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Fluch der Schuhkartons

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Mehr Kartons in den Papiermülltonnen und Streit mit dem "Dualen System" beschäftigen den Abfallverband ZAV. Pizzaschachteln und Schuhkartons können den Vogelsbergern höhere Gebühren bescheren.

Die schöne bunte Online-Welt mit ihren verführerischen digitalen Kaufhäusern kann den Vogelsbergern höhere Müllgebühren bescheren. Der Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis (ZAV) und die Firmen des Dualen Systems Deutschland (DSD) verhandeln hinter den Kulissen über die Aufteilung der Kosten für das Verwerten von Papiermüll. So lange das nicht geklärt ist, kommt vom DSD kein Geld, und ZAV-Geschäftsführer Dr. Hansjörg Fuchs weiß nicht, worauf er den Haushalt gründen soll. Hauptstreitpunkt ist die Zusammensetzung des Papiermülls, in dem seit Jahren immer mehr Kartons und immer weniger Zeitungen zu finden sind. Kartonagen sind Verpackungsmüll und gehen zulasten des DSD, dessen Kostenanteil eigentlich steigen müsste. In den vergangenen Jahren waren Einnahmen aus der Vermarktung von Papier und Pappe aus den blauen Tonnen ein fester Posten für den Haushalt des Abfallverbands. Ein Teil der Erlöse wurde an die Bürger ausgeschüttet. Doch das ist nicht mehr zu erwarten, wie Fuchs erläutert. Denn in den Vorjahren haben asiatische Staaten wie China und Vietnam große Mengen Papierabfälle angenommen, um daraus Papier und Kartonagen herzustellen. Inzwischen hat sich die Wirtschaft dort weiterentwickelt, man ist nicht mehr auf Importe angewiesen. Zudem hat sich die Qualität des gesammelten Papier-Pappe-Gemischs verschlechtert. Waren früher relativ viele Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge in den blauen Tonnen zu finden, dominieren heute Karton und Pappe der Online-Shops. "Die Erlöse für Papierabfall sind wesentlich geringer als früher", sagt Fuchs. Den Rückgang schätzt er auf 30 Prozent binnen drei Jahre. Das zeichnet sich im Haushalt des ZAV ab, der 2014 noch über eine Million Euro Erlöse aus der Papiersammlung aufwies. In diesem Jahr rechnet Fuchs nur noch mit 500 000 bis 600 000 Euro. Davon müssen die Kosten für die Sammlung abgezogen werden, "da bleibt nicht mehr viel". Die Sammlung kostet rund 800 000 Euro, bislang übernahm das Duale System Deutschland ein Viertel der Kosten.

Doch zum Jahresbeginn wurde das zugrunde liegende Gesetz geändert, und seither verhandeln Kommunen und Kreise mit den Firmen, die das DSD bilden, um die Verteilung der Kosten. Im Moment ist nicht absehbar, ob man vor Gericht ziehen muss.

Ein Problem ist die unterschiedliche Abrechnung der Kosten. Denn die Sammlung bemisst sich nach der Anzahl der blauen Tonnen, der Verkauf nach Gewicht des gesammelten Materials. Weil Karton weniger wiegt als ein Katalog, sind heute die Sammelgefäße leichter, aber voll. "Vom Volumen her machen die Kartons rund 70 Prozent des Inhalts aus, beim Gewicht sind es nur 50 Prozent", erläutert Fuchs. Deshalb kamen früher rund 9000 Tonnen Papier und Pappe pro Jahr im Vogelsberg zusammen. In diesem Jahr rechnet man mit rund 8000 Tonnen.

Für sinkende Preise sorgt auch die schlechtere Qualität, denn Kartons lassen sich nur zu Kartons verarbeiten, die weniger einbringen als Druckpapier. Der Streit mit den Unternehmen des DSD dreht sich nun darum, wie die niedrigeren Einnahmen abgedeckt werden. "Es kann nicht sein, dass ich mich über den Tisch ziehen lasse und Gebühren verlangen muss, um das aufzufangen", betont Fuchs.

Zurzeit decken die Einnahmen die Kosten noch ab, aber wenn die Erlöse weiter zurückgehen, "können wir in zwei bis drei Jahren an dem Punkt sein, das wir Gebühren für die Papierentsorgung erheben müssen", informiert Fuchs. Eine Folge sind Unsicherheiten für den Haushalt des Abfallverbands, der von den Vogelsberger Kommunen getragen wird. Denn es ist unklar, wann das DSD wieder zu den Kosten beiträgt und wie hoch der Anteil ist. "Es geht um 100 000 Euro, die man da nicht einrechnen kann", seufzt Fuchs.

Auf eine Anfrage an die im Vogelsbergkreis zuständige Firma des Dualen Systems gab es keine Antwort.

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