Für die Betreuungsgruppe hat Esmaeil Esfandiari eine Liste der Bewohner mit Ausbildungsstand und Berufswünschen erstellt, die er an Bürgermeister Bott überreichte. (eva)
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Für die Betreuungsgruppe hat Esmaeil Esfandiari eine Liste der Bewohner mit Ausbildungsstand und Berufswünschen erstellt, die er an Bürgermeister Bott überreichte. (eva)

Manche sind zum ersten Mal in einer Schule

Gemünden-Nieder-Gemünden (eva). "Ich kann die große Politik nicht ändern, aber ich kann im Kleinen was tun", sagte eine Besucherin beim jüngsten "Runden Tisch" Gemünden im Gemeinschaftshaus.

Die Aussage trifft die ehrenamtliche Arbeit der Flüchtlingsinitiative im Kern. Man hilft vor Ort den Flüchtlingen, in der neuen Umgebung anzukommen und sich im Alltag zurechtzufinden. Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen, Telefonate führen, Deutschunterricht organisieren und vieles mehr leisten die Helferinnen und Helfer. Darüber hinaus geht es um menschliche Zuwendung, also Gespräche mit Flüchtlingen, soweit es die Sprachkenntnisse zulassen.

Seit dem letzten "Runden Tisch" im November wurden in der Flüchtlingsarbeit viele ehrenamtliche Stunden investiert. Die Helfer engagieren sich in den Bereichen Flüchtlingspaten/Alltagsbegleitung, Flüchtlingsbegleitung, Deutschunterricht und Begegnungscafé. Vier Mitglieder nehmen am Grundqualifizierungslehrgang "Flüchtlingsbegleiter/in im Ehrenamt" teil. Beim jüngsten Runden Tisch, den Peter Gabriel moderierte, erläuterten die Arbeitsgruppen Aktionen und stellten Pläne vor

Bürgermeister Lothar Bott sagte, dass rund 60 Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft in Burg-Gemünden und zwölf in Ehringshausen wohnen. In der Feldastraße in Nieder-Gemünden sollen nach Umbau demnächst rund 20 Personen aufgenommen werden. Ulrich Kill und Rainer Lindner informierten über die Aktivitäten im Bereich der Alltagsbegleitung und der durchgeführten Begegnungscafés. Als "guten Einstieg" bezeichnete Kill die beiden "Patentreffen", die in angenehmer Atmosphäre stattgefunden hatten. Berührungsängste waren schnell verflogen. In persönlichen Gesprächen wurde erörtert, wo Hilfe benötigt wird.

Es habe Unterstützung bei Behördengängen und beim Krankenversicherungsabschluss geleistet, man habe Bewohner bei Arzt- und Facharztuntersuchungen im Krankenhaus begleitet. Beim TSV Burg-Nieder-Gemünden machen Jungs und junge Männer beim Fußball und Frauen in den Gymnastikgruppen mit. Darüber hinaus wurde die Beschaffung von dringend benötigten Haushalts- und Gebrauchsgegenständen, Bekleidung oder Schulutensilien organisiert. Man betreute Kinder während des Deutschunterrichts und half beim Einkaufen.

Wohnungen und Jobs gesucht

Ein großes Thema ist das Erlernen der deutschen Sprache. Die Deutschkurse finden dienstags in der Pestalozzischule statt, informierte die Kursleiterin Maria Stamm am Runden Tisch. Sie freute sich über die Kinderbetreuung während der Unterrichtszeit und die Unterstützung im Deutschkurs durch Ehrenamtliche. Stamm berichtete, dass am Unterricht viele Menschen teilnehmen, die noch nie eine Schule besucht haben. Andere kennen die lateinischen Buchstaben nicht. Durch diese Unterschiede in der Lerngruppe sei sie auf Unterstützung angewiesen. Dieser Ergänzungsunterricht, eine Art Nachhilfe, werde jeden Mittwoch in Räumen des Kindergartens angeboten.

"Besser miteinander als übereinander reden" war das Motto der Begegnungscafés. Seit Januar trifft man sich jeden dritten Mittwoch im Monat im Dorfgemeinschaftshaus Burg-Gemünden. Geredet werde deutsch, englisch und viel mit Händen und Füßen, schildert Rainer Lindner. Während man bei den ersten Treffen noch etwas verhalten aufeinander zugegangen sei, hätten sich die Treffen zu einem fröhlichen Miteinander entwickelt.

Nächste Schritte seien, Wohnungen und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Nähe zu finden und die Neu-Gemündener bei der Kontaktaufnahme zu unterstützen. Im Hinblick auf berufliche Zukunftsperspektiven wurden zwischenzeitlich auch Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Wiedereinstiege erörtert. Um einen Überblick über die Schulbildung, den Ausbildungsstand und die Berufswünsche zu erhalten, hat Esmaeil Esfandiari, der wegen seiner guten Deutschkenntnisse sprachlich vermittelt, auf Initiative der Betreuungsgruppe, eine Liste erstellt. Sie beinhaltet Schulbildung, Ausbildungsstand und Berufswünsche der Bewohner. Er überreichte die Liste am Runden Tisch an Bott überreichte. Vermehrt kommt es durch private Einladungen zu familiären Kontakten und das Grüßen und Ansprechen bei Begegnungen auf der Straße oder beim Einkaufen sei selbstverständlich geworden.

Rainer Lindner informierte, dass im Rahmen der Gemündener Kulturwochen, für Sonntag, 29. Mai, ein "Begegnungsfest" in Burg-Gemünden geplant ist.

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