Die Konfirmanden auf dem alten Friedhof. FOTO: SF
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Die Konfirmanden auf dem alten Friedhof. FOTO: SF

Für friedvolles und soziales Miteinander

  • vonJutta Schuett-Frank
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Mücke-Ruppertenrod(sf). Man solle sein Tun und Handeln danach ausrichten, Frieden zu verbreiten, appellierte Pfarrer Markus Witznick am Sonntag bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am alten Friedhof. Man kenne sie, die großen Kriege, aber auch die kleinen Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft oder mit Freunden, sagte Witznick, dies seien auch Kriege, wenn auch kleine. Ortsvorsteher Albert Tröller definierte die Redewendung "ein Krieg bricht aus" um. Ein Krieg sei kein Vulkan der ausbreche, sondern er sei von Menschenhand vorbereitet.

Von den Reservisten sprach Günter Zeuner vom Kriegsende 1945 in Ruppertenrod. Er habe dazu Gespräche mit ein paar Ruppertenröder geführt, die damals etwas älter gewesen seien als die Konfirmanden, die jetzt bei der Gedenkstunde dabei seien. Seine Frage habe gelautet: "Wie war das damals 1945, wie habt ihr das Kriegsende 1945 hier erlebt? War das damals für euch eine Befreiung?" Die überwiegende Zahl der Antworten habe darauf abgehoben, dass man damals an Befreiung nicht gedacht habe. Man habe damals einfach nur Angst gehabt vor dem, was jetzt auf einen zukommen würde, was der böse Feind jetzt mit uns einem machen würde. In diesem Sinne haben die Nazi--Propaganda Wirkung gezeigt. Man habe kein Internet oder Facebook gehabt um schon zu wissen, was es bedeutet, befreit zu werden.

Über das, was in den letzten Tagen vor dem Kriegsende im dorf passierte, zitierte Zeuner einige Stellen aus dem "Ruppertenröder Heimatbuch". Als die Front im Oktober 1944 im Westen, im Januar im Osten deutsches Reichsgebiet erreicht habe, habe niemand mehr an den Sieg geglaubt. Tausende von fliehenden Soldaten und Zivilisten waren täglich auf den Straßen, hatten nichts zu essen und bettelten um Nachtquartier. Viele Ruppertenröder Frauen kochten Kartoffeln und Gemüse für die durchziehenden Menschen. So vergingen die Tage bis in den März 1945. Man hatte den Fliegerangriff auf Grünbergs Bahnhof mit 150 Toten am 17. März schon mitbekommen. Es verging kein Tag, an dem nicht Fliegerformationen über den Vogelsberg zogen und damit das Näherrücken der Front auch zu erkennen war. Am 27. März 1945 beschossen Jagdbomber Ruppertenröder Einwohner, die auf dem Feld arbeiteten, ein französischer Kriegsgefangener verlor dabei sein Leben, vier Ruppertenröder wurden teils schwer verletzt.

Zwei Blumen stehen für Freundschaft

Am Gründonnerstag, dem 29. März 1945 zogen amerikanische Truppen über die heutige Bundesstraße kommend in das Dorf ein. Glücklicherweise ging alles kampflos ab. Ein evakuierter Rheinländer sorgte dafür, dass eine SS-Einheit nicht die Kirche sprengte, um eine Straßensperre im Ort zu errichten. Ab dem 29. März rollten dann Tag und Nacht Panzer und Fahrzeuge durch den Ort, bis es zur endgültigen Kapitulation des Reiches im Mai 1945 kam. Trotzdem blieb die Angst der Menschen, berichtete Zeuner. Die Amerikaner führten unverhoffte Hausdurchsuchungen durch. Es gab eine Sperrstunde von 20 Uhr abends bis 6 Uhr früh. In dieser Zeit durfte sich niemand außer Haus aufhalten, und es bestand Versammlungsverbot.

"Wir wollen gerade heute die nicht vergessen, die nicht mehr nach diesem Krieg in ihren Heimatort zurückgekommen sind, die nicht mehr zu ihren Familien gefunden haben", sagte Zeuner. "Ihre Namen finden wir auf den Tafeln am Kriegerdenkmal."

"Wir dürfen nicht vergessen, dass Frieden und ein friedvolles Miteinander nicht selbstverständlich sind", mahne zeuner. Für ein friedvolles und soziales Miteinander seien Achtung und Toleranz gegenüber den Mitmenschen entscheidend - im Kleinen wie im Großen.

Er wies noch auf die 75jährige deutsche-britische Freundschaft nach dem 2. Weltkrieg hin. Zwei Blumen sollten auf diese 75jährige Freundschaft hinweisen. Blumen die ganz besonders für "Erinnerung" stehen. Der Mohn ist die Erinnerungsblume der Briten, denn der Mohn blühte als erste Blüte auf den Soldatengräber des 1. Weltkrieges und ist seit dieser Zeit für die Briten das Symbol des Erinnerns an die Weltkriege. In Deutschland hat sich das Vergissmeinnicht als Gedenkblume durchgesetzt.

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