Bereits vor den geltenden Corona-Beschränkungen starteten die Untersuchungsarbeiten: Maximilian Wagner erläutert das Gerät zur Bodenuntersuchung auf dem Schlossgelände (v. l.) Studentin Christine Heimes, Wilhelm Weißhuhn, Beate Goßfelder-Michel, Rainer Grünewald und Prof. Dr. Bernhard Streck. FOTOS: JOL
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Bereits vor den geltenden Corona-Beschränkungen starteten die Untersuchungsarbeiten: Maximilian Wagner erläutert das Gerät zur Bodenuntersuchung auf dem Schlossgelände (v. l.) Studentin Christine Heimes, Wilhelm Weißhuhn, Beate Goßfelder-Michel, Rainer Grünewald und Prof. Dr. Bernhard Streck. FOTOS: JOL

Geheimnisse im Untergrund

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Homberger Schloss- patrioten sind dabei, weitere Geheimnisse des alten Gemäuers zu lüften. Sie gehen auf die Suche nach alten Gräbern und Grundmauern im Untergrund der Burg. Ab Sommer graben Studenten der Uni Marburg, vielleicht finden sie Spuren der legendären Tempelritter?

Es ist nicht der Schatz der Tempelritter, aber es könnte sich um ein Grab der legendären Gemeinschaft handeln, das die Schlosspatrioten mit ihrer neuen Aktion im Auge haben. Im Sommer soll eine Grabung von angehenden Archäologen der Universität Marburg Gewissheit bringen, was unter dem Boden der Kapelle und im Garten hinter dem Sakralbau verborgen ist.

Bei einem Termin, der vor Ausrufung der Corona-Einschränkungen stattfand, stellten Wilhelm Weißhuhn, Rainer Grünewald, Prof. Dr. Bernhard Streck und Beate Goßfelder-Michel die Hintergründe vor. Die Grabung hat eine Vorgeschichte. Im April vergangenen Jahres haben die ehrenamtlichen Schlossherren eine Radarmessung durch eine Fachfirma veranlasst. In etwa zwei Metern Tiefe fand man zwei auf zwei Meter große Strukturen unter dem Kapellenboden, berichtet Weißhuhn. Im Garten hinter dem Bauwerk in der selben Tiefe steckt etwas, das fünf Meter lang und einen Meter breit ist. Nun soll eine Grabung klären, was genau es ist. Anlass war zunächst die nasse Außenwand. Der Kapellenboden liegt eineinhalb Meter unter dem Niveau des Gartens.

Man will dann bei den Arbeiten auch die Erde im Garten abtragen, um die Wände trockenzulegen. Dabei kann allerdings historische Substanz zerstört werden, weshalb der Arbeitskreis Geschichte des Vereins nachforschte, was zu der Kapelle in alten Unterlagen zu finden ist. Dabei stießen die Mitglieder auf Hinweise, wonach Templer nach der Zerschlagung ihres Ordens einen Rückzugsort in Homberg gefunden haben. Die Bodenradaruntersuchung folgte, dabei wurde bis zu acht Meter tief in den Untergrund geschaut.

Um 1600 herum gab es bereits eine Grabung, bei der menschliche Knochen gefunden wurden. Die Bestatteten waren groß gewachsen, was auf Adlige hindeutet. In alten Beschreibungen ist auch von einem Beinhaus die Rede. In jüngerer Zeit haben die Vorbesitzer der Burg den Boden der Kapelle etwa eineinhalb Meter tief aufgegraben, aber nichts gefunden. Nun will man tiefer ausschachten.

Für die neue Untersuchung des Untergrunds nahm der Arbeitskreis Geschichte über Landes-Archäologe Dr. Andreas Thiedmann Kontakt mit Prof. Dr. Felix Teichner auf. Er sagte zu, mit Studenten der Uni Marburg im Sommer eine Grabung durchzuführen. "Wir sind sehr dankbar, dass die Wissenschaftler mit uns zusammenarbeiten, sonst wäre eine solche Untersuchung nicht möglich", erklärt Wilhlem Weißhuhn.

Eine Hoffnung ist dabei, Hinweise auf eine mögliche Anwesenheit von Templern zu finden. Im Herbst vergangenen Jahres hat Thorsten Rühl seine Forschungen zur Verbindung des Templerordens zur Burg Homberg vorgestellt. Der in Jerusalem gegründete Orden ist 1312 verboten worden, die Mitglieder wurden verfolgt und viele zerstreuten sich über ganz Europa. Möglicherweise war Homberg damals ein Zufluchtsort.

Maximilian Wagner war auf weiteren Flächen des Schlossgeländes unterwegs. Für seine Bachelorarbeit in Archäologie untersucht er die alte Marstallwiese am Tor und den Garten gegenüber dem Haupteingang mit einem geoelektrischen Gerät. Dabei wird die Leitfähigkeit des Untergrunds untersucht. Mauerwerk leitet Stromstöße schlechter als nasse Erde, was mit Sensoren geprüft werden kann.

Bis in einen Meter Tiefe kann man so ohne Grabung unterschiedliche Strukturen abbilden. "Damit kann man Mauern und Gruben erkennen, aber keine Töpfe oder Knochen", beschreibt Wagner. Seine Untersuchung wird mit Plänen des Geländes und älteren Untersuchungen verglichen, um Reste von alten Bauwerken zu ermitteln.

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