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Die Gelbbauchunke mit ihrem charakteristisch gelb-schwarz gemusterten Bauch ist selten geworden.

Gelbbauchunke auf die Sprünge helfen

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Der Mensch hat ihren Lebensraum einerseits zerstört, schafft ihn andererseits aber auch ungewollt. Dabei geht es um Flächen, die für Menschen uninteressant sind. An zwei Stellen in Homberg findet die Gelbbauchunke geeignete Lebensbedingungen, in Schlitz soll sie in der Fuldaaue wieder angesiedelt werden.

Aus der Redaktion

Sie ist so auffallend wie selten: Die Gelbbauchunke ist mit ihrem gelb-schwarz gemusterten Bauch ein echter Hingucker. War die auffällige Amphibienart in Hessen einst weit verbreitet, gilt sie heute als stark gefährdet. Begradigte Bäche und Flüsse haben dazu geführt, dass der Lebensraum - die Überschwemmungszonen der Auen - immer mehr verloren gehen. Das will das Regierungspräsidium Gießen ändern. "Damit wir die Gelbbauchunke hier in Mittelhessen wieder häufiger antreffen, haben wir einen Arten-Maßnahmenplan aufgestellt", berichtet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Dieser soll sich auch im Landkreis Vogelsbergkreis positiv auswirken, insbesondere dort, wo die Gelbbauchunke bislang anzutreffen ist, wie in Homberg und Schlitz.

"In dem Plan sind alle insgesamt 23 Standorte mit aktuellen Gelbbauchunken-Vorkommen im RP-Bezirk erfasst sowie für jeden Standort Maßnahmen benannt, wie die Art gestärkt werden kann", erläutert Bettina Schreiner von der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Gießen. Denn: Was der Unke hilft, sind keine großen Teiche, sondern eher Pfützen. Solche Kleinstgewässer findet die Gelbbauchunke meist nur noch in menschlich genutzten Gebieten wie Steinbrüchen und Truppenübungsplätzen.

"Zu den Maßnahmen zählen unter anderem die Neuanlage sowie die regelmäßige Pflege vorhandener Laichgewässer", berichtet ihre Kollegin und Biologin Amelie Hübner. "Unser Ziel ist es, durch den verbesserten Lebensraum an den noch bekannten Standorten der Gelbbauchunke die Art gezielt zu stärken und dadurch deren Wiederausbreitung auf die Sprünge zu helfen."

Die Projektregion "Lahn/Ohm" deckt Teile des Landkreises Marburg-Biedenkopf und Teile des Vogelsbergkreises ab. Insgesamt gibt es vier Projektgebiete in dieser Region. Regionales Projektziel war es, die Gelbbauchunken-Population der Sandgrube Rysse (Homberg) zu stärken und die Gelbbauchunken über die Ohmaue bis in die Lahnaue auszubreiten. In der Sandgrube Rysse wurden in Zusammenarbeit mit dem Betreiber regelmäßig Laichgewässer geschaffen sowie Habitatverbesserungen vorgenommen. Zudem fand jährlich eine Bewertung des Projektgebiets hinsichtlich Populationszustand, Habitatqualität und Beeinträchtigung statt. Seit 2015 wurde in der Sandgrube ein Schutzzaun vor tierischen Beutejägern eingesetzt, um den Waschbären von den Gewässern fernzuhalten. Durch die verschiedenen Maßnahmen konnte die Unkenpopulation aufrechterhalten werden.

Habitatverbessernde Maßnahmen im Umfeld der Sandgrube zur Schaffung von Trittsteinbiotopen wurden in einem stillgelegten Abbaubetrieb (Sandgrube Galgenberg), in der Lahnaue bei Kernbach sowie am Schadenbach nahe dem gleichnamigen Homberger Stadtteil durchgeführt. Im Projektgebiet wurden Temporär- und Dauergewässer angelegt sowie Winterquartiere mit Stein- und Sandschüttungen in Gewässernähe installiert. Die optimierten Projektgebiete wurden jedoch nicht selbstständig von der Gelbbauchunke besiedelt.

Ab dem Jahr 2019 ist ein langfristiges Projekt zur Wiederansiedlung der Gelbbauchunke in der Fuldaaue nahe den Schlitzer Stadtteilen Rimbach und Queck geplant. Das Gebiet zwischen Queck und Rimbach eignet sich unter anderem besonders aufgrund seiner hydrologisch günstigen Lage zur Wiederansiedlung der Gelbbauchunke. Im Zuge einer Grundoptimierung ist in den ersten drei Projektjahren (Auftaktphase) die Anlage von Aufenthaltsgewässer, Reproduktionsgewässer und Grabentaschen vorgesehen. Eine gewünschte Dynamik soll durch die eingeführte extensive Beweidung erzielt werden. Darüber hinaus ist in der ersten Phase über zwei bis drei Jahre die Wiederansiedlung von Unken geplant. In der darauffolgenden dreijährigen Konsolidierungsphase soll eine jährliche Anlage frischer Laichgewässer erfolgen. Zur dauerhaften Sicherung des Projekterfolgs wird unbefristet im Turnus von zwei bis drei Jahren die Anlage neuer Tümpel stattfinden.

Neben der Gelbbauchunke sollen durch Mitnahmeeffekte andere bestandsbedrohte Tier- und Pflanzenspezies, wie zum Beispiel Sumpfschildkröte, Ringelnatter, Laubfrosch und Bekassine von den Maßnahmen profitieren.

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