Wie geht es weiter mit EU-Förderung nach 2013?

Vogelsbergkreis (au). Der Vortrag von Ministerialrat Gerd Trautmann vom Hessischen Landwirtschaftsministerium zum Thema »EU-Förderung nach 2013« sorgte anfangs der Woche für sehr Interesse der Mitglieder an der Frühjahrsversammlung des Wasser- und Bodenverbands Vogelsberg (WBV) im Dorfgemeinschaftshaus Engelrod.

Der Referent ging auf die Bereiche »Was ändert sich, was ist neu?« sowie »Wie kann es mit den Agrarumweltmaßnahmen in Hessen ab 2014 weitergehen?« ein. Weniger Mittel, eine komplizierte Verwaltung und die stärkere Bindung der Zahlungen an Umweltmaßnahmen kennzeichnen nach Aussage von Trautmann die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) für 2014 bis 2020. Verbandsvorsteher Rüdiger Rausch zog unterdessen eine Bilanz.

Zunächst ging der Referent auf die Frage ein: Warum »schon wieder« eine neue Reform. Dazu nannte er als Gründe: Zunehmende Instabilität der Agrarmärkte und Schwankungen der Preise, steigende globale Nachfrage nach Agrarrohstoffen, Zahlungen innerhalb der GAP würden neu bemessen und verteilt, Verwaltungsverfahren vereinfachen, Aufwertung der nicht marktbezogenen Gemeinwohlleistungen wie Umweltschutz, Qualitäts- und Gesundheitsstandard sowie Nachhaltigkeit, Auswirkungen des Klimawandels, Höhere Verbrauchererwartungen an Herkunft und Qualitätsgarantien bei Lebensmitteln und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschafts- und Ernährungswirtschaft.

Die Bedenken vieler Anwesenden, nicht mehr in die Gruppe der »aktiven Landwirte« zu fallen, zerstreute Trautmann. Jeder, der weniger als 5000 Euro Direktzahlungen erhalte, sei aktiver Landwirt. Dies seien in Hessen über 50 Prozent der Betriebe. Nur wer mehr als 95000 Euro Einnahmen außerhalb der Landwirtschaft erhalte, falle heraus. Als prominente Beispiele nannte er die Südzucker AG und den Energiekonzern RWE. Auch sei eine Deckelung für große Betriebe vorgesehen. Ab einem Prämienvolumen von 150000 Euro werde gekürzt.

Einer der Hauptpunkte im Gespräch war dann die Neuabgrenzung der benachteiligten Gebiete (AGZ) ab 2014. Dabei verliere der Vogelsbergkreis von derzeit 56929 Hektar mit 17955 Hektar über 30 Prozent Fläche, und an neuer Fläche kämen 800 Hektar hinzu, berichtete Trautmann. Negativ seien auch die Auswirkungen der neuen Reform bei den Agrarumweltmaßnahmen, denn dazu gebe es weniger Geld weil, die EU-Mittel zwischen den Mitgliedsstaaten neu aufgeteilt, die EU-Kofinanzierung auf 50 Prozent festgesetzt werde, die Modulation entfalle und die finanzielle Lage der öffentlichen Haushalte zu weiteren Kürzungen führen könne. Für das neue Hessische Integrierte Agrarumweltprogramm (HIAP) könnten somit 20 bis 25 Prozent der benötigten Mittel fehlen.

Nach einer regen Diskussion stellte Rechner Thomas Niggenaber (Lauterbach) den vorläufigen Jahresabschluss 2011 und den Haushalt 2012 vor. Äußerst positiv war dabei das vorläufige Jahresergebnis 2011 mit einem Plus von fast 121000 Euro. Gesamterlösen von rund 1,8 Millionen Euro hätten Ausgaben von knapp 1,7 Millionen Euro gegenübergestanden, hieß es. Erfreulich sei der Rückgang der Personalkosten auf nur noch knapp 122000 Euro. Im Jahre 2008 hätten diese noch rund 391000 Euro betragen. An Darlehen seien 2011 etwa 810000 Euro aufgenommen worden. Dazu ist für dieses Jahr eine Aufnahme von 1,1 Millionen Euro geplant. Diese Summe beinhalte unter anderem den Kauf von Güllefässern in Pfordt, Angersbach und Waldensberg für 90000 Euro, eines Feldhäckslers in Neuhof für 158000 Euro, eines Schlepper und einer Forstfräse in Bebra, einer Sämaschine in Vockenrod für 66000 Euro, einer Scheibenegge in Altenhain für 27000 Euro und von Striegeln für Steinau, Wohnfeld und Alsfeld für 33000 Euro sowie weiteren kleineren Maschinen und Geräten. Das komplette Zahlenwerk 2011 und 2012 wurde ohne Diskussion einstimmig beschlossen.

Bei den Vorstandswahlen bestätigte die Mitgliederversammlung Verbandsvorsteher Rausch, dessen Stellvertreter Frank Amend (Steinau an der Straße) und Mitglied Christian Petri (Allmenrod) ihren Ämtern.

Zu Beginn hatte Verbandsvorsteher Rüdiger Rausch eine kurze Bilanz des Vorjahres gezogen. So habe die 60-Jahr Feier des Verbandes mit der Ausrichtung des Kreiserntedankfestes im Mittelpunkt gestanden. In den Händen der Landwirtschaft sei die Verbandshalle in Romrod geblieben, sie sei an die Siliergemeinschaft Stumpertenrod verkauft worden. »Der 2009 eingeschlagene Weg ist richtig. Wir haben das Vertrauen der Mitglieder zurückgewonnen«, bilanzierte Rausch.

Auf den Stellenwert der Landwirtschaft im Vogelsberg wies Erster Kreisbeigeordneter Manfred Görig (SPD) hin. Der Vogelsbergkreis werde da, wo es notwendig sei, auch weiterhin die heimischen Landwirte unterstützen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare