Fragen zum Sonntag

Predigtwort zum 3. Sonntag nach Trinitatis:

Predigtwort zum 3. Sonntag nach Trinitatis:

»Er nahm ihn auf mit Freuden!« Lk. 19,6

Von Zachäus ist die Rede. Das ist der kleine Mann, der in Jericho auf dem Baum sitzt, als Jesus in den Ort hineinzieht. Ein verachteter kleiner Mann noch dazu. Er nahm Zoll am Stadttor ein und betrog dabei die Leute. Deshalb wollte ihn auch keiner in die erste Reihe lassen, dass auch er etwas sehen kann. Jesus aber sieht ihn. Er ruft ihn herunter von seinem Baum und will in seinem Haus zu Gast sein. Wahrhaftig eine große Ehre für den kleinen Zöllner. Wir wollen das gern glauben: »Er nahm ihn auf mit Freuden!« Warum habe ich dieses Wort heute hier oben drüber geschrieben? – Weil da von »Freude« die Rede ist – im Zusammenhang mit der Sache Jesu Christi. Und ich finde halt, in unserer Beziehung zu ihm wird zu viel von Lasten, Auflagen und Mühe gesprochen und der Zeigefinger erhoben. Und ich will dafür auch Beispiele geben.

Da sollen etwa die Konfirmanden während der Zeit des Konfirmandenunterrichts einmal ein Evangelium der Bibel von vorn bis hinten lesen. »Was, so viel! Das hat ja 15 Kapitel!« – Wer aber sagt, dass es doch auch schön ist, ein bisschen mehr von diesem Jesus zu erfahren, als man bisher wusste? Wer freut sich, jetzt ein bisschen tiefer einzudringen in die Geschichte dessen, nach dem man doch Christ heißt und ja auch heißen will? Oder nehmen wir den Kirchgang: Von sehr vielen – ich meine, unangemessen vielen! – wird er doch nur als Last empfunden. (Und es gibt bei diesen Nicht-Kirchgängern eine sehr große Zahl von Leuten, die gar keinen Grund haben, den Gottesdienst in ihrem Ort zu beurteilen. Sie kennen ihn nämlich gar nicht und »ihren« Pfarrer, »ihre« Pfarrerin kennen sie auch nicht. Sie waren vielleicht bei der Taufe ihres Kindes zuletzt in der Kirche. Die war vor 12 Jahren!) – Wer aber sagt, dass ihm der Gottesdienst viel bedeutet? Wer spricht aus, dass er von dort viele gute Impulse empfängt? Dass er dort erfährt, was ihm zum Leben hilft, seinen Glauben stärkt und noch manches mehr, was er nicht missen möchte? Gewiss gibt es solche Menschen.

Aber ich finde, es sind zu wenig – unangemessen wenig! Und irgendwie gelingt es ihrer Freude nicht so recht, andere anzustecken, sonst müssten es doch mehr sein, die am Sonntag ihr Gotteshaus aufsuchen! Auf der anderen Seite allerdings ist es einhellige Meinung, dass Gottesdienst etwas mit »Muss« zu tun hat, mit »Belastung« am Sonntagmorgen, auch noch vor 11, also »in aller Herrgottsfrühe«, mit Einbuße an Freizeit, mit Verlust an Freiräumen und mit Opfer an persönlicher Entfaltung... Wo aber wird weitergesagt, wie uns die Ansprache am Totensonntag getröstet hat? Wer spricht laut davon, wieviel Sinn und Glück für ihn schon in einem guten Predigtwort gelegen hat? Wer bekennt – am Ende gar öffentlich – dass ihn die Konfirmation oder die Bestattung, bei der er sich halt wieder einmal zur Kirche aufmachen musste, doch sehr beeindruckt und zu dem Entschluss geführt hat, »da doch wieder häufiger hinzugehen«? (Leider ist aber oft nichts daraus geworden.)

Und schließlich denke ich an das christliche Leben, zu dem wir gerufen sind. Wird nicht auch davon überwiegend nur im Zusammenhang mit Klage und Mühe, Druck und Müssen gesprochen? »Du willst ja Christ sein, dann darfst du in der Passionszeit nicht alles essen!« Dass hier ein Mensch vielleicht nicht alles essen will, dass er dabei das Fasten als Befreiung erfährt, dass ihm der Verzicht nicht Opfer sondern Bereicherung ist, darauf kommt doch kaum einer. Oder das: »Du musst ja wohl wieder zum Abendmahl! Du hast doch wieder schlimm gesündigt!« Wer redet von dem unverdient gnädigen Angebot Gottes an uns, dass wir jederzeit und mit jeder Schuld an seinen Tisch kommen dürfen und dort Vergebung erfahren? Welche herrliche Sache ist das doch eigentlich! »Er nahm ihn auf mit Freuden!« – Ich denke, wir dürfen uns bei diesem kleinen Zöllner Zachäus ein Stück von seiner Freude abschneiden! Er weiß, was er an Jesus und seiner Sache hat!

Pfr. Manfred Günther

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare