Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt, aus dem es noch herausragt. SYMBOLFOTO: DPA
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Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt, aus dem es noch herausragt. SYMBOLFOTO: DPA

Glasfaser für Gemünden

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Was früher der Autobahnanschluss war, ist heute die Glasfaser. Gemeinden mit dieser Infrastruktur haben eher die Chance, Abwanderung zu begegnen oder gar Zuzug zu erhalten. Gerade in der Corona-Krise zeigt sich mit Homeoffice und Homeschooling der Stellenwert des An- schlusses an das Internet. Jetzt soll Gemünden fit gemacht werden.

Der Breitbandschluss der Vogelsberger Kommunen ist keine Erfolgsgeschichte. Auch in Gemünden wurde das in den vergangenen Jahren versucht. Jetzt haben die Kommunalpolitiker die Kieler Firma TNG Stadtnetz aufgetan, und die drei Fraktionen BGG, SPD und UBL in der Gemeindevertretung unterstützen deren Vorhaben. Am Donnerstag informierte ein Vertreter erstmals in der Öffentlichkeit bei der Gemeindevertretersitzung in der Mehrzweckhalle.

Einleitend sagte Walter Momberger (BGG) zum Antrag aller Fraktionen, er befürworte einen Anschluss über die Firma TNG. Eine andere Firma habe viele Jahre dazu Zeit gehabt, aber nichts unternommen. Die Beschränkungen während der Corona-Krise hätten gezeigt, dass ein Breitbandanschluss für Heimarbeit essenziell sei. Ein Anschluss sei zudem eine Wertsteigerung für alle Immobilien.

Man halte es für realistisch, in der Kommune die Versorgung mit Glasfaser übernehmen zu können, äußerte ein Kundenbetreuer von TNG vor den Gemeindevertretern und rund 20 Zuhörern. Das Kieler Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern habe schon mehrere gleichartige Projekte mit einer FFTH-Technik (Fibre to the Home, bedeutet Glasfaser bis in die Wohnung) abgewickelt. Das bedeute, es würden die Daten eins zu eins über Glasfaser übertrage, Kupferkabel spiele keine Rolle mehr. Es gebe nichts Schnelleres, um Daten wie Sprache oder Dateien zu übertragen.

Als einen Vorteil der Berater, dass man in einem Unternehmensverbund für alle Arbeitsschritte die nötigen Fachfirmen habe. Unabhängig von der Nachfrage aus anderen Bundesländern sei die Expansion unter anderem darin begründet, dass man Schleswig-Holstein weitgehend ausgestattet habe. Für norddeutsche Verhältnisse seien Nord-, Ober- und Mittelhessen fast schon dicht besiedelt. In Norddeutschland gebe es mal ein Haus oder einen kleinen Weiler, dann mehrere Kilometer lang nichts, und dann wieder eine Siedlung. Gleichwohl habe man unter den norddeutschen Bedingungen die Breitbandversorgung geschafft.

Jeder Haushalt bekomme über Leerrohre bis zu sechs Fasern, denn über seitherige Kommunikationsformen gebe es in Zukunft vielleicht weitere wie automatisches Strom- oder Gasablesen. Die Bauzeit betrage rund zwölf bis 15 Monate ab dem Zeitpunkt, zu dem der Baubeschluss gefasst wurde. Basis dafür sei, dass 40 Prozent der Haushalte mitmachen müssen.

Digitalisierung entscheidet Zukunft

Jürgen Lutz von der UBL wies darauf hin, dass in den vergangenen Monaten in der Gemeinde bereits Glasfaser verlegt worden sei, aber dieses sei nur an die Kabelverzweiger gelangt. Dann gehe es mit den alten Kupferkabeln weiter. In den nächsten Jahren werde der Grad der digitalen Möglichkeiten darüber entscheiden, wer in der Gemeinde bleibe oder gar zuziehe. Ein Vorteil des durchgängigen Glasfasers sei auch, dass die Datenmenge praktisch möglich sei, die nominal geboten werde. Unabhängig von Entfernung oder Nutzerzahl bleibe die Datenmenge konstant hoch. Die jetzt angebotene Variante sei wie eine Autobahn im Vergleich zu einer Kreisstraße. Schließlich überzeuge ihn auch die Anforderungsquote von 40 Prozent, denn andere Anbieter wollten 60 Prozent. Letzteres zu erreichen sei in Gemünden sicher als fraglich einzuordnen.

Thomas Schill (SPD) unterstützte das Vorhaben, denn Breitband sei in vielen privaten Haushalten und Firmen nötig. Lukas Becker (SPD) ordnete Glasfaser als Technologie der Zukunft ein und bewertete das Angebot von TNG als sehr günstig und leistungsstark. Von der UBL regte Anastassia Eckstein an, man sollte noch die gemeindlichen Liegenschaften und Jugendräume anschließen.

Eine Unterstützung des Glasfaservorhabens der TNG Stadtnetz GmbH wurde von den Gemeindevertretern einstimmig beschlossen.

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