Wutzen "pflügen" Rasen um – Kritik an Hessen Forst

Gemünden-Ehringshausen (ek). Immer häufiger gibt es wieder Beschwerden aus der Bevölkerung, vor allem aus der Landwirtschaft, über erhebliche Schäden durch Wildschweine.

Ganze Wildschweinrotten "pflügen" dabei große Flächen um, immer auf der Suche nach Essbarem. Immer öfter hört man auch von "Besuchen" auf den Häusergrundstücken und in Gärten der Ortsbewohner. So geschah es jüngst im Garten von Gerd Scharmann, dass in einer Nacht zahlreiche Wildschweine den Rasen zunichte machten und damit großen Schaden verursachten. Der Betroffene ist jagdlich engagiert, prangert aber deutlich die viel zu große Population bei den Wildschweinen an.

"Die Wildschweine müssten in viel größerem Umfang bejagt werden, sonst wird es in Zukunft immer öfters zu solch ungebetenen Besuchen in unmittelbarer Wohnortnähe kommen". Gerade bei Frischlingen, also dem Nachwuchs, sei in diesem Jahr eine deutliche Zunahme zu erkennen, was die Problematik verstärken dürfte. Scharmann appelliert an alle Jäger, an die staatlichen Forstämter und damit an Hessen Forst mehr zu tun und die Abschusszahlen bei Wildschweinen spürbar zu erhöhen, nur so bleibe es bei einem ausgewogenen Gleichgewicht.

Mit dem amtlichen Wildschadensschätzer Oswald Diegel, der für Gemünden inzwischen seit rund 40 Jahren zuständig ist, wurde der Schaden begutachtet, nach dessen Einschätzung ein Schaden der Klasse II vorliegen dürfte. Diegel bestätigte die allgemeine Feststellung bezüglich einer Zunahme bei Wildschäden, besonders durch Wildschweine. So sei er allein in diesem Jahr zu weit mehr als 80 Wildschäden gerufen worden. Dies sei eine ungewöhnlich hohe Zahl, gemessen an früheren Jahren. Die Schadensaufnahme beginne im Frühjahr, es folge die Zeit der Schäden im Getreide und später im Mais, aber auch immer mehr private Gärten, also Grünlandschäden auf Häusergrundstücken, seien zu beklagen. Darüber hinaus würden viele Schäden auf Wiesen in der Gemarkung verursacht, wobei nicht selten ganze Flächen "umgepflügt" wurden.

Ein wesentliches Problem in Bezug auf diese "Plage", so war in Erfahrung zu bringen, sei die viel zu geringe Bejagung von Wildschweinen insbesondere im Bereich der staatlichen Forstämter, wobei es für die hiesige Region um die Forstämter von Romrod und Schotten geht.

Im Verhältnis zwischen den belegten Abschusszahlen und den jeweils zu Grunde liegenden bejagbaren Flächen zwischen den staatlichen Forstämtern auf der einen und den GJB (gemeinsame Jagdbezirke) und den EJB (Eigenjagdbezirken) auf der anderen Seite gebe es eine gewaltige Diskrepanz. Da könnten die privaten Pächter und ihre Jagdausübungsberechtigten noch so viele Sauen zur Strecke bringen, die Population ist gewaltig auf dem Vormarsch, solange bei den staatlichen Forstämter einer umfassenden Bejagung nicht nachgekommen wird, so war einhellig zu hören.

Letztendlich wirkt sich dies aus bis hin zu den Finanzmitteln der Jagdgenossenschaften, die per Gesetz zum Schadenersatz verpflichtet sind. Oft werden zwischen Jagdgenossenschaften und Jagdpächtern Pauschalen zum Wildschadensausgleich vereinbart, Pauschalen die bei weitem nicht mehr ausreichen, um die Schäden zu begleichen. Dann muss die erzielte Jagdpacht verwendet werden, die aber inzwischen auch schon mal gänzlich aufgebraucht werden muss, so dass frühere Ausgaben, wie beispielsweise für den Feldwegebau (oft in Kooperation mit den Kommunen) wegfallen.

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