Mit Drohgebärden wehren sich Dorian und seine Partnerin Franzi auf dem Alsfelder Leonhardsturm gegen Artgenossen, die das Nest übernehmen wollen. Franzi ist schon die dritte Störchin, die sich Dorian geangelt hat, die beiden Weibchen vorher blieben nicht lange. FOTO: MÄRKEL
+
Mit Drohgebärden wehren sich Dorian und seine Partnerin Franzi auf dem Alsfelder Leonhardsturm gegen Artgenossen, die das Nest übernehmen wollen. Franzi ist schon die dritte Störchin, die sich Dorian geangelt hat, die beiden Weibchen vorher blieben nicht lange. FOTO: MÄRKEL

Frauenverschleiß bei Dorian

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
    schließen

Die majestätischen Vögel sorgen für Aufsehen. Derzeit brüten wieder zwei Störche auf dem Leonhardsturm am Rand der Alsfelder Altstadt. Ob sie auf Kindersegen nach der erzwungenen Zweisamkeit vieler Paare in Zeiten von Corona hindeuten, wird sich in einigen Monaten zeigen.

Unbeeindruckt vom nachlassenden Treiben unterhalb des Turms zeigen sich die Alsfelder Weißstörche. Wie im Vorjahr haben sich zwei der majestätischen Vögel auf dem markanten Wagenrad auf der Turmspitze niedergelassen und bereiten die Brut vor. Allerdings klappt die treue Zweisamkeit auf dem Turm nicht so recht. Denn inzwischen hat sich Dorian schon das dritte Weibchen geangelt .

Dorian lebte bereits im Vorjahr auf dem Leonhardsturm. Weshalb die beiden ersten Weibchen nicht in Alsfeld blieben, vermag Walter Märkel nicht zu sagen.

Der Vogelexperte des Naturschutzbundes (NABU) beobachtet sie Tiere seit längerem. Bereits Mitte Januar war Daisy das erste Mal auf dem einzig verbliebenen Turm der Stadtbefestigung gesichtet worden. Das Weibchen hat im Vorjahr drei Junge aufgezogen und vermutlich in der Wetterau überwintert, wie Märkel erläutert.

Erst vier Wochen später kam dann auch Dorian hinzu, der Partner im Vorjahr. Bereits zwei Tage darauf verabschiedete sich Daisy aus unbekanntem Grund dann wieder , wie Märkel beobachtet hat. Ein anderes Weibchen gesellte sich rach hinzu, blieb aber nur etwa 14 Tage.

Seit etwa zwei Wochen ist nun wieder ein neues Weibchen in dem Nest zu beobachten. Märkel ist es allerdings noch nicht gelungen, ihre Herkunft zu bestimmen. Es ist mit einem silbernen Aluring versehen, und der lässt sich nur sehr schwer ablesen.

Allerdings könnte das "A" darauf laut Märkel eine österreichische Herkunft bedeuten "Sie haben sich gepaart und Zweige ins Nest getragen", berichtet er, dieses Verhalten deute auf eine anstehende Brut hin. Dabei mussten sich die beiden immer wieder gegen andere Störche zur Wehr setzen, die den offenkundig begehrten Nistplatz ansteuerten. Im Vorjahr haben Dorian und Daisy für dreifachen Nachwuchs gesorgt, für ein junges Brutpaar ist das eine gute Quote, wie Märkel sagt.

Lediglich ein Jungvogel ist in einer Kälteperiode gestorben. Alsfelder und etliche Besucher der Stadt haben sich an den eleganten Großvögeln erfreut, die auf dem historischen Turm wohnen.

Das Weibchen Franzi hat sich entschieden, zumindest für die laufende Saison mit Dorian eine Familie zu gründen. Anders lasse sich nicht erklären, dass sie selber Polstermaterial für das Ausbrüten der Eier für das Gelege einfliegt. Damit könnten auch kurze Kälteperioden vom Nachwuchs überstanden werden.

Die Wohnstätte ist noch relativ neu. Auf Initiative des Naturschützers Kurt Frey wurde vor zwei Jahren das alte Wagenrad auf dem Turm neu befestigt. Der hoch gelegene Nistplatz ist bei den Vögeln gut angekommen. Eine Nisthilfe haben Naturschützer auch in der Schwalmaue im Bereich von Eudorf aufgestellt. Dort wurde gelegentlich ein Storch gesichtet, bislang ist aber keiner geblieben. Weißstörche brüten, wenn es genug Nahrung auf den Wiesen gibt.

Ein weiterer Storch hat sich einen Schornstein ausgesucht und darauf ein Naturnest gebaut. Beide Male hatte Märkel ihn nur allein angetroffen. "Es dürfte sich also wohl um ein Männchen handeln".

Ein weiterer Fremdstorch hatte sich das Kreuz der Kirche ausgesucht, um den Blick in die Ferne schweifen zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare