Eine Gärtnerei-Ära von 75 Jahren geht zu Ende: Inhaber Gerhard Salge mit seiner Mutter (85, l.) und Floristin Andrea Schmidt inmitten der verbleibenden Pflanzen. Wirtschaftliche Gründe führen zum Aus der Gärtnerei Salge. FOTO: SF
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Eine Gärtnerei-Ära von 75 Jahren geht zu Ende: Inhaber Gerhard Salge mit seiner Mutter (85, l.) und Floristin Andrea Schmidt inmitten der verbleibenden Pflanzen. Wirtschaftliche Gründe führen zum Aus der Gärtnerei Salge. FOTO: SF

Gärtnerei Salge schließt

  • vonJutta Schuett-Frank
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Gegensätze in Mücke: Während es im Westen der Großgemeinde "brummt", sich große Firmen ansiedeln und Bauplätze nachgefragt sind, "schwächelt" der Osten. Jetzt hat in Ober-Ohmen die große Gärtnerei Salge geschlossen. Der mit einer guten Infrastruktur ausgestattete Ort hat ein wichtiges Standbein verloren.

Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Ende Mai wurde bekannt, dass die Volksbank Mittelhessen ihre Liegenschaft in Ruppertenrod veräußert. Die Tankstelle soll zwar bestehen bleiben, aber insbesondere das Warenlager von Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain werden die Bürger vermissen. Für Bau-, Düngemittel und Brennstoffbedarf wird man nach Alsfeld oder Homberg fahren müssen. Ende Juni kam dann das Aus für die Traditionsmetzgerei Klöß in Flensungen. Nach 111 Jahren wurde die "letzte Fleischwurst" ausgegeben, wie es die "Happy Palomas" intonierten.

Und jetzt geht in Ober-Ohmen eine Gärtnerei-Ära von 75 Jahren zu Ende. Inhaber Gerhard Salge steht mit seiner Mutter (85) und Floristin Andrea Schmidt im Gewächshaus bei den verbleibenden Restpflanzen. Sie berichten, wirtschaftliche Gründe hätten zum Schließen der Gärtnerei Salge geführt.

Es standen große Investitionen bei der Heizungsanlage an, die Gerhard Salge (56), der ohne Nachfolge dasteht, nicht mehr alleine stemmen konnte. Zur ganz schnellen Schließung kam es deshalb, weil Gärtnermeister Gerhard Salge ein Jobangebot hatte. Da hieß es dann verständlicherweise zugreifen.

2000 Quadratmeter Gewächshäuser

Im Jahre 1945 gründete der Großvater von Gerhard Salge, Otto Krug, die Gärtnerei. Damals war das Gelände rund 600 Quadratmeter groß. Krug startete mit einem Obst- und Gemüsehandel, der dann durch den Gärtnereibetrieb erweitert wurde. Im Laufe der Jahrzehnte wurden drei Parzellen hinzugekauft, sodass sich der Betrieb nun auf 4500 Quadratmeter ausgedehnt hat und sich von der Raiffeisenstraße bis zur parallel verlaufenden Ohmstraße erstreckt. Lag der Betrieb in den Anfängen noch am Ortsrand, so nahm er seit dem Erschließen des alten Neubaugebietes jenseits der Ohmstraße eher eine zentrale Lage in der Ortsmitte ein.

Krugs Schwiegersohn Friedhelm Salge übernahm später die Gärtnerei im Jahre 1963. Er wiederum übergab den Gärtnerbetrieb dann an seinen Sohn Gerhard Salge am 1. Januar 1989. Im gleichen Jahr wurde der neue einladende Verkaufsraum an der Ohmstraße gebaut.

Mit Stolz blickt man auch auf die zehn ausgebildeten männlichen und weiblichen Gärtner zurück. Das Unternehmen hat inzwischen 2000 Quadratmeter Hochglas (Gewächshäuser) auf der Gärtnereifläche. Die Gemüse-, Beet- und Balkonpflanzen entstanden von Stecklingen oder aus Samenkörnern. In mühevoller Arbeit wurden sie herangezogen und pikiert. Die Gärtnerfamilie Salge machte dies viele Jahrzehnte gerne und voller Hingabe. Die Kunden waren dankbar für die bekannten und kräftigen Pflanzen aus der Gärtnerei Salge.

Die Gärtnerei hatte auch jegliche Topfpflanzen, Schnittblumen, Kränze und Dekorationen für alle Anlässe, für Freud und Leid. Floristik wurde bei Salge stets großgeschrieben.

Gerhard Salge ist ein Blumenmann und das mit ganzem Herzen, ob in seiner Gärtnerei oder auf der Faschingsbühne. Denn Gärtnersmann Salge stellte die Blumen zur Faschingszeit 2013 vor, und sein Lied mit "Summ, summ, summ, ich bin ein Blumenmann" fand großes Gefallen beim närrischen Volk.

Das war keine karnevalistische Eintagsfliege, denn im Februar 2018 hatte Gärtner Salge das Lied "99 Löwenzahn" zum Besten gegeben. Und auch in der Kommunalpolitik war Salge aktiv und erhielt dafür erst jetzt im Juni die Ehrenplakette in Silber für Mitarbeit im Ortsbeirat und in der Gemeindevertretung.

Seit der Bekanntgabe der Schließung waren alle treue Kunden noch einmal vor Ort. Bei einigen von ihnen sind schon Tränen geflossen: "Manchmal wird es in dem Laden sehr emotional." Nun kann auch Mutter Erna Salge mit ihren 85 Jahren in den Ruhestand gehen. Und trotz Schließung wird wohl der Name Salge weiter seine besondere Bedeutung haben: Immer dann, wenn die Ober-Ohmener mit dem Bus auf große Fahrt gehen und einsteigen an der " Bushaltestelle Salge".

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