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Wilfried Schneider hat viel zu feiern: Er ist seit 50 Jahren Friseurmeister mit einem eigenen Ladengeschäft. Genauer: mit zwei Läden, einen in Nieder-Gemünden und einen in Groß-Felda.

Abschied von der Dauerwelle

Spielte die Dauerwelle über viele Jahre auf den Köpfen der Frauen eine Hauptrolle, so ist es heute die Farbe. Wilfried Schneider muss es wissen. Der Friseurmeister bedient seit 50 Jahren im eigenen Laden die Kundschaft. Und die weiß seinen Humor zu schätzen.

Wilfried Schneider (71) hat heute viel zu feiern: Er ist 50 Jahre Friseurmeister mit einem eigenen Ladengeschäft. Genauer: mit zwei Läden, einen in Nieder-Gemünden, einen in Groß-Felda. Beide betreibt er unterstützt von seiner Ehefrau und angestellten Frisörinnen. Der Feldataler begann im April 1962 seine Lehre im damaligen Salon Malorny in Alsfeld. Damit waren die Weichen gestellt für das weitere Leben in Oberhessen gestellt. "Ich habe mich dem Dorf verschrieben," so formuliert Schneider es selbst und betont, dass er diese Entscheidung nicht bereut. Wichtigster Identifikationspunkt ist bis heute die gemeinsame Sprache, das örtliche Platt. Wilfried Schneider spricht es nach wie vor gern und diskutiert auch schon einmal mit Mundartexperten, wenn es um die korrekte Schreibweise eines Worts geht.

Die Handwerkstradition der Familie begründete bereits schon 1907 Johannes Karl Schneider in Groß-Felda. 1946 übernahm sein Sohn Friedrich. Das Angebot an Dienstleistungen ging weit über das Friseurhandwerk hinaus, wie der Gewerbeschein aus dem Jahr 1935 dokumentiert. So gehörten beispielsweise Leistungen im Bauhandwerk dazu. Im Geschäft wurden auch Schreibwaren und Tabakwaren verkauft. So sei es noch in seiner Schulzeit, in den 1950er Jahren gewesen, erinnert sich Wilfried Schneider, der 1970 die Verantwortung für das Familienunternehmen übernahm.

Auch zu dieser Zeit spielte neben dem Handwerksbetrieb, der jetzt ausschließlich der modischen Haartracht galt, der Verkauf von dazugehörigen Produkten eine wichtige Rolle. Aber mit dem Aufkommen der Supermärkte verschwanden sie aus den Regalen im Frisörladen. Hier konzentrierte man sich jetzt auf Exklusiv-Marken, die es im Handel sonst nicht gab.

Zentrale Herausforderung war und ist für ein Friseurgeschäft die Anpassung an die aktuelle Haarmode. Als längerfristigen Trend sieht der Friseurmeister vor allem die geringer werdende Bedeutung der Dauerwelle. "War die Dauerwelle über viele Jahre bei den Damenfrisuren die Nummer eins, so spielt heute die Farbe die Hauptrolle," sagt er. Weniger als in anderen Branchen, wie beispielsweise dem Handel, sieht er sein Handwerk durch das Internet bedroht.

"Auch wir erleben, dass Kundinnen ein Produkt im Laden ausprobieren, es gut finden und später bei einem Internetversand kaufen, statt bei uns, aber das ist die Ausnahme. Haareschneiden im Internet geht zum Glück nicht."

Auch ist der Friseurladen immer noch ein nicht unbedeutendes Kommunikationsforum, trotz Facebook und Co. Hier wird ausgetauscht, was sonst wohl eher in die Praxis eines Psychotherapeuten gehört: Gesundheitsprobleme und Beziehungsprobleme jeder Art. "Jeder meint, nur er hätte solche Probleme, aber andere haben sie auch," berichtet Schneider. Als Anekdote fällt ihm ein Junge ein, der fragte, ob er den Haarschnitt nicht auch auf Krankenschein bekommen kann. Es ist seine Art von Humor, die Schneider viel Sympathie bei seiner Kundschaft und in der Bevölkerung eingebracht hat. Als Mitglied des Männerballetts hat er früher im Fasching auch außerhalb des Ladens manches Lachen provoziert.

Aktivitäten in Vereinen am Ort waren für Schneider immer selbstverständlich und gehörten zu seinem Verständnis, am Dorfleben teilzunehmen. Im TSV Burg-/Nieder-Gemünden war er zehn Jahre lang Jugendleiter. Erst vor kurzem wurde er zum Ehrenmitglied im SV Ehringshausen ernannt.

"Es wird erwartet, dass man als Geschäftsinhaber die Vereine unterstützt. Das habe ich immer im Rahmen meiner Möglichkeiten gemacht. Ich war aber nie nur wegen des Geschäfts in einem Verein."

Im Moment beschäftigt ihn neben dem Alltagsgeschäft und der Vorbereitung der anstehenden Jubiläen vor allem die Frage, wie es mit seinem Frisörgeschäft weitergehen wird. Von seinen Söhnen Ralf und Jörg, die beide ihre Berufe haben, hat keiner Interesse. So setzt Schneider darauf, dass eine erfahrene Angestellte das Ruder übernimmt.

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