Rolf Dieter Nern an einem Rhododendron. Von der einst geliebten Pflanze verabschiedet er sich nach und nach, weil sie mit der zunehmenden Trockenheit schlecht klarkommt.
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Rolf Dieter Nern an einem Rhododendron. Von der einst geliebten Pflanze verabschiedet er sich nach und nach, weil sie mit der zunehmenden Trockenheit schlecht klarkommt.

Ein Garten wandelt sich

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Wer einen Garten hat, der kann sich nicht nur in der Corona-Krise glücklich schätzen. Rolf Dieter Nern ist gleich Herr über 4000 Quadratmeter blühenden Lebens. Seit den ersten Experimenten mit dem Rasenmäher sind er und seine Frau zu echten Gartenprofis geworden. Sorge macht aber der Klimawandel.

Schnellen Schrittes geht Rolf Dieter Nern durch seinen Garten. Die 83 Jahre merkt man ihm nicht an. Am Spruch "Gartenarbeit hält jung" scheint etwas dran zu sein. Auslauffläche haben Nern und seine gleichaltrige Ehefrau Anne Bea genug, auf stolze 4000 Quadratmetern erstreckt sich die parkähnliche Gartenanlage am Ortseingang von Groß-Felda.

Hier kann man erfahren, wie sich die Gartengestaltung im Laufe der Generationen verändert hat. Die Anlage gehört zu einer Villa, die Nerns Vater 1923 im damaligen viktorianischen Stil errichtet ließ. Der "Garten" bestand in früheren Jahren aus einem Fichtenwald, zudem hielt die Familie auf dem Grundstück unter anderem Pferde, Schweine, Schafe, Hühner und Enten. Dazu kamen ein großer Obst- und Gemüsegarten. All das verfiel im Laufe der Jahre, weil es nicht mehr gepflegt wurde.

Als die Nerns vor Jahrzehnten wieder das alte Elternhaus bezogen, wurde mit dem Rasenmäher erst mal eine Schneise ins Gras geschlagen, "damit die Kinder spielen konnten". Weil es keinen Schatten gab, fing er an, Bäume zu setzen. "Und auf einmal bekamen wir Spaß am Gärtnern", erinnert er sich.

Nach und nach wandelte der Garten sein Gesicht. Von Reisen brachte das Ehepaar Ableger mit und experimentierte. Rolf Dieter Nern war ursprünglich großer Freund der prächtig blühenden Rhododendren, die jetzt noch einige Ecken zieren, doch das Konzept war "irgendwann dahin".

Nach und nach hat er gemerkt, dass sie mit der zunehmenden Trockenheit nicht gut klarkommen, einige Sträucher gingen ein. So hat er sich langsam von ihnen verabschiedet.

Es sind auch die Birken und die Fichten verdorrt oder Sturm "Kyrill" zum Opfer gefallen. Auch eine Azaleenwiese sei leider vertrocknet.

Inzwischen ist eine Mischung aus naturnahem und gestaltetem Garten entstanden, der in verschiedene Bereiche eingeteilt ist. Das "Rezept": "Ein bisschen zupfen und ein bisschen wachsen lassen." So kann sich manche Pflanzen selbst aussäen und ihren Lieblingsplatz besiedeln. Er und seine Frau verbinden mit allen Pflanzen etwas, sagt Nern, und sein Blick fällt auf eine Camassia (Prärielilie: "Die blüht im Frühling fantastisch blau.").

Überall können Besucher etwas entdecken, kleine Blumeninseln unter mächtigen alten Baumveteranen, darunter 120 Jahre alte Buchen, die dem Garten seinen Rahmen geben. Weil einer der beiden Söhne in Kalifornien lebt, hat das Paar einen Mammutbaum von dort mitgebracht.

Dazu gesellen sich grazile Schwertlilien oder Nachtviolen, Mohn und Pfingstrosen, Waldschlüssel und Schachbrettblumen oder Buschwindröschen, die sich überall verteilten. In diesen Tagen beherrschen auch Margeriten das Bild. Inzwischen hat das Ehepaar Nern viele Stauden angepflanzt, die mit der sich verändernden Witterung besser zurechtkommen.

An einer versteckten Stelle im Garten hat das Paar seinen Arbeitsplatz. Dort wird alles, was im Garten anfällt, verwertet, Äste geschreddert, die anschließend dem Pflanzenschutz und Aufwuchs dienen. "Das hilft auch gegen Trockenheit und gegen das Verdunsten des Wassers", so Nern. Beim Spaziergang mit seinem damals noch jungen Sohn hatten beide eine Bärlauchpflanze im Frankfurter Stadtwald mitgenommen. Daraus ist auf dem Grundstück in Groß-Felda inzwischen eine stattliche Bärlauchwiese geworden. "Viele holen sich gern etwas davon, um zum Beispiel Pesto zu machen."

Auch eine reichhaltige Vogelwelt hat sich auf dem Gelände eingenistet. Stare kann man beobachten, die sich für ihr Brutgeschäft in einer ehemaligen Spechthöhle einrichteten. Und auch der eine oder andere Waschbär hat schon Gefallen am Gelände gefunden, nicht nur zur Freude der Gartenbesitzer...

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