Rassismus

Fragen müssen erlaubt sein

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(zum Artikel "Allgegenwärtige Diskriminierung" Interview mit Prof. Dorothée de Nève vom 21. März)

Wie definiert man Rassismus? Laut Duden als "übersteigertes Rassenbewusstsein, Rassendenken und daraus folgende Diskriminierung von Personen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einem Menschentypus". In der Definition von Prof. de Nève fehlt das Wort "übersteigert", dafür werden Sprache und Religion dem Rassebegriff zugeordnet.

Ich meine dagegen: weder Sprache noch Religion sind an die Rasse gebunden! Um allen Missverständnissen vorzubeugen: ich halte es mit Martin Luther King, dass man den Menschen nicht nach seiner Hautfarbe beurteilen soll, sondern nach seinen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten.

Bin ich denn ein Rassist, wenn ich den Muslimen vorwerfe, dass in gewissen Ländern den Frauen die Gleichberechtigung verweigert wird, ihnen Bildung vorenthalten wird, sie unter das Kopftuch gezwungen werden und hauptsächlich nur Hausfrau und Mutter sein können?

Wie es in christlichen Ländern vor Jahrhunderten eine Trennung von Kirche und Staat gegeben hat, so müsste auch beim Islam das Primat der Politik vor der Religion durchgesetzt werden.

Zum ersten Mal vernahm ich vom Fußballspieler Özil den Rassismusvorwurf (wegen seiner Islam-Zugehörigkeit) gegen seine ehemaligen Fußballkollegen; dass dieser Begriff so in der Politikwissenschaft verwendet wird, halte ich für falsch. Den Vorwurf des institutionellen Rassismus kann ich nicht nachvollziehen. Bei Polizei, Bundeswehr, bei Landtags- und Bundestagsabgeordneten gibt es inzwischen etliche gegenteilige Belege. Im Hochschulbereich gibt es viele Professoren mit ausländischen Wurzeln. Bezüglich des Massakers von Hanau wurde die Reaktion der Bevölkerung und der Politik völlig unterschlagen. Das Mitgefühl und die Trauer waren überwältigend, es war ein Anschlag nicht gegen Fremde, sondern gegen unsere Mitmenschen. Zum Problem der Eheschließung mit Partnern oder Partnerinnen mit "Migrationshintergrund" wurde zwar verständnisvoll argumentiert. Allein dieser Begriff dokumentiert den Eiertanz dazu.

Bei einem/er "Weißen" gibt es weniger Vorbehalte als bei einem/er Schwarzen. Entscheidend dürfte der kulturelle und familiäre Hintergrund der Partner sein, nicht die Hautfarbe. Es ist richtig, dass Rassismus und Diskriminierung argumentativ begegnet werden muss. Alle Fragen dazu müssen erlaubt sein. Dies gilt auch für geschichtliche Persönlichkeiten. So hat die ev. Kirche sich von judenfeindlichen Äußerungen des Reformators Luther distanziert. Die Intention des Interviews ist gut. Zu bedenken ist jedoch, dass es seine Zeit braucht, dem falschen Denken zu begegnen. Aus Gedanken werden Worte und später Taten.

Bernd Rohrmoser,Homberg

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