Wenn das Lernen von zu Hause aus schwerfällt, können Schüler und Eltern die Tipps von Professor Alexander Eitel ausprobieren. Zum Beispiel: Eltern können mit ihren Kindern kleine Belohnungen für das Bearbeiten von Aufgaben aushandeln. Das sollte aber nicht zur Regel werden. SYMBOLFOTO: SCHEPP

Homeschooling

Gießener Experte gibt Tipps für den Heimunterricht

Professor Alexander Eitel von der Uni Gießen kennt sich mit effizientem Lernen aus und verrät, wie »Homeschooling« besser läuft. Wichtig sind: Lernplan, Lernplatz und Lernzeit.

Eigentlich versteht man unter »Homeschooling« (Heimunterricht), dass Kinder zu Hause von ihren Eltern oder einem Privatlehrer unterrichtet werden. Zur Zeit gehen die Schülerinnen und Schüler wegen der Corona-Verordnung zwar nicht in die Schule, unterrichten sollten sie aber weiterhin ihre Lehrer - eigentlich. Für einige Eltern fühlt sich das nämlich ganz und gar nicht so an, wenn ihre Kinder mit einem Aufgabenblatt sich selbst überlassen werden. Damit das Corona-»Homeschooling« für die Kinder und Eltern besser funktioniert, gibt Alexander Eitel, Professor für Pädagogische Psychologie an der Justus-Liebig-Universität, Tipps. Diese Tipps lassen sich grob in drei Bereiche aufteilen: Lernplan, Lernplatz und Lernzeit.

Ein Lernplan gibt Struktur

Es sei wichtig, dass die Kinder eine Struktur beim Lernen haben - und dabei helfe ihnen ein Lernplan, sagt Eitel. In dem Lernplan notieren die Kinder, wann sie was in der Woche lernen. »Dabei ist es besser, einen Prozess anstatt ein Ziel festzulegen«, sagt Eitel. Also lieber »Von acht bis neun Uhr werden die Multiplikationsaufgaben eins bis drei bearbeitet« aufschreiben, anstatt »werden die Multiplikationsaufgaben eins bis drei gelöst.« Denn dann wäre es eine mögliche Quelle für Frust, wenn das Kind die Aufgaben nicht schaffen würde.

Auf jeden Fall sollte im Lernplan genau festgelegt werden, welche Aufgaben die Schüler bearbeiten müssen. »Dann sehen die Kinder, was sie schon geschafft haben und was noch vor ihnen liegt.« Bearbeitete Aufgaben sichtbar abzuhaken, sei zudem motivierend.

Gemeinsam den Lernplan erstellen

Eine weitere Motivationshilfe sei es, die Kinder beim Erstellen des Lernplans einzubeziehen. Die Schüler dürfen sich zum Beispiel aussuchen, welches Fach sie zu welcher Uhrzeit machen. Aber auch dabei gibt es einen Tipp vom Experten: Am Morgen ist die Selbstkontrolle am stärksten. Deswegen biete es sich an, dass die Kinder Fächer, die sie nicht mögen, als erstes machen. Eitel erklärt: »Sonst schleppen sie eine unbeliebte Aufgabe den ganzen Tag vor sich her. Das kann frusten.«

Der Professor sagt auch, dass in dieser besonderen Zeit das Kind vielleicht nicht so lange zum Lernen zu motivieren ist wie in der Schule. »Dann sollte man den Lernplan so gestalten, dass zumindest das wichtigste behandelt wird.« Morgens die typischen Schreibtischfächer wie Deutsch, Mathe und Biologie. Nachmittags eher Sport, Kunst und Musik.

Belohnungen nur in Ausnahmefällen

»Eigentlich ist es besser, wenn die Kinder ohne externe Motivation lernen, aber wenn es nicht anders geht, können die Eltern auch mit Belohnungen arbeiten«, sagt Eitel. Das kann ein Stück Schokolade sein, wenn das Kind seine Aufgaben bearbeitet hat. »Aber auch ein Punktesystem ist denkbar, bei dem das Kind Punkte sammelt bis es etwas bekommt.«

Neben einem Lernplan sei ein eigener Lernplatz wichtig. Damit meint Eitel einen aufgeräumten Ort, der für das Lernen reserviert ist. Der Experte sagt: »Wenn das Kind immer erst den Schreibtisch aufräumen muss, steigen die psychologischen Kosten für das Lernen.« Deswegen soll am Lernplatz auch immer das Schulmaterial - Bücher, Hefte, Mäppchen - bereitliegen, damit das Kind vor dem Lernen keine Zeit mit Suchen verbringen muss. Und was ist, wenn der Schüler kein eigenes Zimmer für einen Lernplatz hat? »In beengten Wohnverhältnissen sollte das Kind wenigstens eine eigene Lernecke bekommen.« Die könne es sich dann einrichten und Geschwister und Eltern sollten versuchen, Ablenkungen von der Lernecke fernzuhalten.

Lernzeit hängt auch vom Spaß ab

Wie lange die Kinder am Stück effektiv lernen können, hängt von vielen Faktoren ab. Eitel nennt aber als Richtwert 40 Minuten. »Manchmal können jedoch auch 20 Minuten schon zu viel sein, gerade bei Kindern in der zweiten und dritten Klasse.« Zu viele Pausen können es Kindern aber auch schwer machen, wieder ins Lernen reinzukommen. Wenn das Lernen gerade Spaß mache »und es läuft«, seien auch längere Lernzeiten zu schaffen.

Der Experte hat auch zwei Appelle an die Eltern: Besonders geduldig mit den Kindern sein und sich wie ein Vorbild verhalten. Eitel erklärt: »Die Kinder sehen zum Beispiel, wie strukturiert ihre Eltern im Home-Office arbeiten, und sie schauen sich das ab.«

Tipps auch im Video-Format

Professor Alexander Eitel stellt seine »Homeschooling«-Tipps auch in einem dreiminütigen Video vor. Darin werden die drei Bereiche Lernplan, Lernplatz und Lernzeit so erklärt, dass sowohl Schülerinnen und Schüler, als auch ihre Eltern es verstehen. Das Video findet man unter www.uni-giessen.de/fbz/fb06/hilfe_corona/schule/video.

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