Sea-Watch

Rettungsschwimmerin im Mittelmeer

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"Sea-Watch will, dass kein Mensch mehr ertrinkt, der geflohen ist". Das sagte Sandra Hammamy, die für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer im Einsatz ist, bei einem Vortrag in Gemünden.

Sandra Hammamy berichtete kürzlich vor rund 30 Besuchern auf Initiative der Gemündener Flüchtlingsinitiative im Gemeindehaus Nieder-Gemünden. Sie erzählte von der Gründung der Seenotrettung, die auf Privatinitiative von zwei Brandenburger Familien zustande gekommen ist und der rund 20 Freiwillige angehören. Sandra Hammamy ist als Rettungsschwimmerin und Dolmetscherin dabei. Sie ist oft während ihres Urlaubs im Einsatz oder lässt sich von der Arbeit freistellen. "Wir haben einen 100 Jahre alten Fischkutter gekauft und umgebaut." Seit Februar 2015 ist "Sea-Watch" im Einsatz und sucht das Meer nach überladenen seeuntüchtigen Schlauchbooten und Kuttern ab.

Obwohl Libyen kein sicheres Land ist, kommen dort viele Flüchtlinge aus den verschiedenen Ländern hin und wollen von dort über das Mittelmeer die Flucht fortsetzen.. Hammamy hat schwer misshandelte und gefolterte Menschen gesehen. Menschen, die in der Flucht den rettenden Strohhalm sehen und die skrupellosen Schlepper vertrauen.

"Vor Libyens Küste ertrinken die meisten Menschen", sagt sie und spricht von immer wiederkehrenden Bildern von Toten, von verzweifelten Menschen und von Müttern mit kleinen Kindern, die trotz der Gefahren aus blanker Verzweiflung das Risiko auf sich nehmen.

"Wenn ein Schiff untergeht, geht das verdammt schnell und wenn Menschen ertrinken, auch", sagt sie. Und fast keiner der Flüchtlinge kann schwimmen. Sie berichtet von fürchterlichen Zuständen auf den Booten und Schiffen. In den vergangenen beiden Jahren war Hammamy sowohl vor der libyschen Küste als auch auf Lesbos dabei. Lesbos habe sie sehr geprägt, sagt sie. Griechenlands Insel, "die von Europa im Stich gelassen wurde". Was Menschen auf sich nehmen, um zu helfen, sei großartig. Ob an Libyens Küsten, der italienischen Insel Lampedusa oder auf der griechischen Insel Lesbos. "Sea-Watch" verfügt inzwischen über ein zweites Schiff, und es können rund 300 Menschen kurzfristig aufgenommen werden. Ein Kriegsschiff hingegen könnte bis zu 4000 Menschen aufnehmen und versorgen, darf es aber nicht aufgrund der Bestimmungen von "Frontex" (Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache).

Europa schotte sich immer mehr ab, obwohl es nach wie vor keine wirksame Bekämpfung der Fluchtursachen gebe ebenso wenig wie legale Fluchtwege oder gar eine staatlich organisierte Seenotrettung. "Der politische Wille ist nicht wirklich da", betont Hammamy, deren Ausführungen betroffen machten. Sie sagte auch, es gebe Menschen, die sagen, dass Hilfsorganisationen das Geschäft der Schlepper unterstützen.

Hammamy will mit ihrem Engagement und ihren Augenzeugenberichten Menschen und vor allem die Verantwortlichen in der Politik aufrütteln. Es mache wütend, dass Politiker das Sterben der Flüchtlinge einfach hinnehmen. "Wie übersteht man das psychisch", wurde Sandra Hammamy gefragt. Neben Möglichkeiten der Seelsorge helfe der Blick in Kinderaugen, aus denen die Angst langsam verschwindet. Auf die Aussage eines Besuchers "Wenn man das sieht, das ist furchtbar. Und wir gehen heute Abend wieder nach Hause in unser geheiztes Wohnzimmer", meinte Sandra Hammamy: "Es ist wichtig, dass sie heute Abend hier sind, damit sie helfen können, die Fakten zu erzählen".

Es gehe auch darum, sichere Reisewege zu schaffen und Fluchtursachen abzustellen, damit die Menschen nicht mehr fliehen müssen.

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