Günstigster Wegebau bei der Flurbereinigung

Gemünden (ek). Zu ihrem ersten Arbeitskreistreffen des Arbeitskreises Agrarstruktur und Landschaftspflege im Rahmen des laufenden SILEK-Programms trafen sich dieser Tage Bürger, Vertreter des beauftragten Planungsbüros Grontmij und der Gemeinde Gemünden.

Erster Beigeordneter Eckhard Reitz begrüßte alle Anwesenden und freute sich über die rege Teilnahme und das Engagement zur Mitwirkung an der zukünftigen Entwicklung von Gemünden. Wichtig sei es, im SILEK gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, die abgestimmt und realistisch umsetzbar sind. Eckhard Reitz wünschte sich, dass weiterhin Werbung für SILEK gemacht wird und noch mehr Bürger an diesem Konzept mitwirken.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde gab Harald Wedel vom Büro Grontmij den Anwesenden einen Überblick über die Themenfelder sowie den weiteren Ablauf und den Stand des SILEK. Zur Einführung in die Thematik stellte er einige Grundlagen-Daten aus dem Bereich Landwirtschaft und Landschaftspflege vor und untermauerte dies zusätzlich mit thematischen Karten. Mit der Stärken-Schwächen-Analyse wurden die Erkenntnisse aus der Bestandsanalyse und aus den bisherigen Terminen zusammengefasst. Dies wurde den Teilnehmern kurz vorgestellt, mit der Gelegenheit, diese später auf dem ausgehängten Poster noch zu ergänzen.

Fast 1000 Hektar Fläche werden von auswärtigen Betrieben bewirtschaftet

Aus der Stärken- und Schwächen-Analyse heraus wurden Vorschläge für Entwicklungsziele im Themenfeld erarbeitet und gemeinsam diskutiert. Mit Interesse aufgenommen wurden auch einige Zahlen aus der Landwirtschaft, die sich auf das Jahr 2010 bezogen. Danach gab es zum Stichtag in Gemünden 31 Betriebe mit 1428 Hektar landwirtschaftlicher Fläche (LF) womit durchschnittlich 46,1 Hektar auf jeden Betrieb entfallen. Von den Betrieben sind acht im Haupterwerb und 23 im Nebenerwerb. Sechs Betriebe arbeiten mit ökologischem Anbau mit 395 Hektar LF. In Gemünden gibt es danach rund 643 Hektar Ackerland (45 Prozent), davon 417 Hektar mit Getreideanbau und 82 Hektar mit Winterraps. Schließlich gibt es rund 784 Hektar Grünland (55 Prozent). Auffällig ist, dass per Saldo gut 1000 Hektar Fläche von auswärtigen, nicht in der Großgemeinde Gemünden ansässigen Betrieben bewirtschaftet werden.

Zu der Bestandsanalyse ergaben sich im Plenum einige Fragen und Anmerkungen. So seien bei manchen Naturschutzprojekten nicht immer die realen Situationen vor Ort wiedergegeben. Es stellte sich auch die Frage, ob an bestehenden Schutzgebietsgrenzen, hier Überschwemmungsgebieten, etwas verändert werden kann. Darüber hinaus seien diese Grenzen teilweise auch unrealistisch gezogen. Dazu stellten die Moderatoren fest, dass im SILEK die Chance genutzt werden kann, bei laufenden Planungen mitzuwirken und die Diskussion mit den zuständigen Behörden zu suchen. Auf die Nachfrage, wo die vorgestellten Planungen eingesehen werden können, erklärt Beatrix Ollig vom Büro Grontmtj, dass im SILEK möglichst aktuelle Sachstände zu laufenden Projekten eingebracht werden. Das Büro stehe dazu im Austausch mit den zuständigen Stellen und Fachbehörden. Sofern es bereits vorhandene Planungen oder Informationen gebe, sollen diese über die Internetseite der Gemeinde (Menüpunkt SILEK) bereitgestellt oder verlinkt werden.

Wegenetz hat größte Priorität

Als Ergebnis der Diskussion zu den Entwicklungszielen verständigte sich der Arbeitskreis auf die Leitziele "Erhalt einer strukturreichen Kultur- und Naturlandschaft", "multifunktionales, gemarkungsübergreifendes Wegenetz (Umfang, Zustand)", "rationelle Bewirtschaftungseinheiten", "Verminderung / Vermeidung von Erosionsproblemen", "Minimierung des Flächenverbrauchs – Erhalt wertvoller Landwirtschaftsflächen", "nachhaltige Nutzung ökologisch wertvoller Grünlandbereiche", "flächenschonende Auswahl und Gestaltung von Ausgleichsmaßnahmen (unter Einbeziehung von Gewässern und Wald)", "den Erhalt gefährdeter Arten in Schutzgebieten" und schließlich "nachhaltige und rentable Konzepte zur Landschaftspflege (Grünland, Hecken) unter Einbindung der Landwirtschaft (Agrarumweltmaßnahmen)".

