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Millionen für sauberes Abwasser

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Von: Joachim Legatis

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Die Kläranlage Nieder-Gemünden erfüllt nicht mehr die Vorgaben, das Abwasser soll künftig nach Nieder-Ohmen geleitet werden. © Joachim Legatis

Gemünden (jol). Oft stehen Innerorts-Themen im Vordergrund der Gemündener Politik, da geht es um Baugebiete, Breitband, den Umbau des Bahnhofsplatzes und ramponierte Straßen. Doch auch im Raum zwischen den Ortsteilen laufen wichtige Projekt, um die kleine Gemeinde voranzubringen. So brachte Bürgermeister Lothar Bott in der jüngsten Bürgerversammlung viel Zeit auf, um den Stand der Dinge bei Radwegen, der Flurneuordnung und beim Kanalbau darzustellen.

Dabei geht es um hohe Beträge, die zum Teil durch Fördermittel kompensiert werden.

So schätzt Bott die Kosten für den Bau der Druckleitung zur Kläranlage Nieder-Ohmen auf stattliche vier Millionen Euro. »Aber eine Ertüchtigung der Kläranlage Nieder-Gemünden würde uns rund sechs Millionen Euro kosten.« Bereits seit Jahren wird an der Planung gearbeitet.

Das Grundproblem ist, dass die Kläranlage Nieder-Gemünden als große Anlage eingestuft wird. Im Unterschied zu Anlagen mit geringerer Reinigungsleistung müssen deshalb schärfere Grenzwerte eingehalten werden, was mit der alten Teichkläranlage nicht geht. Also beauftragte die Gemeinde ein Planungsbüro, die Varianten für eine gesetzesmäßige Abwassereinigung zu prüfen. Dabei schnitt das Verlegen einer Druckleitung zur Kläranlage Nieder-Ohmen am wirtschaftlichsten ab. Berücksichtigt werden dabei auch die Folgekosten auf mehrere Jahre hinweg.

Lange Planungszeit für neue Radwege

Die Planung musste europaweit ausgeschrieben werden, was ein Jahr Verzögerung bedeutete. »Jetzt gehen wir in die planerische Umsetzung«, kündigte Bott an. Seit einem Jahr wird die kürzeste Trasse gesucht, dabei muss man sich mit den Grundstückseigentümern einigen. Wenn Privatleute blockieren, muss die Leitung nach Nieder-Ohmen im öffentlichen Raum verlegt werden.

Das ganze Verfahren ist nichts für Ungeduldige. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, arbeitet die Kommune an einem Förderantrag. »Wir rechnen mit einer Förderung des Landes von 40 bis 60 Prozent.« Erst nach der Prüfung durch das Regierungspräsidium und die Bewilligung einer Zuwendung kann die Gemeinde loslegen. »Der Baubeginn kann voraussichtlich im Frühjahr 2023 sein«, schätzt Lothar Bott.

In langen Zeitmaßstäben wird auch beim Bau von Radwegen gemessen. Das Thema war schon mehrfach in der politischen Debatte, zuletzt bei der Bürgermeisterwahl. Zufrieden zeigt sich Bott mit dem Ergebnis der Beratungen um den geplanten Radweg an der Landesstraße zwischen Burg- und Nieder-Gemünden. Nach langem Hin und Her zeichnet sich nun eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit dem Land ab.

Auch beim Radweg von Nieder-Gemünden nach Rülfenrod geht es voran. Endlich kann die konkrete Planung beginnen, nachdem man sich mit dem Land auf den Verlauf geeinigt hat. Denn zunächst hieß es, nur ein Radweg an der Straße sei förderfähig.

Das ist aber wegen der kurvigen Streckenführung nicht sinnvoll, erläuterte Bott. Deshalb setzte sich die Gemeinde dafür ein, einen kombinierten Rad- und Wirtschaftsweg unterhalb der Straße zu schaffen. Das Land übernehme die vollen Kosten für den Bau, sagte Bott zufrieden.

Schwieriger wird es bei dem Radweg von Rülfenrod nach Ehringshausen, weil hierfür Grunderwerb nötig ist. Um den Radweg nach Homberg zu bauen, wartet die Gemeinde noch auf Aktivitäten in Homberg. Dort wird noch untersucht, ob nicht doch die Ohmtalbahn reaktiviert wird.

Erst wenn klar ist, wann die Homberger Strecke kommt, kann die Gemündener Seite die eigenen Planungen verfolgen. Dabei soll das Flurneuordnungsverfahren Nieder-Gemünden genutzt werden, um den Radweg zu schaffen. Es wird wie bei Rülfenrod ein Weg, den sich Radler und Landwirte teilen. Etwas anderes geben die Nutzungszahlen nicht her.

Die Flurneuordnung Nieder-Gemünden soll am heutigen 9. November eingeleitet werden. »Da haben wir viel Zeit verloren, aber endlich geht es los«, so ein erleichterter Bott.

Für die beiden anderen Flurneuordnungsverfahren bei Burg-Gemünden und Ehrungshausen wird zur Zeit der Wege- und Gewässerplan erstellt. Dafür werden Wertermittlungen der Grundstücke vorgenommen. Die Flurneuordnung ist für Landwirte enorm wichtig, weil dabei zerstreute Schläge zu Arealen zusammengelegt werden, die sich besser bearbeiten lassen.

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