Heike Baumgartner (l.) und Thomas Müller werden von der stellvertretenden Dekanin Luise Berroth in ihr Amt eingeführt. FOTO: PM
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Heike Baumgartner (l.) und Thomas Müller werden von der stellvertretenden Dekanin Luise Berroth in ihr Amt eingeführt. FOTO: PM

"Gott sei Dank, dass es Sie gibt"

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Vogelsbergkreis(pm). Wenn sie zum Einsatz gerufen werden, wissen sie meist nicht genau, was sie erwartet, vor allem nicht die mögliche emotionale Belastung. Aber Polizisten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Notfallseelsorger müssen dann funktionieren, um anderen beizustehen. Vor diesem Hintergrund hatte die Notfallseelsorge des Kreises alle Einsatzkräfte und die Notfallseelsorger selbst an den Rand ihres Einsatzgebietes, an den Westhang des Vogelsbergs nach Schotten, eingeladen. In der katholischen Herz-Jesu-Kirche fand der Blaulichtgottesdienst statt, der als Dankeschön an alle Einsatzkräfte - haupt- wie ehrenamtliche - gedacht war und Kraft schenken sollte, die Gewissheit geben, unter dem Schutz Gottes zu stehen, mit allem, was man im Einsatz erlebt.

Pfarrer Thomas Schill, Koordinator der Notfallseelsorge im Vogelsbergkreis, begrüßte zu diesem Gottesdienst Polizisten und Feuerwehrleute, Ärzte, Rettungssanitäter und Abordnungen der Kliniken. Mitverantwortlich für die Gestaltung des Gottesdienstes war auch Pfarrer i. R. Christoph Werner, der Nofallseelsorgebeauftragte des katholischen Dekanats Alsfeld.

In diesem Jahr ging es um die Not, die die Rettungseinsätze auch bei den Helfenden auslösen können, thematisiert bereits im ersten Lied "Aus tiefer Not schrei ich zu dir". Eine Gruppe aus Notfallseelsorgern las die Psalmen, die ihrerseits wieder Mut machen sollten: "…wir sind in Wasser und Feuer geraten. Aber du hast uns herausgeführt und erquickt." Musikstücke von Organist Michael Friedrich rahmten das Geschehen ein.

Es folgte ein Dialog zweier Notfallseelsorger: Sie zählten große Unglücke auf, die den meisten Anwesenden noch im Gedächtnis waren: Ramstein, Eschede, Love Parade und ganz neu Hanau und Volkmarsen. All diese Katastrophen stellten große Anforderungen an die Rettungskräfte - das war ohne Worte deutlich. Einzig "Rufe mich an in der Not" war die Antwort auf jede einzelne Situation.

Mit Bezug auf die Geschichte des Barmherzigen Samariters ging es darum, notleidenden Menschen der Nächste zu sein, der Mensch, der sich kümmert und in der Pflicht sieht, so wie die vielen Einsatzkräfte, die alle an ihrem Platz Menschen in Not die Nächsten sind.

In seiner Ansprache thematisierte Pfarrer Schill die Situation, wenn der Piepser geht, wenn er insbesondere die Ehrenamtlichen aus ihrem Alltag reißt, sie in eine ungewisse Situation führt, nicht selten in eine gefährliche. "Was geht Ihnen da durch den Kopf? Und welche Gefühle haben Sie bei einem solchen Aufbruch?", wandte sich der Notfallseelsorger an die Hilfskräfte. Und er dachte auch an deren Angehörige, die in Sorge und Ungewissheit zurückbleiben.

"Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten" - ein Psalm wie gemacht für die Situation der Einsatzkräfte, fasste Notfallseelsorger Thomas Müller die Bedeutung des 50. Psalms zusammen. Und nicht nur die Notleidenden brauchen Hilfe, so die Erfahrung aus gemeinsam bewältigen Situationen: Auch die Helfer brauchen sie, brauchen Zuspruch und Zuversicht, das Wissen, dass Gott da ist und sie nicht allein sind. Christoph Werner unterstrich die Bedeutung des Dankes, der allzu oft vergessen werde: "Wer dankt schon Gott, wenn die Not vorbei ist?", fragte er. "Wer dankt den Einsatzkräften?" Und genau das tat er dann: "Danke für Ihren Dienst. Gott sei Dank, dass es Sie gibt."

Zwei neue Notfallseelsorger und eine neue Notfallseelsorgerin sind dieses Jahr zu dem Team gestoßen. Zwei von ihnen, Heike Baumgartner und Thomas Müller, wurden im Rahmen des Gottesdienstes von Luise Berroth, der stellvertretenden Dekanin des Evangelischen Dekanats Vogelsberg, in ihr Amt eingeführt. "Sie haben Ihre Ausbildung absolviert und bei Einsätzen hospitiert. Nun werden Sie Menschen in Not begleiten. Dabei möge Ihnen das Wissen um die Beauftragung und Gottes Zusage, Ihnen den Rücken zu stärken, helfen."

In einer vorhergehenden Sitzung war bereits Holger Hardenberg in sein Amt eingeführt worden.

Mit einem gemeinsam vorgetragenen Fürbittengebet ging der Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche zu Ende. Die Notfallseelsorger baten um Ruhe und Professionalität, um neue Menschen, die bereit sind, mit ihnen gemeinsam Dienst zu tun. Sie baten um Schutz und Kameradschaft. Auch dem "kühlen Kopf für die Vorgesetzten" galt ein Wunsch. Gesegnet und gestärkt, sicher auch mit neuen Gedanken zu ihren Einsätzen und ihren Jobs, gingen die Gottesdienstbesucher in den Abend, der mit einem gemeinsamen Essen und Gelegenheit zum Austausch ausklang.

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