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Mit Einverständnis der Gemeinde können nun nahe den "Dicken Steinen" (im Waldstück links) und anschließend an den Windpark Platte (im Hintergrund) drei Windenergieanlagen errichtet werden.

Frischer Wind für Gemeindekasse

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Die Feldataler Gemeindevertreter machen den Weg frei für den geplanten Windpark Eckmannshain. Bei Stumpertenrod sollen drei Anlagen errichtet werden, dafür erhält die Gemeinde in den nächsten Jahren rund 300 000 Euro mehr als bisher vereinbart. Die Kommunalpolitiker hatten allerdings keine Wahl.

Rund 300 000 Euro zusätzlich aus Windkraft: Das Argument überzeugte die Kommunalpolitiker in Feldatal, und sie machten am Donnerstag mit großer Mehrheit den Weg frei für den Windpark "Eckmannshain". Bei Stumpertenrod sollen zwischen dem Naturdenkmal "Dicke Steine" und der Straße nach Ulrichstein-Helpershain drei Rotoren aufgestellt werden. Dazu war eine Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde nötig, was nun den vorgegebenen bürokratischen Gang nimmt. Der Beschluss hätte eigentlich bereits vor sechs Wochen fallen sollen, aber die misstrauischen Gemeindevertreter hatten damals entschieden, erst ein neues Angebot der Windkraft-Projektierer iTerra schriftlich festzuzurren, bevor sie der Planänderung zustimmen.

Nun teilte Bürgermeister Leopold Bach mit, dass iTerra-Vertreter Frank Sauvigny "den Worten Taten folgen ließ". Bereits vor der Gemeindevertretersitzung Ende August habe er die Zusage gemacht, die vereinbarte Pacht für ein Gemeindegrundstück anzuheben. Nun sei festgehalten, dass 60 000 Euro bezahlt werden statt der bislang angesetzten 50 000 Euro. Das allein mache über die Laufzeit von 20 Jahren einen Mehrerlös für die Gemeinde von 200 000 Euro aus. Hinzukommen noch weitere Beträge, die aufgestockt wurden. Bach geht von einem Mehrerlös von 300 000 Euro aus und empfahl die Planänderung. "Herr Sauvigny hat Wort gehalten", betonte der Bürgermeister.

Rechtlich gesehen hatte die Gemeinde keinen Spielraum, denn der Regionalplan Mittelhessen hat in dem Bereich "Eckmannshain" einen stiefelförmigen Bereich für Windenergienutzung vorgesehen. Der bislang gültige Flächennutzungsplan der Gemeinde hat ein rund vierfach größeres Areal für Rotoren zugelassen, was aber im Widerstreit mit dem Vogelschutzgebiet stand. So ist nach dem Regionalplan der gesamte Bereich Vogelsberg ausgespart. Da der Regionalplan Mittelhessen das übergeordnete Recht darstellt, muss die Gemeinde ihren Plan anpassen. Allerdings hatten die Gemeindevertreter damit gedroht, das Vorhaben zu verzögern, was in der Sitzung vor sechs Wochen einige Verärgerung bei Frank Sauvigny ausgelöst hatte. Die Projektierungsgesellschaft will drei Anlagen vom Typ "Vestas V 150" mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und einer Leistung von jeweils 4,2 Megawatt aufstellen. Dabei werde eine Anlage etwa 150 Meter hinter dem Naturdenkmal "Dicke Steine" stehen, die beiden anderen schließen sich in dem Bereich in Richtung der neuen Windenergieanlagen Kopf/Köppel an. Die Anlagen halten einen Abstand von 1600 Metern zu Stumpertenrod und 1700 Metern zu Ulrichstein ein.

Umspannwerk wohl bei Romrod

Bach sprach auch die weiteren Kritikpunkte aus der vorigen Parlamentssitzung an. So würde weiterhin geprüft, ob die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen auf Gemeindegrundstücken geschaffen werden. Die geeigneten Areale sind gemeldet, das Verfahren liege beim Regierungspräsidium Gießen. Die Prüfung erfordere ihre Zeit, meinte Bach. Weiter unklar ist, ob das Umspannwerk zum Einspeisen des Stroms auf einem Gemeindeareal beim Windpark gebaut wird. Der Betreiber des Windparks Markhohl bei Groß-Felda habe angeboten, den Strom vom Eckmannshain dort einzuspeisen. Das würde günstiger sein, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Bach meinte nun, "das Umspannwerk wird voraussichtlich nicht auf Gemeindegelände errichtet". Damit entfallen Pachtzahlungen für die geplante Fläche im Bereich Eckmannshain.

Zur Erinnerung: Der geplante Windpark Markhohl soll drei 241 Meter hohe Anlagen umfassen, die Mitte 2021 ans Netz gehen sollen. Sie werden im Wald zwischen der B 49 und Groß-Felda nahe der Kreisstraße 125 aufgestellt. Dabei hält man einen Abstand von 1,2 Kilometer nach Schellnhausen und zwei Kilometer nach Groß-Felda ein.

Markus Schwalm (FWG) wollte wissen, ob die Blockade der Gemeindevertretung für die besseren Bedingungen gesorgt haben. Das verneinte Bach, denn das Angebot von iTerra habe bereits vor der August-Sitzung vorgelegen. Denn die Einspeisebedingungen hätten sich verbessert, was iTerra die Möglichkeit gegeben habe, eine höhere Pacht festzuschreiben. "Vielleicht ging es etwas schneller" nach dem negativen Beschluss der Gemeindeverteter, merkte Bach an.

Für die Planänderung stimmten die elf Mitglieder von FWG, AUF und SPD, dagegen die beiden CDU-Abgeordneten. Die Christdemokraten hatten bereits in der August-Sitzung ihren Widerstand gegen neue Windenergieanlagen bekundet und das mit Beeinträchtigungen für die Bevölkerung durch Infraschall und Schattenwurf begründet.

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