Fragen zum Sonntag

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Für den 2. Sonntag nach Trinitatis

"Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" 1. Kor. 9,16b

Beim Wort, das heute über diesen "Fragen zum Sonntag" steht, haben Sie sicher gedacht: Ein Vers für Pfarrer, für Prediger oder sonstige berufene Verkündiger der frohen Botschaft. Ich habe dieses Wort ganz anders gelesen. Gewiss, es geht hier zuerst um das "Predigen", also das Weitersagen und Auslegen dessen, was Gott uns in der Heiligen Schrift sagen will. Aber sagt er das nur den Pfarrern und Propheten? Nicht auch jedem Christen, also auch Ihnen?

Das Evangelium, die frohe Botschaft vom Tod und der Auferstehung Jesus Christi für alle Menschen, ist doch jedem zugänglich. Alle haben es gehört, alle, die überhaupt von Jesus Christus gehört haben. Also haben wir auch alle diese Aufgabe, die Paulus hier anspricht: Das Evangelium predigen, das weitersagen, was wir von diesem Jesus Christus wissen.

Wem das immer noch zu hochtrabend klingt, dem will ich es in die kleinere Münze seines täglichen Lebens einwechseln: Nehmen wir an, wir werden auf dem Friedhof, beim Besuch am Grab eines Verstorbenen angesprochen. Vielleicht sagt die Frau, die sich mit der Pflege an der Grabstätte nebenan zu schaffen macht: "Jetzt ist mein Mann schon fünf Jahre lang tot. Immer wieder an seinem Grab fällt das auf mich...alles stirbt und vergeht..." Hier könnten wir nun ein Wort sagen, das vom Leben zeugt: Dass wir selbst Hoffnung haben, dass wir uns wiedersehen. Dass der Tod nicht der Schluss ist nach unserem Glauben. Dass die Liebe Gottes zu uns kein Ende hat: Wie wir unsere Verstorbenen in Gedanken festhalten, so hält Gott uns - auch im Tod. Was sich hier vielleicht arg gekünstelt und schwierig anhört, ist in der jeweiligen Situation durchaus anzubringen. Und es kann helfen! Immerhin würde die Frau am Grab nebenan spüren können: Da ist jemand, der hat einen Halt, eine Hoffnung, der kann von dem reden, woran mein Geist so ungern rührt - vielleicht kann ich auch dahin finden?! Ein anderes Beispiel: Die Resignation macht sich breit in unseren Tagen. Schon Schüler von 11, 12 Jahren, gefragt, worüber sie sich denn freuen können, antworten zahlreich so: "Ich kann mich an überhaupt nichts mehr freuen!" Und dann wird der Klimawandel genannt, die Gewalt in der Gesellschaft, der Krieg und die Zerstörung, über die uns die Medien ja fast täglich berichten. Aber auch uns Erwachsenen liegt das doch schwer auf der Seele: Die Ängste, die wir haben, wenn wir an die Zukunft denken.

Die Einsamkeit, in der wir vielleicht leben müssen. Dass wir einfach keine Erfüllung und keinen Sinn mehr finden in unseren Tagen. Dass die jungen Eheleute in unserer Nähe, ja, Verwandtschaft, nach ein paar Jahren auseinanderlaufen... Das alles sind auch Gelegenheiten sich darauf zu besinnen und dann davon zu reden, dass der Hintergrund des Lebens durch Jesus Christus hell ist! Dass unsere Zukunft nicht grau, sondern herrlich sein wird. Dass auch schon in diese Zeit ein Glanz der ewigen Welt Gottes hineinfällt, wenn wir uns an ihn halten, ihm vertrauen und uns nicht von seiner Spur abbringen lassen. Dass schließlich durch diesen Jesus auch immer wieder ein Weg zurückführt: Zu Gott und zueinander. Dass es Vergebung gibt und einen neuen Anfang.

Noch einmal: Was sich hier ein wenig gewollt und herbeigeholt anhört, wird uns im Alltag vielleicht ganz anders begegnen. Was die Menschen sagen, tun und fragen wird auch anders sein. Aber die Gelegenheiten zum Antworten wird es für uns geben. Darauf kommt es an, dass wir dann nicht auf die bestellten, bezahlten Verkündiger verweisen, sondern wissen: Jetzt bin ich selbst dran! Und ich will auch noch das hinzufügen: Wir müssen dann antworten, wenn wir uns Christen nennen! Denn das gilt für uns alle: "Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken.

Pfr. Manfred Günther

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