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Forschung und Schule vernetzt

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Die Memoradum-Unterzeichner beim einsetzenden Regen (v. l.): Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak, Prof Peter Kämpfer, Landrat Manfred Görig, das Ehepaar Ebke, Schulleiter Christian Bolduan (ASS), Schulleiter Carsten Röhrscheid (Ohmtalschule ) und Schulleiter Walther (Max-Eyth-Schule). © Gerhard Kaminski

Es ist eine Win-win-Situation: Die Universität Gießen und ihre Studenten haben einen Nutzen, Schüler von Vogelsberger Schulen und natürlich der Dreh- und Angelpunkt der Zusammenarbeit - das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein oberhalb von Homberg. Durch die Corona-Pandemie wurde der Nutzen für den Schulalltag deutlich. Jetzt wird die Fortsetzung der Zusammenarbeit bekräftigt.

Das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein (FNU) in Homberg, die Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen und der Vogelsbergkreis arbeiten seit Jahren zusammen. Jetzt haben sie diese Zusammenarbeit in einer Grundsatzerklärung (Memorandum of Understandig) bekräftigt, die von den Beteiligten in einer Feierstunde unterzeichnet wurde.

Sie hatten sich gerade auf den vorbereiteten Plätzen im Außenbereich des Forschungszentrums Neu-Ulrichstein eingefunden, setzte heftiger Regen ein. Etwas weniger feierlich als geplant, musste die Unterzeichnung der Erklärung zur weiteren Zusammenarbeit zwischen der Gießener Universität, dem Forschungszentrum und Vogelsberger Schulen in das Innere der Einrichtung verlegt werden.

Zuvor hatten der Vizepräsident für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der JLU Professor Dr. Dr. Peter Kämpfer, der Landrat des Vogelsbergkreises Manfred Görig (SPD) und der Leiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASS) in Alsfeld Christian Bolduan zur bisherigen erfolgreichen Zusammenarbeit und der Absicht, diese auszubauen, Erklärungen abgegeben.

Kämpfer würdigte diese als »sehr, sehr beindruckend« und betonte die Bedeutung der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Forschungen in den Schulen. Andererseits könnten »Studierende Einblick in die industrielle Forschung in der Ökotoxikologie und in die Lebensmittelproduktion mit landwirtschaftlichen Nutztieren erhalten und bekommen Perspektiven für die berufliche Praxis aufgezeigt«. Er wies darauf hin, dass man bereits mehr als 15 Jahre erfolgreich zusammenarbeite und dabei 20 Millionen Euro Drittmittel generiert habe.

Schüler erläutern ihre Ausbildung

Landrat Görig stellte die Bedeutung des Neu-Ulrichsteiner Forschungszentrums für den Vogelsbergkries heraus. Die Einrichtung zeige, dass es auch in einer ländlichen Region möglich sei, eine solche Forschungseinrichtung zu betreiben. Der Vogelsbergkreis habe von Anfang die Entwicklung begleitet und sehe heute mit Begeisterung den zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten entgegen.

Für die drei Schulen, die bei der Feierstunde einen Kooperationsvertrag mit dem FNU unterzeichneten, konnte der Schulleiter der ASS nur kurz die Bedeutung der Zusammenarbeit für die schulische Bildung würdigen, bevor der Regen die Beteiligten zwang, das Außengelände zu verlassen.

In der vorhergehenden Stunde hatten die Gäste Gelegenheit, sich vor Ort Eindrücke von einigen Projekten zu verschaffen, die das FNU, teilweise mit Partnern, momentan betreibt.

Bei dem Rundgang, der von Prof. Klaus-Peter Ebke, dem Leiter des FNU, geführt wurde, erläuterten Schüler der ASS, wie ihre Ausbildung zu Infektions-Assistentinnen beziehungsweise -Assistenten aussieht. Sie lernen dabei die Eigenschaften verschiedener Keime, und welche Infektionswege es gibt. Anschließend geht es um die Hygienemaßnahmen, mit denen Keime reduziert werden können und Schutzmaßnahmen, wie sie aktuell im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie von Bedeutung sind. Zum Abschluss wird eine Prüfung abgelegt, die bei positivem Ausgang das Zertifikat für die Infektions-Assistentin beziehungsweise den Infektionsassistenten einbringt. Neben dieser vom Hessischen Kultusministerium als Leuchtturm-Projekt geförderten Ausbildung unternimmt das FNU eng an die Landwirtschaft angelehnte Forschungen, beispielsweise zur Nutztierhaltung und dem Tierschutz. Exemplarisch wurde dazu ein Projekt vorgestellt, bei dem es darum geht, welche Laute Schweine in welcher Situation von sich geben. Anhand von aufgezeichnetem »Grunzen« und »Bellen« erläuterten die Projektbeteiligten, deren Bedeutung. Welche Lautreaktion zu Wohlbefinden passt, haben die Untersuchungen bisher nicht ergeben.

Andere Projekte beschäftigen sich mit Giftstoffen und Vergiftungen (Toxikologie). Von Anfang an war dabei die Beeinflussung von Wassersystemen durch Pflanzenschutzmittel von großer Bedeutung. Dazu führt das Institut derzeit mit Partnern ein Projekt zu Mikroplastik in Gewässern durch, bei dem die Ergebnisse von Forschungen auch in Themenwochen an Schulen behandelt werden.

Ein noch weniger entwickeltes Forschungsgebiet ist die Toxikologie von Böden. Um das Bodenleben untersuchen zu können, beispielsweise auf die Population an Regenwürmern, werden Bodenproben genommen. Wie das geschieht, wurde den Veranstaltungsgästen demonstriert.

Mit diesen Projekten und insbesondere dem Transfer von Wissenschaft in die Schulen habe sich das FNU als modernes Dienstleistungszentrum in der Region etabliert, würdigte Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum dessen Leistung in den vergangenen zehn Jahren.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen eröffne jungen Menschen viele Chancen, sich Kenntnisse anzueignen, die ihnen eine gute Perspektive für das Berufsleben biete. »Es passt genau hierher«, sagte sie. Die Unterzeichnung des Memorandums sei ein »Meilenstein« für die zukünftige Entwicklung«. FOTO: PM

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