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Ein Ansprechpartner für Kultur?

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Von: Lena Karber

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Beim Thema Kultur ist der Bürgerservice des Rathauses der richtige Ansprechpartner. Doch ist das jedem klar? Darum ging es jüngst im ASJ. ARCHIVFOTO: JOL © Joachim Legatis

Gemünden (lkl). Die Gemeinde möge einen zuständigen Mitarbeiter oder eine zuständige Mitarbeiterin für den Aufgabenbereich Kultur benennen - diesen Antrag hatte die SPD-Fraktion bei der Gemeindevetretersitzung im Oktober eingereicht und damit eine Debatte ausgelöst, die jüngst in der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport (AJS) weitergeführt wurde.

Anlass des Antrags war die bevorstehende Auflösung des Kulturringes, der nach knapp 17 Jahren keinen Vorstand mehr finden konnte. Um ein »Hin- und Her in der Verwaltung« zu umgehen, sei es wichtig, einen Ansprechpartner zu benennen, fand Lukas Becker für die SPD, stieß jedoch auf wenig Zuspruch.

Einer der Gründe dafür war das von Jan Schönfeld (UBL) vorgetragene Argument, dass der Antrag zu weit gehe, indem er in die Personalhoheit des Bürgermeisters eingreife. Dies sah auch Rathauschef Lothar Bott so, der sich jedoch gleichzeitig gegen Schönfelds Aussage verteidigte, dass die Unterstützung für das Ehrenamt in der Gemeinde in den vergangenen Jahren nachgelassen habe. »Ich empfinde das persönlich als Frechheit und Beleidigung«, betonte Bott und verwies auf seine langjährige Tätigkeit im Vorstand des Kulturrings. Die Gemeinde unterstütze kulturelle Vorhaben nach Kräften, der Impuls und das Engagement müsse jedoch zunächst aus dem Ehrenamt kommen, so der Standpunkt von Bott.

In der Sitzung des AJS, wohin die Gemeindevertreter den Antrag schließlich mehrheitlich zur Diskussion verwiesen hatten, fand Bott Unterstützung vonseiten der BGG. »Die Verwaltung hatte immer ein offenes Ohr und man ist nie hängen gelassen worden«, berichtete etwa Patrick Schön von seinen Erfahrungen. Auch die Auffassung von Bott, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sein könne, die Kultur in Gemünden anzukurbeln, sondern lediglich entsprechende Vorhaben unterstützend zu begleiten, fand im AJS Zuspruch.

»Ich lese den Antrag so, dass die Gemeinde den Kulturring ersetzen soll«, sagte Tobias Reiz (BGG). Daher sei dieser abzulehnen.

Dass Alexander Klein für die SPD sagte, dass es bei dem Antrag nicht um die Schaffung eines neuen Posten oder die Zuweisung von Stunden für diese Aufgabe gehe, sondern lediglich um die Benennung einer Zuständigkeit mit entsprechendem Hinweis auf der Homepage, konnte dem Antrag keinen Aufwind mehr verschaffen. Es sei völlig klar, so Bott, dass das Bürgerbüro hier der richtige Ansprechpartner sei. Auch der Hinweis eines Zuhörers aus dem Publikum, dass das vielleicht nicht für jeden klar sei, der nicht in das Gemündener Vereinsleben eingebunden sei - etwa für Zugezogene -, änderte daran nichts. Man müsse nur bei der Gemeinde anrufen und werde entsprechend weitergeleitet, lautete der Tenor im ASJ.

Dennoch sei die Frage gerechtfertigt, was man als Gemeinde tun könne, um das kulturelle Engagement vor Ort zu unterstützen, befand Schönfeld. Konkret verständigte man sich schließlich darauf, dass die Gemeinde die Vereine noch einmal anschrieben möge, um die Genehmigung zur Veröffentlichung von Ansprechpartnern zu erhalten. Dies ist laut Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) inzwischen erforderlich, bislang sind jedoch viele Vereinsvertreter der Bitte, eine entsprechende Genehmigung zu erteilen, nicht nachgekommen. Daher sind auf der Homepage aktuell keine Vereine zu finden. Diese könnten jedoch zukünftig in einem speziellen Reiter wieder aufgeführt werden, gegebenfalls mit dem Hinweis, dass der Bürgerservice Kontakte vermitteln kann.

Den eigentlichen Antrag der SPD auf Benennung eines Ansprechpartners für das Thema Kultur möge die Gemeindevertretung jedoch ablehnen, empfahlen die ASJ-Mitglieder mehrheitlich. Um dennoch zu einer konstruktiven Lösung zu kommen schlug Dunja Werneburg (UBL) vor, dass die SPD die Vereinsförderrichtlinien der Gemeinde anschauen und prüfen könne. Sollte dort Optimierungsbedarf bestehen, könne sie ja einen Antrag auf eine Änderung zu stellen. Für diesen Fall empfahl Reiz, einen runden Tisch mit Vereinsvertretern einzuberufen.

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