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Auf dieser seither landwirtschaftlich genutzten Fläche sollen Fotovoltaikanlagen aufgestellt werden.

Wie viel Solarpower für Gemünden?

Gemünden (gkm). Wo in Gemünden demnächst Strom aus Sonnenenergie geerntet werden darf, das beschäftigte jetzt eine Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Nieder-Gemünden. Den rund 50 Bürgern, die der Einladung des Gemeindevertretungsvorstehers Karl Pitzer (SPD) gefolgt waren, erläuterte Günther Mest von der Energiegenossenschaft Vogelsberg die Planungen für eine weitere große Fotovoltaikanlage westlich des Ortsteils Rülfenrod, auf landwirtschaftlichen Flächen unterhalb der Vogelsbergbahn.

Hier gebe es zwei Grundstückseigentümer, die ihr Interesse bekundet haben, auf ihren Flächen Solarmodule aufzustellen. Das Gelände ist rund zehn Hektar groß und die "Freiflächenanlage" will die Energiegenossenschaft Vogelsberg betreiben. Die Anlage soll eine elektrische Leistung von sechs bis sieben Megawatt haben, was dem Strombedarf von 1500 Haushalten entspreche. Je nachdem wie viele Module nach der endgültigen Planung aufgestellt werden dürfen, rechnet Mest mit einer Investitionssumme von vier bis fünf Millionen Euro.

Was bisher für die Landwirtschaft in weiten Teilen des Vogelsbergs ein Nachteil war, soll sich jetzt als Gewinn erweisen. Mit einer neuen Rechtsverordnung ermöglicht es die Landesregierung seit 2018, dass benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete zur Gewinnung von Sonnenenergie genutzt werden dürfen. Bisher waren Freiflächenanlagen für Fotovoltaik nur auf Konversionsflächen sowie entlang von Autobahnen und Schienenstrecken zulässig.

Unter diesen Gesichtspunkten haben landwirtschaftliche Flächen in der Nähe einer Bahnstrecke, was sowohl für Ehringshausen als auch Rülfenrod gilt, gute Genehmigungschancen. Mest betonte den Beitrag, den Fotovoltaikanlagen für den Klimaschutz und zum Schutz gefährdeter Arten bedeuteten. Außerdem sah er keine Alternative zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, "um den steigenden Energiebedarf zu befriedigen".

Um dem Argument vorzubeugen, dass Flächen für den Anbau von Lebensmitteln zugunsten der Energieerzeugung verloren gehen, wies er darauf hin, dass unter den Solarmodulen eine "Ent-Intensivierung" der Bodennutzung stattfindet. Es werde keine Gülle mehr ausgebracht und Spritzmittel blieben der Natur erspart. Die Beweidung der Wiesen könne im optimalen Fall durch Schafe stattfinden, was bereits vielerorts so gemacht werde, dem Naturschutz diene und kostengünstig sei.

Außerdem biete die Energiegenossenschaft den Bürgern günstige Bedingungen für die Geldanlage, einmal mit "nachrangigen Darlehen" zu einer Verzinsung von drei bis vier Prozent, je nach Laufzeit, und der Zeichnung von Genossenschaftsanteilen, die mit einer vergleichbaren Rendite ausgestattet seien.

Energiewende zulasten der Bürger?

Diese Argumente überzeugten den Rülfenröder, der Haus und Grundstück unmittelbar neben dem für die Solaranlage vorgesehenen Areal hat, ganz und gar nicht. Raban Schenck zu Schweinsberg kündigte an, dass er, bei aller Sympathie für den Ausbau erneuerbarer Energien, "niemals diese Anlage akzeptieren wird. Immer aus dem Fenster auf die Fotovoltaikanlage zu blicken, das ist nicht hinnehmbar".

Über diese persönliche Betroffenheit hinaus äußerten Diskussionsteilnehmer auch grundsätzliche Kritik an der Art und Weise, wie die Energiewende praktisch umgesetzt wird. So wurde der Gemeindevorstand aufgefordert, sich intensiver als bisher mit dem Thema zu befassen, denn es könne nicht sein, "dass wir zulassen, dass die Landschaft großflächig kaputtgemacht wird".

In Anbetracht der im Vogelsberg schon in großer Zahl vorhandenen Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Sonne und Wind wurde auch die Frage nach der Speicherung dieses Stroms aufgeworfen. Ob es nicht sinnvoller sei, hierin zu investieren, statt in immer weitere Erzeugungsanlagen, lautete eine weitere Frage. Da die verschiedenen Techniken zur Gewinnung von speicherbaren Medien, Gas oder Flüssigkeiten, noch nicht ausgereift sind, antwortete Mest, dass man das beobachte, aber es für konkrete Investitionsabsichten zu früh sei. Auf mögliche Schadstoffbelastungen durch die Solarmodule und was zu beachten sei, wenn sie ausgemustert werden, ging er nur mit einer Aufzählung einiger Stoffe wie das Schwermetall Nickel ein, auf die man achten müsse. Auf die Frage, warum ausgerechnet die vorgestellte Fläche mit einer großen Solaranlage bestückt werden soll und nicht eine andere an der Bahnstrecke, machten Mest und der Erste Beigeordnete Eckhard Kömpf deutlich, dass die Idee von den Grundstückseigentümern an sie herangetragen wurde. Neben einem ortsansässigen Landwirt ist dies auch der Bruder des betroffenen Schenck zu Schweinsberg.

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