Fragen zum Sonntag

Predigtwort zum 7. Sonntag nach Trinitatis

Predigtwort zum 7. Sonntag nach Trinitatis

»Jesus sprach zu seinen Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen.« Lk. 9,13

Die Geschichte kennt jeder: Jesus hat gepredigt und geheilt. 5000 Menschen sind versammelt. Jetzt ist die Veranstaltung zu Ende. Die Jünger wollen, dass die Leute heimgehen. Die aber wollen nicht. Da ge- hen die Jünger zu Jesus. Und der sagt eben dies: »Gebt ihr ihnen zu essen!« Der Blick der Jünger wird eine große Frage gewesen sein: Wie soll das gehen? Jesus aber fragt zurück: Was haben wir an Speise da? »Fünf Brote und zwei Fische«, ist die Antwort. Wahrhaftig nicht viel für eine solche Menge. Aber Jesus dankt darüber und lässt es austeilen. Und es heißt: Alle wurden satt! Ja, es wurden sogar noch zwölf Körbe voll Reste gesammelt.

Wir wollen einmal nicht fragen, was hier wohl tatsächlich damals geschehen ist. Darüber haben sich schon viele mehr oder weniger gelehrte Leute zu allen Zeiten den Kopf zerbrochen. Und von »Taschenspielertrick« bis »Glaubenswunder« ist alles Mögliche dabei herausgekommen. Wir wollen einmal nur das hören: »Gebt ihr ihnen zu essen!«

Mich hat das sofort angesprochen. Da sind nämlich wir dran! Wir denken ja zuerst bei solchen Wundergeschichten, ob Jesus das wohl damals wirklich getan hat? Ob er das wohl auch noch heute tut, tun könnte? Aber wir denken nicht an uns. Und schon gar nicht denken wir, dass wir dieses Wunder vielleicht heute tun könnten, tun sollen! – Was könnte hier gemeint sein?

Nun, wir sehen zum Beispiel, wie viele Menschen in dieser so reichen Welt buchstäblich nach Brot hungern! Wir wissen, es ist uns noch nicht gelungen, die Güter dieser Welt so zu verteilen, dass wenigstens alle zu essen haben. Aber möglich wäre es! Das will uns kleinen Leuten doch schon lange nicht in den Kopf, wie es kom- men kann, dass die Menschen in Äthiopien oder Indien an Unterernährung sterben, während in Europa Milliarden aufgewendet werden, um Milchseen und Butterberge zu verwalten und die Erträge ganzer Landstriche unterzupflügen und auf Müllkippen zu vernichten.

Aber bevor wir jetzt mit Fingern auf unfähige Politiker und Wirtschaftsstrategen zeigen, es gibt auch einen Hunger vor unserer Tür! Man kann nämlich auch nach Liebe hungern! Und es gibt einen Durst der Seele! Und ganz in unserer Nähe haben viele Menschen großen Mangel an Lebenssinn und Erfüllung! Und da könnten wir etwas tun! Das sollte uns nahegehen!

Und ich meine, da trifft uns Jesu Wort: »Gebt ihr ihnen zu essen!« Es müsste uns klar werden, dass wir nicht mehr träge darauf warten können, dass Jesus etwas tut. Nein, wir sind dran! Wir könnten, wir können helfen. Und vielleicht geht uns jetzt auch auf, wie müßig, ja, wie absolut überflüssig die Diskussion darüber ist, ob das zu Jesu Zeit ein Wunder war und wie das denn möglich gewesen sein kann. »Gebt ihr ihnen zu essen!« Wenn wir dem folgen, dann merken wir erst einmal, dass eben nicht Jesus, sondern wir diese Aufgabe übernehmen sollen.

Und wenn wir uns dann darum bemühen, den Menschen in unserer Nähe das Brot zum Leben zu reichen, ihnen das anzubieten und zu geben, was wir ihnen geben können, dann werden wir spüren: Das ist ja wirklich ein Wunder, was da geschieht! Dass ich meine eigenen Interessen zurückstellen kann, dass ich mich ganz auf andere – und wenn es nur einer ist – einstellen kann, dass nicht mein Bauch, mein Wille, meine Wünsche regieren... Das ist ein Wunder!

Ich persönlich bin überhaupt fest davon überzeugt, Jesus wollte uns damals dafür ein Beispiel geben, dass wir dieses Wunder tun müssen und tun können: Dass Menschen satt werden! Darum denke ich auch, dieser Satz ist die Mitte dieser Wundergeschichte: »Gebt ihr ihnen zu essen!« – Lassen wir auch heute dieses Wunder geschehen! Wir können es!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken!

Pfr. Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de)

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