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"Für welche Welt schreibe ich?"

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Schwere Zeiten für Kulturschaffende. Mitten in die anhaltende Corona-Pandemie legt die Ober-Ofleidener Autorin Astrid Ruppert ihr neues Buch vor. Es ist der zweite Teil ihrer Trilogie über drei Frauen, deren Weg sie über Generationen erzählt. Die Autorin über das Glück, in der Corona-Krise zu Hause arbeiten zu können und die Folgen der Pandemie für ihre Zunft.

Sie als etablierte Autorin dürften weniger finanzielle Sorgen haben als andere Autoren, die noch am Anfang stehen?

Auf jeden Fall haben es Anfänger jetzt viel schwerer, weil die Verlage 25 bis 30 Prozent ihrer Programme streichen werden und der Konkurrenzdruck wächst. Aber ich bin nicht frei von Sorgen. Die Verlage werden stärker auf Bestseller setzen, und jedes Buch muss sich immer neu platzieren und seine Leser und Leserinnen finden. Und wenn es das nicht tut... Dann wird es das zukünftige Buch, das man plant, auf jeden Fall sehr schwer haben.

Welche Auswirkungen gibt es ganz konkrekt?

Nach der Buchladenschließung war mein erstes Buch der Trilogie quasi aus den Buchläden verschwunden, weil es ja inzwischen einen Stau an Neuerscheinungen gab, die alle in die Buchläden mussten. Also, wie viel mehr meiner Bücher hätten sich ohne den Lockdown wohl verkauft? Wie viele mehr Lesungen hätte ich gehabt? Etwa zehn Lesungen wurden abgesagt, hätte es ohne die Beschränkungen mehr gegeben? Wer weiß? Ich hatte Glück, dass "Wilde Jahre" nicht verschoben wurde.

Fehlen Ihnen Lesungen und die persönlichen Kontakte?

Ja, wenn ich im Publikum Reaktionen spüre, oder Menschen mich hinterher auf meine Geschichten ansprechen. Dann weiß ich jedes Mal, warum ich schreibe. Deshalb freue ich mich im Moment besonders über Zuschriften.

Wollen Sie mit Ihren Büchern "nur" unterhalten?

Auf jeden Fall möchte ich in einer unterhaltsamen Geschichte meine Gedanken teilen, und hoffe, damit auch bei den Lesern Denkanstöße geben zu können.

Hat sich die Schreibarbeit mit Corona verändert?

Das Schreiben an sich ist das gleiche: ich sitze alleine in meinem Arbeitszimmer. Habe eher mehr Ruhe dafür, und im Moment noch genug Geschichten im Kopf, um ein Weile davon zu zehren. Verändert hat sich die Frage: für welche Welt schreibe ich? Ist all das, was wir kennen, wieder in eine nahe Zukunft zu projizieren, oder verändern sich Dinge dauerhaft? Ein einfaches Beispiel: ob wir irgendwann wieder Fremden die Hand schütteln werden? Wie verliebt man sich mit Maske? Und werden sich Themen generell verändern, weil Corona die Spaltung in der Gesellschaft vorantreibt?

Sehen Sie in Ihrem Umfeld Veränderungen durch die Corona-Krise?

Kollegen, deren Erscheinungstermine für Bücher ins nächste Jahr verschoben wurden, oder die normalerweise zu Hause am Esstisch schreiben, sobald die Kinder morgens aus dem Haus sind... und dann waren die Kinder plötzlich zu Hause. Filme oder Dreharbeiten wurden abgesagt oder verschoben. Da sind finanzielle Jahresplanungen zusammengebrochen. Einige, die selbst erkrankt sind, waren wochen- bis monatelang arbeitsunfähig. Es gibt mehr Einsamkeit, und mehr Zukunftsangst, und es gibt Initiative und Engagement, die viel Mut machen.

Glauben Sie, dass die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen reichen?

So sehr ich die Entscheidungen der Regierung in dieser Pandemie zu großen Teilen mittragen kann, das eine ärgert mich: dass nicht im Sommer besser für den Winter vorgesorgt wurde. Wenn die Maskenpflicht, der öffentliche Verkehr und auch die Restaurants (ich war in einigen, in denen keine Abstandsregeln eingehalten wurden oder von den Bedienungen nur die berühmte Mund- oder Kinnmaske getragen wurde) besser kontrolliert worden wären, wären vielleicht viele Schließungen unnötig geworden. Und wenn man die Polizisten, die nun in den Dannenröder Forst geschickt werden sollen, in die Öffentlichkeit schicken würde, um für die Einhaltung der Hygiene-Regeln zu sorgen, wäre der Allgemeinheit auch besser gedient.

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