A49

Gewalt gegen verletzliche junge Körper

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(Gießener/Alsfelder Allgemeine Zeitung vom 13.11., Klimakrise und Dannenröder Forst)

Interessanterweise spiegelt die "Allgemeine" vom 13.11.20 die gesellschaftliche Diskussion und Umgehensweise bezüglich des Klimawandels und der Fragestellung, was es braucht, um auf die Klimakrise zu reagieren, besonders deutlich wider. Auf Seite 6 ein ganzseitiger Artikel über den "Klimawandel, der sich in rasantem Tempo vollzieht" und ein kleiner Artikel zur Grundwasserknappheit, auf Seite 7 einer über die Proteste im Dannenröder Wald gegen die Abholzung eines intakten Waldes für die Fertigstellung der A 49.

Es gibt eine Tendenz bei Menschen, die das Geschehen nur aus der Ferne verfolgen, und bei den Medien, den Protest aufgrund seiner sogenannten Radikalisierung zu verurteilen. Auch im hessischen Parlament werden verbale Keulen geschwungen und wird versucht, den Protest zu kriminalisieren.

Es wird gefordert, sich von den "gewalttätigen Aktivisten" zu distanzieren. Ich möchte gern ein anderes Bild zeichnen und damit zur Solidarisierung aufrufen: Seit vielen Wochen unterstütze ich die Bewegung, die im Wald entstanden ist. In der Regel sind die Leute jung, reflektiert, verantwortungsbewusst und sehr besorgt um ihre Zukunft und die Zukunft derer, die schon deutlicher unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden.

Sie sehen, dass wir weitermachen wie bisher und das Ruder in Richtung Klimaschutz eben nicht effektiv rumreißen. Was sollen sie machen? Sie gehen auf die Barrikaden: Sie setzen sich in die Bäume oder bauen Baumhäuser (tatsächlich, anders als einmal in einem Leserbrief behauptet, gänzlich ohne die Bäume zu beschädigen).

Zurzeit werden alle Menschen, die von der Polizei aus den Bäumen geholt werden, aufgrund einer Ordnungswidrigkeit (weil es kurzfristig festgelegt wurde, dass die Trasse nicht mehr betreten werden darf) in die Gefangenensammelstelle gebracht, über Stunden festgehalten, teilweise dürfen sie niemanden anrufen und es wird ihnen Essen und Trinken verweigert.

Natürlich versuchen die Menschen im Wald, sich gegenseitig zu unterstützen und nah zum Räumungsgeschehen vorzudringen, wie am 12.11. wohl geschehen, und eine Polizeikette zu durchbrechen - mit ihren Körpern. Na und?

Sie haben keine Schlagstöcke oder sonstigen Waffen, sondern machen dies allein mit ihren verletzlichen jungen Körpern. Die Gewalt findet an anderer Stelle statt: Nämlich durch die brachiale, sinnlose Abholzung eines intakten Waldes (Alternativen zur Autobahn, die auch die Menschen an den Bundesstraßen entlasten, liegen vor), durch die Polizei, die Schmerzgriffe verwendet, natürlich nur, wenn Presse nicht anwesend ist und - und das erwähnt die Polizei in ihrer täglichen Berichterstattung nicht, was der Gipfel ist! - durch einen Arbeiter im Auftrag der DEGES, der am 10.11.20 anfängt, einen Baum durchzusägen, auf dem ein bewohntes Baumhaus steht. Nur durch heftige Schreie der Aktivisten hat die Polizei den Arbeiter am Sägen gehindert, sonst wären Menschen zu Tode gekommen. Dieser Arbeiter wurde nicht belangt!

Für mich war dies versuchter Mord! Der einzelne Polizist oder die einzelne Polizistin mag vielleicht im eigenen Verhalten okay sein, sich sogar gegen die Zerstörung des Waldes aussprechen; die Polizei als Institution ist nicht neutral und als einzige Informationsquelle nicht ausreichend! Wer im Wald war und die Menschen und ihre Lebensweise dort kennengelernt hat, wird ein anderes Bild bekommen.

Andrea Kosch, Langgöns

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