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Der Bürgersteig ist eng, die Autos fahren schnell: Anlieger Patrick Kirch versucht in Merlau mit seiner kleinen Tochter die Bahnhofstraße zu überqueren.

Gefährlich und laut

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Wer zentral wohnt, hat viele Vorteile - aber nicht nur. Von der Bahnhof- straße in Merlau aus hat man kurze Wege zu den Lebensmittelmärkten, der Kindertagesstätte, der Gemeindeverwaltung sowie zu Friseur und Optiker. Aber man hat auch den Durchgangsverkehr vor der Haustür. Der kann aus Sicht der Anlieger bleiben, sollte aber nur noch Tempo 30 fahren dürfen.

Eine gute Verkehrsanbindung hat Vorteile. Nicht nur für Anlieger, auch überörtliche Verkehrsteilnehmer wissen gute Verbindungen zwischen den Orten zu nutzen. Und wenn man dann noch zügig fahren kann, wird das gerne wahrgenommen - auch wenn man nicht so schnell fahren darf. Die Bahnhofstraße in Merlau ist so eine Straße: Sie verbindet die umliegenden Dörfer mit der Autobahn, mit der B 49 und an der Nahtstelle zu Flensungen liegen Bahnhof, Geschäfte, Ärzte und Apotheke. Wer in Mücke etwas besorgen will, der kann auf die Bahnhofstraße nicht verzichten.

Ganz anders geht es Familie Jürgen Zebisch und weiteren Anliegern zwischen FFT und dem Optikergeschäft beziehungsweise Stückweg und der Straße Mühlgalle. Denn sie fühlen sich durch den Verkehr beeinträchtigt, insbesondere wegen des Tempos, das in der durch eine Kurve unübersichtlichen Straße zwischen parkenden Autos gefahren wird.

Will man auf die andere Straßenseite wechseln, heißt es oftmals mehrere Minuten nach links und rechts und wieder nach links zu gucken, bis sich im Verkehrsstrom eine Lücke erspähen lässt. Zudem verursacht der Verkehr viel Lärm. Und es gebe viele Beinaheunfälle, berichtet Zebisch. Es habe zwar »noch nicht richtig gerappelt«, aber Anlieger würden immer wieder über abgefahrene Außenspiegel klagen. Es werde auch oft zu schnell gefahren, so Zebisch, insbesondere nachts.

Und wenn eine Radarkontrolle aufgebaut werde, dann werde das über soziale Medien rasch verbreitet. Als einen Beitrag zur Verbesserung sieht Zebisch sogenannte Smilies, die die gefahrene Geschwindigkeit anzeigen, Übertretungen allerdings nicht sanktionieren. Solche Anlagen gibt es etwa in Homberg in Büßfeld und am Ostring.

Das Verkehrsaufkommen in der Bahnhofstraße hat sich nach dem Eindruck von Zebisch in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Auslöser seien neben dem immer vielfältiger werdenden Einkaufs- und Arbeitsmöglichkeiten sicher auch die Navis in Autos, die bei Stau auf der A 5 den Umgehungsverkehr bei Zebisch am Haus vorbeileiten. Das wird besonders dann deutlich, wenn dieses Verkehrsaufkommen von der ampelgeregelten Kreuzung mit der B 49 nicht mehr bewältigt werden kann. Der Rückstau geht dann bis in die Kurve von Zebischs Haus.

Anlieger gegen Parkverbot

Jürgen Zebisch hat eine Lösung für den Straßenabschnitt: Tempo 30 scheint ihm angemessen, wegen der besonderen Gefährdungslage. In dieser Sichtweise stützen ihn alle Mücker Fraktionen, machte er in einem AAZ-Gespräch deutlich. Aber die Bahnhofstraße ist eine Kreisstraße, und da hat die Gemeinde Mücke wenig zu sagen. Zuständig ist Hessen Mobil. Da hilft es auch nicht, wenn Zebisch mit seinem Ansinnen bei Bürgermeister Andreas Sommer offene Türen einrennt.

Es geht bei der Entscheidung für oder gegen eine Tempo-30-Zone immer um eine individuelle Abwägung. Deshalb gibt es auch in Nieder-Gemünden in Höhe des Kindergartens eine 30-Kilometer-Zone, die auf die Öffnungszeiten der Einrichtung beschränkt ist.

Und in Ruppertenrod werden sogar Nutzer einer Bundesstraße vor der Kindertagesstätte mit einem Tempo-30-Schild ausgebremst. Um das Problem mit der mangelnden Übersichtlichkeit zu lösen, könnte man ein Parkverbot aussprechen. Aber das sieht Zebisch nicht als Lösung an, denn die Lärmbelästigung bliebe, und viel Anwohner wüssten nicht wohin mit ihren Autos.

Nachbar und Schwiegersohn Patrick Kirsch ergänzt, der Trend gehe eindeutig zum Zweitwagen, und der Verkehr nehme zu. Wenn er mit seiner kleinen Tochter die Bahnhofstraße überqueren wolle, habe er immer Bedenken. Er frage sich, wie ein Kind in diesem Umfeld sicher aufwachsen könne. Und auch das samstägliche Kehren der Straße sei nicht ohne. Nachbarn hätten schon mal einen Wagen mit Warnblinker hingestellt, um beim Kehren sicher zu sein.

Problematik nicht auf Merlau begrenzt

Bürgermeister Andreas Sommer erkennt die Problematik und sieht sie nicht nur auf Merlau begrenzt. Er hat eine Anfrage bei den Ortsbeiräten laufen und bittet diese um Vorschläge, in welchen Bereichen der Gemeindestraßen (aber auch der klassifizierten Kreis-, Landes- und Bundesstraßen) eine Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 in Mücke vorstellbar wäre. Sobald diese Vorschläge vorliegen, werde beraten, wo das Tempo gedrosselt werden kann. Und Jürgen Zebisch hat eine Unterschriftensammlung abgeschlossen und 39 Unterschriften von Unterstützern und Befürwortern eines »Tempo-30-Abschnittes« an den Bürgermeister übergeben.

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