24 tote Hühner entdeckte ein Nachbar am Donnerstag, vermutlich hat ein Fuchs die Tiere getötet. (Foto eva)
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24 tote Hühner entdeckte ein Nachbar am Donnerstag, vermutlich hat ein Fuchs die Tiere getötet. (Foto eva)

Fuchs tötete 24 Tiere in Hühnergehege

Gemünden (eva/jol). Der Fuchs hat nicht nur in Kinderliedern einen schlechten Ruf, auch unter Hühnerhaltern in Gemünden ist die Stimmung eher ablehnend nach einem mutmaßlichen Raubzug in einem Gehege.

Zumindest wird Meister Reinecke angelastet, Donnerstag früh 24 Hühner getötet zu haben. Ein Nieder-Gemündener hat in Abwesenheit des Hühnerhalters bemerkt, dass in dessen Gehege am Ortsrand in Richtung Rülfenrod 24 tote Tiere lagen. Morgens soll der Halter seine Tiere noch versorgt haben, später lagen sie tot auf dem Gelände herum. Auch der Gemündener, der das verendete Federvieh fand, hat Hühner. Und er hat kürzlich tagsüber einen Fuchs beobachtet, für den ein 2,50 Meter hoher Zaun kein Hindernis war. Das Raubtier hatte sich bereits ein Huhn geschnappt, wurde aber durch Rufe der Anwohner vertrieben.

Eine solche Attacke am helllichten Tag ist für Hans-Jürgen Rupp, Forstamtsleiter und passionierter Jäger, ungewöhnlich. Es sei auch möglich, das ein Waschbär oder ein Marder am Werk gewesen sei. Allerdings seien Waschbär und Marder in der Nacht aktiv, Füchse hingegen auch tagsüber. Zur Zeit wachsen die Jungfüchse heran, da seien die Alttiere damit beschäftigt, Futter für den Nachwuchs zu besorgen. Frank Leinberger von der unteren Jagdbehörde des Landkreises fügte an, dass der Fuchs ein Kulturfolger sei. Es mache ihm nichts aus, innerorts nach Futter zu suchen und Hühnerhaltungen bieten einfache Beute für ihn.

Die beiden Jagdexperten verwiesen darauf, dass Jäger wie der Fuchs und der Marder in Blutrausch verfallen können. Wenn die Hühner ein Raubtier sehen, versuchen sie durch Wegflattern zu entkommen - der Angreifer beißt dann solange zu bis Ruhe herrscht. Gegen Füchse und andere Räuber dürfen Jäger in Ortslagen nicht aktiv werden, so Rupp und Leinberger. Füchse und andere Räuber sind Teil der Natur, damit müssten wir und damit auch Geflügelhalter leben.

Leinberger verwies auf die Jagdstatistik, wonach allein im letzten Jahr im Vogelsbergkreis fast 2700 Füchse von Jägern erlegt wurden sind. Füchse haben keine Schonzeit, allerdings dürfen die zur Aufzucht notwendigen Elterntiere bis zum Selbständigwerden der Jungtiere aus Tierschutzgründen nicht bejagt werden. Deshalb dürften aktuell nur Jungtiere geschossen werden.

Ein Fuchs im Siedlungsgebiet, der sich aus geringer Distanz beobachten lässt, bedeute keine unmittelbare Gefahr. Die wichtigsten Gründe für das häufigere Auftreten des Fuchses innerhalb der Ortslagen sind das reichhaltige Nahrungsangebot, der fehlende Jagddruck innerhalb dieser Bereiche sowie ein gewisses Zutrauen, das die Tiere zum Menschen dank ihrer schnellen Lernfähigkeit fassen konnten.

Da Füchse nach jahrzehntelangen Impfkampagnen auch durch Tollwut nicht mehr dezimiert werden, sei von einem gleichbleibend hohen Fuchsbestand auszugehen. Füchse seien nicht aggressiv und haben eine natürliche Scheu, die in einer gewissen Fluchtdistanz deutlich wird. Bei Begegnungen mit dem Fuchs sollte man dem Tier einen Fluchtweg freilassen.

Rupp und Leinberger rieten Geflügelhaltern dazu, Grundstück und Stall zu sichern. Aber Füchse können gut klettern. Kaninchen und Geflügel solle man nachts in einem Stall einschließen. Das Gehege kann aus Maschendraht bestehen, der 30 Zentimeter eingegraben und dabei nach außen gebogen wird, um Unterwühlen zu verhindern. Die Maschengröße sollte kleiner als 3 Zentimeter sein, um ein Überklettern zu vermeiden. Man könne das Gehege abdecken oder einen Zwei-Meter-Zaun errichten, oben nach außen umgebogen.

Innerorts dürfen geschulte Menschen Füchse in Lebendfallen fangen. Die untere Jagdbehörde bietet einen Lehrgang an, Kontakt unter Tel. 06641/977 140. Der Kurs wird im Herbst/Winter 2015 mit dem Jagdverein angeboten.

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