Muss das geplante Jazz-Open-Air am 29. August kurzfristig absagen: Schlagzeuger Trevor Richards, der in Kürze seinen 75. Geburtstag feiert. FOTO: JOL
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Muss das geplante Jazz-Open-Air am 29. August kurzfristig absagen: Schlagzeuger Trevor Richards, der in Kürze seinen 75. Geburtstag feiert. FOTO: JOL

Große Geburtstagsparty fällt aus

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Das Jazzfest auf dem Kirchplatz von Heimertshausen musste er kurzfristig absagen, nun feiert der Schlagzeuger Trevor Richards seinen 75. Geburtstag am 29. August in kleinerem Rahmen. Dem Musiker bleiben nur wenige Konzerte und die Arbeit an einer Recherche zu den Anfängen der Jazzmusik, um trotz Corona etwas Geld zu verdienen.

Ihm ist das Lachen nicht vergangen. Auch wenn ihm ein Gutteil seiner jährlichen Einnahmen fehlen, bleibt Trevor Richards entspannt. Und er macht das Beste aus der etwas verzwickten Lage als freischaffender Musiker. Kurzfristig musste er das bereits weitgehend vorbereitete Open Air Konzert in Heimertshausen am 29. August absagen. Die Bewohner seines Heimatortes waren gegen die Veranstaltung, zumal sie selbst alle Feiern abgesagt haben.

Dabei wäre es eine gute Gelegenheit gewesen, seine neue Band vorzustellen. Die Southwest Oldtime All Stars werden am 30. August in einer anderen Region Deutschlands auf der Bühne stehen, eigentlich sollte der Gig im Vogelsberg vorgeschaltet werden. Drummer ist Richards, seine sieben Mitmusiker sind vorwiegend rund 30 Jahre jünger. Allesamt sind es gestandene Dozenten und Studiomusiker, erläutert Richards.

Die Oldtime All Stars widmen sich der frühen Musik von Louis Armstrong Mitte der 1920er Jahre. Damals trat der Trompeter und Sänger noch in kleiner Formation auf. Der Musikforscher Richards hat den Sound der Zeit genau unter die Lupe genommen. "Armstrong hat sich Anfang der 1920er Jahre New Orleans einen Namen gemacht", sagt Richards, der ebenfalls lange in der Musik-Metropole im Süden der USA gelebt hat.

Lehen eines Jazzgiganten

Armstrong änderte seinen Musikstil stark in den Jahren zwischen 1925 und 1928, um danach in Big-Bands weiterzumachen. "Der junge Armstrong hat Persönlichkeit und Kreativität in die Musik gelegt", zudem hatte er ein perfektes Gedächtnis. "Er kannte jede Phrase auswendig, die er einmal gespielt hat", meint Richards bewundernd. Dieser spannenden Zeit im Leben des Jazz-Giganten widmen sich die All Stars.

Richards hat in diesem Jahr die Schattenseiten des Lebens als freier Musiker erlebt. Denn er musste im März und April seine Tournee absagen, weil die Corona-Pandemie dazwischen kam. Üblicherweise bringen ihn diese Einnahmen finanziell ein Stück weit über das Jahr. Zudem hat er bei den Auftritten Handzettel für das Konzert in Heimertshausen verteilt. Dadurch fanden dann auch Jazzfans aus Süddeutschland den Weg in den Vogelsberg.

Nach dem Lockdown zum Pandemieschutz hatte Richards nur noch wenige Auftritte. "Ich habe bei einem Open Air in der Pfalz gespielt und habe jetzt noch zwei Konzerte, das war es für das ganze Jahr." Deshalb hatte er staatliche Unterstützung beantragt, das war aber erfolglos. "Mein Antrag wurde abgelehnt, weil ich keinen Betrieb habe", erinnert er sich. Die Kosten für den Lebensunterhalt werden nicht als Betriebskosten gewertet, so stand er ohne Einkommen da. Dieses Problem teilt Richards dabei mit einer ganzen Reihe an "Solo-Selbstständigen", die ebenfalls Ein-Personen-Firmen betreiben. Oft arbeiten sie von zu Hause aus, weshalb sie keine Bürokosten geltend machen können. Immerhin hat die Politik reagiert und wenigstens kleine Förderungen für Selbstständige ermöglicht. So beschäftigt sich Trevor Richards zur Zeit mit einem Forschungsprojekt, für das er eine Art Stipendium erhält. Das sei nicht viel, aber besser als nichts. "Es dreht sich um Proto-Jazzmusiker im 19. Jahrhundert", erläutert der Schlagzeuger. Damit umschreibt er die Musiker, die angefangen haben, die Melodieführung im Ensemble mit der Trompete zu spielen. Zuvor war die Geige das Melodieinstrument, Bläser blieben eher im Hintergrund.

Darauf baut die weitere Entwicklung des Jazz auf. Erst in den 1920er Jahren hat sich der neue Musikstil in breitere Bevölkerungskreise verbreitet. Dazu trug auch Louis Armstrong erheblich bei. Die Musik der frühen Jazzmusiker wurde über Walzen und Schellackplatten über die eigene ethnische Gemeinschaft hinaus verbreitet. Denn die Italiener, Deutschen, Schwarzen und anderen Gruppen pflegten zunächst ihre eigene Musik. Armstrong hat in den verschiedenen Ecken der Stadt Opern, Hochzeitsmusik und Karnevalklänge anderer Musikkulturen aufgenommen. So erweiterte er seinen musikalischen Horizont.

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