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Apotheken

Apotheke darf an zwei Tagen pro Woche geschlossen bleiben

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Annette Vaupel-Naumann war in der Zwickmühle. Sie muss in ihren Apotheken in Nieder-Ohmen und Nieder-Gemünden Mindest-Öffnungszeiten einhalten. Aber sie findet dafür nicht genug Personal.

Die Apotheke in Nieder-Gemünden am Bahnhof bleibt geöffnet. Fast hätte es nicht danach ausgesehen. Inhaberin Annette Vaupel-Naumann fechtet seit Monaten einen Streit mit der Apothekerkammer aus. Sie war nicht mehr in der Lage, die Apotheke jeden Mittwoch und Samstag zu besetzen, so wie es die Kammer fordert. Am Ende sah sie ihre Existenz bedroht und klagte. Jetzt gab es vor dem Gießener Verwaltungsgericht eine Einigung. Damit hatten die Apothekerin und ihre Anwältin Christina Hainmüller nicht unbedingt gerechnet, entsprechend groß war die Erleichterung.

Vaupel-Naumann selbst arbeitet Vollzeit ("ich war in 24 Jahren nie krank") in ihrer Apotheke in Nieder-Ohmen. Sie beschäftigt in Gemünden eine angestellte Apothekerin, die aus familiären Gründen nicht in Vollzeit arbeiten kann.

Deshalb müsste sie dort mittwochs und samstags schließen, weil die Stundenzahl nicht reicht, alle Zeiten abzudecken. Vaupel-Naumann führte in ihrer Begründung an, dass an Mittwochen und Samstagen kein großer Betrieb ist, weil die Arztpraxis in der Nähe geschlossen ist. Und die Apothekenzeiten würden sich inzwischen gezwungermaßen sehr an den Öffnungszeiten der Arztpraxen orientieren.

Hintergrund für die schwierige Situation ist auch, dass zu den Öffnungszeiten immer ein Apotheker vor Ort sein muss. Eine pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) oder eine PVA (kaufmännische Kraft) reichen nicht aus. Dazu kommt, dass Vaupel-Naumann gerne einen Apotheker einstellen würde, aber keinen bekommt. Sie habe Anfang des Jahres das Glück gehabt und einen jungen Apotheker gefunden. Es war der erste, der sich nach zweieinhalb Jahren mit Stellenangeboten bei ihr gemeldet hatte. Zum Ende Juni hat er jetzt aus dringenden familiären Gründen gekündigt, er wohnt in Frankfurt.

Sie hat sogar schon eine Wohnung und Kinderbetreuung angeboten, sagte die Klägerin dem Gericht. Die beiden Apothekerinnen versuchen ihr Bestes, sagte sie, aber irgendwann gehe es nicht mehr: "Am letzten Feiertag habe ich 14 Stunden Dienst geschoben."

Die Landesapothekerkammer blieb zunächst hart. Auch in Gemünden muss mindestens drei Stunden am Mittwoch und Samstag geöffnet sein, forderte sie. Die geschilderte Personalnot gebe es überall, selbst in der Großstadt. Das sei kein triftiger Grund, zweimal in der Woche zuzusperren. Kammer-Vertreterin Julia Faour: "Ich kenne Apotheken im ländlichen Raum, die haben jeden Tag Notdienst."

Etliche würden sich inzwischen mit sogenannten Rezeptsammelkästen behelfen. Das machten auf dem Land viele Betreiber, wenn sie nur eine Apotheke haben.

Vaupel-Naumann (58) hält dagegen, das sei keine Lösung, dann könne man die Medikamente gleich im Internet bestellen: "Mir geht es darum, die Menschen zu beraten." Die Versorgung auf dem Land liege sowieso schon in vielen Bereichen darnieder. Und es sei absehbar, dass etliche Apotheken im Kreis in den nächsten Jahren schließen.

Die Bemühungen um einen Kollegen laufen seit Jahren mehr oder weniger erfolglos. "Wenn jemand hört, dass er in ein ländliches Gebiet kommt und alle elf Tage Notdienst hat, heißt es schon Nein danke." Es sei nicht so, dass sie nicht will, betonte Vaupel-Naumann: "Geben Sie mir einen Apotheker, dann öffne ich."

Die Richter führten einige Urteile aus anderen Bundesländern an, die den Apothekern Recht gegeben haben. Auf der anderen Seite müsse es aber auch Berufstätigen etwa samstags möglich sein, eine Beratung in der Apotheke zu bekommen.

Schließlich lenkte die Vertreterin der Apothekerkammer, man könne sich in der Mitte treffen. Damit darf Vaupel-Naumann die Apotheke in Gemünden mittwochs und samstags zulassen. Im Gegenzug verpflichtet sie sich, weiter jeden Monat Stellenanzeigen zu schalten. Sollte sich jemand finden, dann erlischt die Ausnahmegenehmigung und es muss wieder an den beiden Tagen in Gemünden geöffnet werden.

Vaupel-Naumann zeigte sich sehr erleichtert über diesen Ausgang. Sonst wäre die Konsequenz für sie klar gewesen. "Ich hätte schließen müssen, obwohl ich das nicht will. Ich möchte noch einige Jahre weitermachen."

Sie sieht den Auftrag der Medikamentenversorgung auch als eine Art "soziales Engagement, dass ich für die Menschen auf dem Land erbringen kann."

Dass sie es einfacher haben könnte, daraus machte sie keinen Hehl: "Wenn ich mich auf eine Angestelltenstelle bewerbe, arbeite ich die Hälfte und verdiene mehr."

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