"Es ist schön hier": Die Platzwarte des Campingplatzes Groß-Eichen, Angelika Mager (hinten rechts) und ihr Mann Timm (links), im Gespräch mit Wilma und Heinz Konrad. FOTO: JOL
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"Es ist schön hier": Die Platzwarte des Campingplatzes Groß-Eichen, Angelika Mager (hinten rechts) und ihr Mann Timm (links), im Gespräch mit Wilma und Heinz Konrad. FOTO: JOL

Groß-Eichen statt "Malle"

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Camping in Deutschland ist in. Das merken Angelika und Timm Mager auf dem Campingplatz Groß-Eichen. Der ruhige Platz am Waldrand zieht immer mehr Besucher an. Manche wollen sogar ganz bleiben. Auf dem Homberger Platz setzt man hingegen auf Dauercamper.

Groß-Eichen statt Mallorca oder Teneriffa, dafür entscheiden sich immer mehr Deutsche bei der Wahl ihres Urlaubsziels. Die Unsicherheiten in Corona-Zeiten bringen viele dazu, mit Campinganhänger oder Wohnmobil im Land zu bleiben. "Viele haben Angst, ins Ausland zu fahren und sich dort anzustecken", sagt Timm Mager, Platzwart in Groß-Eichen. Das bringe mehr Gäste auch in den Vogelsberg.

Die saubere Luft, schöne Landschaft und die Ruhe auf dem Gelände überzeugen viele Gäste. Ein Ehepaar im Wohnmobil hat schon ganz Europa erkundet und ist nun in den Vogelsberg, weil das einer der letzten freien Flecken auf ihrer Reise-Landkarte war. Ein junges Paar wollte nur drei Tage bleiben und entschied sich dann, ganz auf dem Platz zu bleiben. Denn neben den Durchreisenden gibt es etwa 15 Haushalte von Dauercampern. Meist sind es Rentner, die ihren ersten Wohnsitz auf dem Platz am Rand des Mücker Ortsteils angemeldet haben. Den Aufschwung können Angelika und Timm Mager gut gebrauchen. Sie haben vor acht Monaten die Betreuung des Platzes übernommen. Da traf sie das Reiseverbot zur Eindämmung der Corona-Pandemie hart. Zehn Wochen lang, bis in den Juni hinein, durften sie keine Durchgangscamper aufnehmen.

Nur die 15 Familien mit Dauerwohnsitz waren auf dem weitläufigen Gelände. "Das war auch gut, da waren wir nicht so alleine", sagt Angelika Mager. Die Zeit haben sie für Arbeiten genutzt, die ohne Gäste einfacher zu erledigen sind. So können die Stellplätze einfacher mit dem Aufsitzrasenmäher bearbeitet werden, wenn kein Campinganhänger daneben steht. "Das Gelände ist uneben und wenn dann ein Stein hochfliegt, kann er ein Fahrzeug oder ein Zelt beschädigen", erläutert Timm Mager.

Inzwischen sind Kurzzeit-Gäste wieder zugelassen, wenn auch unter Auflagen. So müssen die Sanitäranlagen zweimal täglich desinfiziert werden. Die Magers kontrollieren jetzt häufig die Duschen und reinigen sie bei Bedarf. Die Gemeinschafts-Waschmaschine wird regelmäßig desinfiziert.

Dazu kommt der Papierkram, den meist Angelika Mager erledigt. Neben der Anmeldung ist nun ein Formular auszufüllen, damit das Gesundheitsamt eine Adresse hat, um nach einer möglichen Ansteckung die Kontakte nachverfolgen zu können. Eine Erklärung zur Symptomfreiheit ist nun ebenfalls notwendig: "Wenn jemand nicht gesund ist, darf er nicht auf den Platz".

Platz im Grünen

Inzwischen sind wieder viele Plätze belegt, "Camping ist in", freut sich Timm Mager. Dabei punktet der Platz mit einer perfekten Lage für erholungssuchende Großstädter. Er liegt etwa 700 Meter außerhalb des Dorfs neben einem Bauernhof und am Waldrand. "Hier ist es ruhig und mitten im Grünen", die Besucher sind begeistert darüber, dass keine größere Straße vorbeiführt und die Luft so rein ist. Die Camper können gut abschalten.

Der Campingplatz ist wie ein kleines Dorf: " Da kommt jeder mit jedem aus, man ist per Du". Dreimal pro Woche kommt ein Bäckereiwagen vorbei, im Ort gibt es im Lebensmittelmarkt der Familie Fuchs die wichtigsten Dinge des Alltags. Die Magers schätzen besonders "die gute Qualität" der Waren im Laden und in der Metzgerei.

Das bestätigen Wilma und Hans Konrad, die seit 36 Jahren dem Platz treu sind. Sie haben sich zwei Camping-Anhänger gemütlich eingerichtet. "Wir haben hier eine Drei-Zimmer-Wohnung im Grünen", erzählt Wilma Konrad. Früher kamen sie meist am Wochenende von Sulzbach in den Vogelsberg, inzwischen sind die Ruheständler länger da. "Es ist einfach schön hier", meint Konrad.

Die Magers wollen den Platz weiter aufwerten. So hat Timm Mager lange Jahre als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet. Er ist mehr für die Technik zuständig. Als nächstes hat er sich den betagten Spielplatz vorgenommen. Er will noch einen Grillplatz für die Durchreisenden einrichten. Zudem ist man auf der Suche nach einem Pächter für die Gaststätte. Die ist in früheren Jahren gut gelaufen, zum Schnitzelessen kamen Besucher aus der ganzen Umgebung.

Nach acht Monaten haben sich die Magers gut eingelebt in Groß-Eichen. Ein Sohn will demnächst eine Metzgerlehrer beginnen. "Wir sind aus Gießen und fragten uns zunächst, wie wir das aushalten können", sagt Angelika Mager. Nun fühlen sie sich im Platzwarthaus sehr wohl: "Hier ist eine ganz andere Luft und es gibt keine Hektik".

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