Auch in den Vogelsberger Schulen soll schon bald wieder ein möglichst normaler Betrieb möglich sein, wenn auch unter bestimmten Regeln. FOTO: SF
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Auch in den Vogelsberger Schulen soll schon bald wieder ein möglichst normaler Betrieb möglich sein, wenn auch unter bestimmten Regeln. FOTO: SF

Die Gefahr ist nicht gebannt

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"Coronafrei ist mein Wort der Woche", jubelten Nutzer der sozialen Netzwerke. Seit vergangener Woche kann sich der Vogelsbergkreis mit diesem Zusatz schmücken. Sechs Wochen lang hatte es keine Neuinfektionen mehr gegeben. Trotzdem heißt es jetzt, nicht übermütig werden, warnt Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak.

Der Vogelsbergkreis ist nicht Neuseeland, aber beide sind offiziell coronafrei. Die neuseeländische Ministerpräsidentin hebt jetzt alle Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Abstandsregeln auf.

Nur weil der Vogelsbergkreis coronafrei ist, heißt das ja noch nicht, dass wir nicht auf andere Menschen außerhalb des Kreises treffen. Von daher ist es wichtig, Regeln und Maßnahmen auch weiterhin einzuhalten. Wir haben sicherlich einen schönen Zwischenerfolg erzielt. Damit dies so bleibt, halte ich die Maßnahmen - die im Übrigen vom Land der Situation angepasst werden, so hat es erst in dieser Woche weitere Lockerungen gegeben, jetzt können sich bis zu zehn Personen im öffentlichen Raum treffen - weiterhin für erforderlich.

Welchen Sinn machen die Maßnahmen, wenn sie aufrecht erhalten werden? Etwa das Tragen von Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen, im Bus..

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist nach wie vor sehr wichtig, da dadurch andere Menschen geschützt werden. Wenn der Mund-Nasen-Schutz richtig getragen wird, kann dadurch mehr Alltag entstehen, weil man andere schützt. So lange kein Impfstoff gefunden wurde, wird uns das Virus mehr oder minder stark begleiten.

Immer mehr Bürger meinen auch im Vogelsberg, es reiche nun mit den Beschränkungen und Maßnahmen. Was sagen Sie Ihnen?

Das kann man sehr gut nachvollziehen, weil wir seit sechs Wochen keine neuen Fälle haben. Doch es ist ein Irrglaube. Denn nur weil wir sehr konsequent darauf gedrungen haben, sich an Sicherheitsmaßnahmen zu halten, konnte die Verbreitung des Virus gestoppt werden. Die Gefahr aber ist nicht gebannt. In den Nachbarkreisen Fulda und Hersfeld-Rotenburg beispielsweise gibt es Neuerkrankungen, Fulda ist nicht weit weg…Deshalb möchte ich weiter um Verständnis bitten. Wenn wir unsere Vorreiterrolle nicht verlieren wollen, müssen wir weiterhin mit Beschränkungen leben.

Müssen die Menschen weiter Abstand halten?

Ja. Neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist vor allem das Einhalten der Abstandsregel und der Hygienemaßnahmen im Rahmen der jetzt beschlossenen Lockerungen wichtig.

War es aus Ihrer Sicht der richtige Weg, der beschritten wurde, wenn man an die Folgen auch für die Vogelsberger Wirtschaft denkt ?

Natürlich treffen uns die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns. Aber: Wir hatten fünf Todesfälle im Kreis und einige Fälle mit schwerem Verlauf - wenn man Menschenleben und wirtschaftliche Interessen gegenüberstellt, da fällt die Antwort eindeutig aus. Ja, es war der richtige Weg. Menschenleben und Gesundheit gehen immer vor. Jetzt müssen wir natürlich auch sehen, wie man den Firmen im Kreis helfen kann, die unter den Folgen der Pandemie zu leiden haben. Die beschlossenen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung sind dabei die richtigen Schritte.

Wie läuft es in Schulen und Kitas? Kann man hier nach den Ferien wieder zum "Regelbetrieb" übergehen? Dies wäre für viele Eltern sicher eine große Erleichterung.

Eindeutig Ja. Der Vogelsbergkreis hat übrigens schon vor dem Land Hessen angekündigt, die Gruppengröße in den Kitas nach oben zu setzen. Denn es läuft doch eins ins andere: Wenn Firmen und Betriebe langsam wieder zum normale Arbeitsalltag übergehen, dann muss auch die Kinderbetreuung sichergestellt sein.

Wie sieht die Zeit nach der "heißen" Corona- Phase aus? Was liegt an, etwa bei Krankenhäusern. Welche Vorbereitungen gibt es auf eine mögliche zweite Welle?

Auch die Krankenhäuser gehen unter strengen Hygienevorschriften wieder zum Normalbetrieb über. So wurde damit begonnen, verschobene Operationen und Eingriffe nachzuholen. Unsere Krankenhäuser waren sehr gut vorbereitet auf die Pandemie. Sollte es tatsächlich eine zweite Welle geben, so kann auf diese Erfahrung zurückgegriffen werden. Auch das Zusammenspiel mit anderen Beteiligten wie Rettungsdienst oder unserem koordinierenden Krankenhaus, dem Klinikum in Fulda, hat sich etabliert, auch darauf kann man zurückgreifen.

Wie gehen Sie ganz persönlich im Alltag mit dem Thema um?

Ich halte mich weiterhin an die Regeln und versuche auch anderen, die Bedeutung der Regeln näherzubringen. Ansonsten blicke ich optimistisch in die Zukunft.

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