankbar sein.

"Es war mir eine Freude und Ehre für ihre Gemeinde arbeiten zu können", sagte Averdung und schloss: "Abschied ist die Tür zur Zukunft."

An seinen Nachfolger Krist gewandt meinte Averdung, "ich freue mich die Amtsgeschäfte in jüngere Hände übergeben zu können. Der am 22. September des Vorjahres gewählte Krist habe an dem Sonntag, an dem auch die Bundestagswahl stattfand, mehr Prozente für sich eingefahren als die Große Koalition gemeinsam. Das sei ein verdientes Ergebnis seiner Wahlkampfarbeit vor Ort gewesen. Averdung erinnerte daran, dass der vormalige Gemeindevertreter Krist immer mal bohrende Fragen an den Bürgermeister Averdung gestellt habe, ab Samstag sitze Krist nun auf der anderen Seite. Averdung wünschte, dass sein Nachfolger mit Frau und zwei Kindern heimisch werden möge und überreichte Krist die Ernennungs- urkunde.

Krist äußerte in seiner ersten Rede im neuen Amt, die Arbeit als Bürgermeister sei eine große Herausforderung. Dabei habe der Ort einige Besonderheiten, denn man habe nicht nur die höchsten Windenergieanlagen Hessens, sondern auch eine Gemeindevertretung ohne politische Parteien. So stehe in der heimischen Kommunalpolitik begrüßenswerter Weise die Sache im Vordergrund. Krist warb um Vertrauen der Bürger, um gemeinsam im Dienste der Gemeinde arbeiten zu können. Als Bürgermeister wolle er Geschaffenes sichern und neue Perspektiven erschließen. Dazu gehöre auch ein Stärken des ehrenamtlichen Engagements, das wohl in der Zukunft an Stellenwert gewinnen müsse. Denn über Vielem stehe die Vorgabe des Sparens. Zur Frage, wie man dem demografischen Wandel begegnen könne, gelte es in der Zukunft intelligente Lösungen zu finden, die nicht viel Geld kosten dürften. Kindergarten und Schule müssten erhalten, das Angebot für Senioren ausgebaut werden. Zwingend seien zudem schnelles Internet und eine gute Mobilfunk-Anbindung. Diese Technologien hätten heute den Stellenwert zur Daseinsfürsorge wie Wasser und Strom. Leerstehende Gebäude gelte es um zu nutzen, die herkömmlichen Dorfgemeinschaftshäuser müssten einen neuen Wert, neue Verwendungformen erhalten.

"Was erwartet man von einem neuen Bürgermeister?", fragte Vorsitzender Kreuter in die Festversammlung. Es sei eine gute Mischung aus Entscheidungskraft, Visionen und dem Gespür, mit den Leuten gut umgehen zu können. Damit leitete Kreuter zum großen Reigen der Grußworte über, in denen die Vertreter von Institutionen und Vereinen auch ihre Erwartungen an den neuen Amtsträger formulieren konnten. (Bericht folgt)

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