Die Grundmauer unter dem Marktplatz trug früher wahrscheinlich das alte Rathaus, wie Vertreter der Stadt und der Landes-Archäologie vorstellen. FOTO: JOL
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Die Grundmauer unter dem Marktplatz trug früher wahrscheinlich das alte Rathaus, wie Vertreter der Stadt und der Landes-Archäologie vorstellen. FOTO: JOL

Fundament vom alten Rathaus?

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Der Untergrund in einer alten Stadt steckt voller Überraschungen. Bei den Bauarbeiten am Alsfelder Marktplatz kamen Mauerreste zum Vorschein, die wohl das Fundament des alten Rathauses bildeten. Der Vorgängerbau des über 500 Jahre alten Fachwerkrathauses stand wohl vor dem heutigen Eiscafé "La Piazza" und hatte Ecktürmchen.

So mancher Passant bleibt am Bauzaun auf dem Alsfelder Marktplatz stehen und schaut neugierig in eine sauber ausgehobene Baugrube mit einem L-förmigen Mauerstück. Das sind wahrscheinlich Reste des alten Rathauses. "Die Indizien sprechen dafür", sagt Bezirksarchäologe Dr. Andreas Thiedmann. Vor dem heutigen Eiscafe "La Piazza" stand vor 1512 ein Gebäude von neun mal sechs Metern mit einem begehbaren Keller und zwei Türmchen, die in Richtung Hersfelder Straße angebaut waren. Das schließen die Archäologen aus den Untersuchungen, unterstützt wird das durch Unterlagen des Stadtarchivs. "Das hat hohe Wichtigkeit für die Stadtgeschichte", freut sich Bürgermeister Stephan Paule über den Fund.

Bauamtsleiter Tobias Diehl erinnerte bei einem Ortstermin daran, dass bereits im vergangenen Jahr beim Verlegen einer Nahwärmeleitung die Mauer im Untergrund aufgefallen ist. Nach einer Bodenradaruntersuchung ist nun der ganze Bereich noch einmal aufgegraben worden. Dabei stand den Arbeitern mit Uwe Schneider ein archäologischer Baubegleiter zur Seite.

Beim Ortstermin verwies Schneider besonders auf die dicken Fundamente, Bögen an zwei Ecken und den Keller mit Steinfußboden. Das deutet auf ein repräsentatives Bauwerk hin. So ist die Grundmauer 60 bis 80 Zentimeter stark, der Kellerboden lag rund 2,5 Meter unter dem Niveau des heutigen Marktplatzes und war wohl aufrecht begehbar. "Das zu einer Zeit, in der die meisten Häuser nur Kriechkeller hatten".

An der Frontseite fallen zwei runde Vorsprünge mit einem Außendurchmesser von 2,5 Metern auf, die wohl Türme trugen. Leider hat man bei der Grabung nur eine Keramikscherbe gefunden, die aus dem 13. bis 14. Jahrhundert stammt. Interessant ist aber eine etwa 40 Zentimeter dicke Schicht aus Lehm und Asche, die auf einen großen Brand des Gebäudes hindeutet.

Das passt gut zu den Unterlagen, die Stadtarchivar Dr. Norbert Hansen zusammengetragen hat. Die früheste Erwähnung des Rathauses findet sich in einem Rechnungsbuch der Stadt. Für das Jahr 1386 sind Maurerarbeiten am Leonhardsturm und am Rathaus enthalten. "Schon Jahrzehnte früher sind Bürgermeister, Schöffen und Rat genannt, deshalb kann man davon ausgehen, das es auch ein Rathaus gegeben hat", sagt Hansen.

Von früheren Forschern erwähnte Quellen berichten von einem Brand, der das alte Rathaus zerstörte. Als möglicher Standort des alten Rathauses war auch der Bereich am Eingang der Rittergasse erwähnt worden, weil dort bei Kanalbauarbeiten Brandreste und ein steinerner Fußboden gefunden wurden. "Die entdeckten Fundamente eines massiven steinernen Gebäudes sind ein starkes Indiz für ein ehemals repräsentatives Bauwerk mit hervorgehobener Bedeutung", folgert Hansen.

Gebäude stand frei

Auch Thiedmann geht davon aus, dass die Reste des alten Rathauses gefunden worden sind. Dafür sprechen die Türme an den vorderen Ecken, der massiv ausgelegte Kellerboden und die Ausrichtung der Fassade zur Hersfelder Straße hin, "das war der Hauptzugang zum Marktplatz".

Das benachbarte Gebäude, in dem sich heute das Eiscafé befindet, stand damals noch nicht. Das Gebäude stand also frei auf dem öffentlichen Platz. Nun will man noch die Holzkohlenreste untersuchen, um den Brand datieren zu können.

Die Stadt prüft noch, ob sie einen weiteren Grabungsschnitt finanziert. Dabei kann der Bereich der runden Fundamente an den Ecken genauer untersucht werden. Danach wird der Boden wieder zugeschüttet. "Die beste Konservierung ist es, wenn der Bereich wieder zugeschüttet wird", sagt Thiedmann. Eine mögliche Abdeckung mit einer Glasplatte kann in der Folge dazu führen, dass sich Algen auf den Fundamenten ansiedeln und die Steine beschädigen. So wird nun wohl die Pflasterung in dem betreffenden Bereich farblich abgesetzt und eine Info-Tafel zu dem Fund angebracht.

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