Im nächsten Schritt wurden im Arbeitskreis die zentralen Themen und Handlungsfelder der weiteren Arbeit abgestimmt, um festzulegen wo man ansetzen kann. Auf Basis der bisherigen Projektideen aus dem Vorbereitungsworkshop und der Auftaktveranstaltung sowie den Erkenntnissen der Bestandsanalyse schlug das Planungsbüro sechs Handlungsfelder vor. Diesen werden zunächst die bisherigen Projektideen zugeordnet und weitere Projektideen vom Arbeitskreis ergänzt. Die so abgestimmten Handlungsfelder und Projektideen sollen in der Projektgruppenarbeit vertieft werden.

Das zum Abschluss eingeholte Meinungsbild der Arbeitskreis-Teilnehmer zeigte dann die Prioritäten für die weitere Ausarbeitung auf. An erster Stelle stand dabei das Wegenetz, gefolgt von der Pflege und dem Erhalt der Kulturlandschaft. Es folgte die Biotopentwicklung und –vernetzung, die Verbesserung der Flächenstrukturen, der Ausgleich und Flächenverbrauch, sowie abgeschlagen der Erosionsschutz. Die Themenfelder wurden im weiteren Versammlungsverlauf näher beleuchtet und mit einzelnen Redebeiträgen der Teilnehmer ergänzt.

Beim Wegeausbau müssen Grundeigentümer nicht zahlen

Zum Thema Wegenetz kommt die Frage auf, ob Wegebau nur im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens gefördert werden kann? Bürgermeister Lothar Bott erklärt dazu, dass Wegebau auch anders finanziert werden kann, allerdings die allerbesten Förderbedingungen (bis zu 80 Prozent) im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens bestehen. Dabei sei es mittlerweile auch üblich, dass die zur Förderung notwendige Eigenleistung (20 Prozent) von der Gemeinde übernommen werde (wie zum Beispiel auch in Feldatal), also keine Kosten auf die Grundstückseigentümer zukommen. Im SILEK sollte im ersten Schritt geprüft werden, wo Wegeausbau nach welcher Priorität notwendig ist. Im zweiten Schritt muss die Gemeinde dann entscheiden, wo und wie in Wegebau investiert werden soll. Dabei soll auch über (gegebenenfalls räumlich begrenzte) Flurbereinigungsverfahren diskutiert werden.

Die Konkretisierung der Projektideen in zentralen Handlungsfeldern soll in Projektgruppen (PG) erfolgen, die ihre Maßnahmenvorschläge insbesondere in Karten darstellen können. Folgende Projektgruppen sollen demnach gebildet werden: PG Agrarstruktur / Kulturlandschaft (Schwerpunkt Wegenetz). Dort wird man sich neben den Wegen für Landwirtschaft und Freizeitnutzung auch mit dem Thema Flächennutzung und Verbesserung der Bewirtschaftungsstrukturen beschäftigen. Es soll ein umfassendes Wegekonzept erstellt werden, in Anlehnung an das vorgestellte Verbindungswegenetz. Dazu wird die Grontmij entsprechende Vorlagen und Arbeitshilfen bereit stellen. Es sollen zunächst Ortsgruppen gebildet werden, die jeweils für ihre Gemarkung Maßnahmenvorschläge erarbeiten, die dann zusammengeführt werden. Die PG Landschaftspflege will sich den verschiedenen Themen der Kulturlandschaftspflege widmen und dazu Ideen und Maßnahmenvorschläge diskutieren sowie entwickeln (zum Beispiel Heckenpflege). Denkbar ist auch eine Kombination mit dem Themenfeld Gewässerentwicklung. Für den Bereich Agrarstruktur wurden als Ansprechpartner Volker Schäfer (Ortslandwirt Ehringshausen / Otterbach / Rülfenrod), Walter Momberger (Ortslandwirt Hainbach), sowie Jürgen Lutz (Ortslandwirt Elpenrod) benannt.

Mitwirkende sind die Landwirte der Ortschaften und weitere Interessierte. Für den Bereich Landschaftspflege fungiert als Ansprechpartner Bernhard Freiherr von Schenk. Darüber haben ihr Interesse an einer Mitwirkung Renate Berner, Barbara Scheffer und Veronika Damjanovic bekundet.

Zum Abschluss des Arbeitskreistreffens bedankte sich Bürgermeister Lothar Bott bei allen Anwesenden für die Teilnahme und die konstruktive Zusammenarbeit. Er zeigte sich erfreut über die Teilnahme weiterer Interessierter, darunter auch Neubürger, die bisher noch nicht dabei waren. Weiter begrüßte Lothar Bott die vorgeschlagene Erarbeitung in einzelnen Ortsgruppen als sehr praxisnahen Weg. Er wünscht allen Akteuren für die nächsten Arbeitskreise sowie die geplante Projektgruppenarbeit ab 2013 ein gutes Gelingen.

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