Ein 40 Hektar großes Gewerbegebiet ist an der B 62 oberhalb von Alsfeld geplant. FOTO: PM
+
Ein 40 Hektar großes Gewerbegebiet ist an der B 62 oberhalb von Alsfeld geplant. FOTO: PM

Gemeinsam für Bodenerhalt

  • vonRedaktion
    schließen

Vogelsbergkreis(pm). "Das Bundesbündnis-Bodenschutz sagt Nein zu weiterer Bodenversiegelung und Bodenzerstörung", erklärt Ingrid Hagenbruch. Sie ist die Vorsitzende dieses jungen Umweltverbands. Und sie erhält Unterstützung aus der Region Vogelsbergkreis: "Wir erleben eben den Ausverkauf bester landwirtschaftlicher Flächen und wunderbarer Wälder. Deshalb sind wir dem Bundesbündnis beigetreten" informiert Dr. Wolfgang Dennhöfer, Sprecher des BUND im Vogelsberg.

"Größter Flächenfresser ist der Bau der A 49. Aber gleich daneben wird, wie man hört, ein über 60 Hektar großes Logistik-Areal in Homberg geplant und noch einmal 40 Hektar Gewerbegebiet an der B 62 in Alsfeld", skizziert Dennhöfer weitere Planungen.

Die Böden seien das Ergebnis einer jahrhunderte- bis jahrtausendelangen Entwicklung verschiedener Aufbau-, Abbau- und Umbauprozesse. Sie gehörten zu den komplexesten Ökosystemen überhaupt und seien das Fundament und die zentrale Ressource für alles Leben - die wichtigste Ernährungsgrundlage. Leider sei diese Ernährungsgrundlage übernutzt und knapp. Und: "Sie wird jeden Tag weniger, sowohl in der Stadt als auch auf dem Lande", bedauert Dennhöfer.

Boden kann man nicht vermehren

In Deutschland würden täglich über 60 Hektar Fläche versiegelt (Quelle: Umweltbundesamt). Häufig fielen den Baumaßnahmen fruchtbarste Böden zum Opfer, weil sie eben seien, gut erreichbar und ohne Altlasten, was den Investoren entgegenkomme. Sei der Boden einmal bebaut, zubetoniert oder asphaltiert, sei er unwiederbringlich zerstört. Die Forderung, den Flächenverbrauch in Zukunft auf Netto-Null zu reduzieren, sei seit vielen Jahren aufgestellt.

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner habe im Sommer 2020 eine Flächenkreislaufwirtschaft gefordert. Und dennoch: Der Flächenverbrauch gehe munter weiter. Eklatantes Beispiel seien die A 49 und die Gewerbegebiete. Und der Bau der A 49 zeige deutlich: Die Verschwendung von Boden treffe im ländlichen Raum besonders hart. "Was wir brauchen, ist eine Verkehrswende", darin sind sich BUND und Bundesbündnis einig.

"Die A 49 ist inzwischen zum Symbol geworden für eine Politik, die überholte Entscheidungen ohne Rücksicht auf neue Erkenntnisse umsetzt", bedauert Dennhöfer. Bei einem Spaziergang durch den Dannenröder Wald begreife man ganz konkret, worum es gehe: Schutz der Biodiversität und des Trinkwassers, gute Luft, Schutz einer alten Kulturlandschaft und vor allem: Klimaschutz.

Was in der Diskussion meist zu kurz kommte sei: "Der Planungsdinosaurier A 49 ist ein übler Boden-Fresser: 17 Kilometer Autobahn vernichten rund 182 Hektar Wald und landwirtschaftliche Flächen", sagt Dennhöfer. Der Verlust des Bodens und seiner wichtigen natürlichen Funktionen sei aber eine der Ursachen für den Klimawandel sowie vieler Natur- und Umweltprobleme in Deutschland. Boden sei eine nicht vermehrbare Ressource. Sie sei Voraussetzung für den Erhalt der Natur und der Artenvielfalt sowie für landwirtschaftliche Nutzung und regionale Versorgung.

Die europäische Umweltagentur geht nach Angaben von Dennhöfer von einer Bedarfszunahme an Lebensmitteln von 70 Prozent für die kommenden Jahrzehnte aus. Trotzdem würden in Hessen täglich etwa 3,5 Hektar Bodenfläche versiegelt. Der ständige Flächenverbrauch durch Siedlungserweiterungen, neue Verkehrsflächen und Gewerbegebiete stehe in direktem Gegensatz zu den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare