Finanzamt kann rückwirkend Steuern nachfordern

Gemünden-Elpenrod (eva). Wichtige Informationen zu dem Brennpunktthema "Rentenbesteuerung" bot der Seniorenbeirat Gemünden in seiner jüngsten Informationsveranstaltung "Steuerkontrollen für Rentner und Pensionäre".

Gemünden-Elpenrod (eva). Wichtige Informationen zu dem Brennpunktthema "Rentenbesteuerung" bot der Seniorenbeirat Gemünden in seiner jüngsten Informationsveranstaltung "Steuerkontrollen für Rentner und Pensionäre". Im Gemeinschaftshaus Elpenrod beantwortete Referentin Silke Hampach vom Verein "Vereinigte Lohnsteuerhilfe" den Senioren aus verschiedenen Ortsteilen von Gemünden eine ganze Reihe an Fragen. Der Seniorenbeirat von Gemünden hatte sich für dieses Thema entschieden, da vor allem die ältere Generation erhebliche Probleme mit der nun auf sie zukommenden Rentenbesteuerung habe. Das sei kein Wunder, wäre es doch oftmals auch für jüngere Bürger schon fast unmöglich, Steuererklärungen selbst zu erstellen und dabei alle steuermindernden Aspekte zu berücksichtigen.

Die anwesenden Senioren machten sich zunächst einmal "Luft" über das neue Alterseinkünftegesetz. "Ich finde es ist eine Schande, dass der Staat jetzt von den Rentnern Steuern fordert, obwohl diese schon ein Leben lang Steuern gezahlt haben", gab sich eine Teilnehmerin empört.

Doch alle Diskussion hin und her und bei allem Unverständnis, es ändere aber nichts an den Gesetzen, so Silke Hampach. Auf die Frage "Muss der Rentner einen Antrag stellen, oder muss er warten bis die Aufforderung vom Finanzamt kommt?", riet die Referentin dazu erst einmal eine Steuererklärung abzugeben. Auch wenn es "Null auf Null aufgeht". Wer bereits eine Steuererklärung eingereicht habe, sollte diese sicherheitshalber nochmals auf die vollständigen Angaben zu Renteneinnahmen überprüfen. Sie informierte über den Durchschnittssteuersatz und ob die Abgabe einer Einkommensteuererklärung vorteilhafter sein könne und über Steuerminderungen, zum Beispiel für Besitzer von Behindertenausweisen.

Seit 2005 gebe es neue Steuerregeln für Rentner, die zu der höheren Steuerlast führten. Bei erklärungsabgabepflichtigen Rentnern bedeute dies, dass erstmalig ab 2005 die Steuererklärung rückwirkend abgegeben werden müsse. Viele Rentner verfügten über Einnahmen aus Kapitalvermögen, auf die Kreditinstitute bereits Quellen-, Kapitalertrags- und Abgeltungssteuer einbehalten hätten. Gegebenenfalls könne diese bereits gezahlte Steuer auf die entstandene Einkommensteuerpauschale angerechnet werden, was auch zu Steuererstattungen führen könne.

Da äußerten die Besucher wieder Bedenken: "Wie soll das zum Beispiel ein über 80-jähriger schaffen, wo die Unterlagen nicht mehr vorhanden sind?". Antwort Hampach: Jeder ist selbst verantwortlich und das Finanzamt kann noch zehn Jahre rückwirkend Steuern verlangen.

"Man kann nicht alles verallgemeinern, da jeder Fall individuell verschieden gelagert ist", so Silke Hampach. So beantwortete sie auch in Elpenrod allgemeine und spezifische Fragen zu Pensionen oder Zusatz-, Betriebs- und Unfallrenten, sowie zum Absetzen von Werbungskosten Grundsätzlich, so rät die Referentin, sollte die Steuererklärung bis 31. Mai abgegeben sein. Wer es als steuerpflichtiger Rentner versäume eine Steuererklärung abzugeben, riskiere, nach Überprüfung durch die Finanzverwaltung, Steuernachzahlungsforderungen ab 2005. Die Nichtabgabe der Steuererklärung stelle darüber hinaus ein Straftatbestand dar und könne mit Geldstrafen oder gegebenenfalls mit Bußgelder geahndet werden. Für alle, die aufgrund ihrer Renteneinnahmen nicht zur Steuerzahlung herangezogen würden gab die Referentin den Rat, alle drei Jahre einen Antrag auf "Nichtveranlagung" zu stellen, um eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" zu erhalten.

Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Peter Krug, dankte Silke Hampach für die detaillierten Informationen. Zu erwähnen ist noch, dass für nicht mobile Seniorinnen und Senioren für alle Ortsteile Fahrdienste zur Verfügung standen, die teilweise in Anspruch genommen wurden.

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